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Gedanken einer Schauspielerin

Filmverbände und Gender Teil 3: Der BFFS – Filmmakers‘ Unions and Gender: Acting. Part 3 / 3

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Filmverbände und Gender Teil 3: Der BFFS

PROLOG

  • „Natürlich kann eine weitere Frau in den Vorstand. Es muss aber eine Frau mit Eiern* sein.“
  • „Eine Frau im Vorstand macht nur Sinn, wenn Sie bekannt und ein richtiges Kaliber* ist.“

* EIER: umgangssprachlicher Ausdruck für die Hoden des Mannes, die als Sinnbild für Männlichkeit, Mut und Durchsetzungsvermögen stehen.
* KALIBER: Bezeichnung für den Durchmesser von Schusswaffen.

Nachdem ich im Teil 1 Wer vertritt hier wen? Die Filmverbände die absolute und relative Repräsentanz von Frauen und Männern in den Vorständen von 18 Filmverbänden untersucht habe und in Teil 2 den BVR und Genderpolitik, steht heute der BFFS Bundesverband Schauspiel im Fokus.

(DER BUNDESVERBAND) SCHAUSPIEL UND GENDER/-POLITIK

Beim BFFS ist im Vergleich zum BVR so ziemlich alles anders, was nur geht. Der Verband hat wesentlich mehr Mitglieder (über 2.500), unter denen Frauen und Männer grob 50:50 verteilt sind. Im Vorstand (beim BVR 4 Frauen, 5 Männer) sitzen 6 Männer und 1 Frau. Logischerweise gibt es aktuell da auch keinen wachsenden Frauenanteil, im Gegenteil, vor 2 oder 3 Jahren wurden die Sitze von 6 auf 7 erhöht, und der Neue war wieder ein Mann. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber: auch der BFFS hat eine männliche Geschäftsführung, wobei es ,bei uns’ (ja, ich bin Mitglied) gleich zwei geschäftsführende Justiziare gibt. Dazu hat der BFFS auch noch einen Beirat, in den der Vorstand kürzlich Helmut Markwort (Jg. 1936) berufen hat, Jobst Plog (Jg. 1941) war vorher schon drin.
Angesichts dieser geballten Männlichkeit (Julia Beerhold, die einzige Vorstandfrau nimmt aktuell eine mehrmonatige Auszeit) erstaunt nicht wirklich, dass es keine bemerkbare Genderpolitik des Verbands gibt – und das heißt in diesen Fall: seitens des Vorstands, denn der BFFS ist tendenziell oligarchisch strukturiert.

Mitgliederversammlung und Anträge

Aber können die Mitglieder nicht trotzdem etwas tun? Der Antrag zum BVR-Diversitätsbericht kam ja auch aus der Mitte der Mitglieder, wurde von fast allen angenommen und dann zügig umgesetzt. Wäre etwas ähnliches durch die BFFS-Mitglieder bzw. MV möglich? Ja, laut Satzung schon. Mitglieder können Anträge stellen (und werden sogar dazu angehalten, dazu später mehr), denn es heißt in § 20 „Durchführung der Mitgliederversammlung“ Punkt 10: „Anträge zur Mitgliederversammlung werden nur behandelt, wenn der jeweilige Antragsteller in der Mitgliederversammlung anwesend ist und seinen Antrag begründet.“
Die Mitglieder sind auch diejenigen im Verband, die über die Mitgliedsbeiträge entscheiden – „§ 28 Beiträge, Gebühren und Umlagen“: „Mitgliedsbeiträge und Umlagen werden von der Mitgliederversammlung im Rahmen einer Beitragsordnung festgesetzt.“
Und erwähnenswert ist außerdem der § 12 „Pflichten der Mitglieder“: „Die Pflichten aller Mitglieder sind, die Zwecke und Ziele des Vereins nach besten Kräften zu fördern, (…).“ Also nichts mit bloßem Abnicken von Beschlüssen und Berichten des Vorstands. Aktives Mitgestalten ist gefordert.
Das Ganze hat bloß einen Schönheitsfehler: die Zitate stammen nicht aus der BFFS- Satzung, sie stehen in der Satzung des BdS e.V., des Bundesverbands der Stuntleute,  (Edit 2016: jetzt BvS, Bundesverband deutscher Stuntleute) also quasi unserer Stiefgeschwister, denn sie sind die einzigen anderen professionellen Filmschaffenden, die neben uns Schauspieler/innen – bzw. oftmals für uns – vor der Kamera stehen.
Die Stuntleute gehen sogar noch einen Schritt weiter: Wenn der Termin für die MV erstmals an die Mitglieder verschickt wird – die klassische „save the date“-Vorankündigung – steht die Aufforderung, Vorschläge und Anträge einzubringen mit dabei, und wenn dann die förmliche Einladung kommt steht auf dem Antwortformluar nicht nur „ich nehme teil / nicht teil“ sondern außerdem zwei freie Felder für Vorschläge und Anträge.

BFFS-Mitgliederversammlung 2014: Ein Saalname als gutes Omen?

BFFS-Mitgliederversammlung 2014: Ein Saalname als gutes Omen?

Beim BFFS können Mitglieder laut Satzung (die auf der Verbandswebseite leider nicht zum Download bereit steht) keine Anträge für die Mitgliederversammlung stellen. Und die MV setzt auch nicht die Mitgliedsbeiträge fest, das macht der Vorstand, der auch alleine den Beirat bestellt. Das ist aber nicht nur auf dem Papier so, ich habe das mit dem Antrag vor 2 Jahren probiert, als ich frisch im Verband war und die Satzung nicht gelesen hatte – Anträge gehen an den Vorstand und der bestimmt, was aus ihnen wird.
Was für Gründe könnte es geben, die eigenen Mitglieder nichts entscheiden, nichts einbringen zu lassen? Angst? Misstrauen? Gedankenlosigkeit? Ich kann es mir nicht erklären.

Auch ein Erhöhen der Vorstands-Wahlperiode von 2 auf 4 Jahre, die vor einiger Zeit per Satzungsänderung auf Wunsch des Vorstands vorgenommen wurde, finde ich das falsche Signal. Wenn es für einen amtierenden Vorstand nötig ist, länger an einem Thema, an einer Kampagne, an einem Kontakt dran zu bleiben, und das in derselben personellen Konstellation, dann werden sich die Mitglieder sicher nicht versperren. Und dann wählen sie eben jemanden mehrere Male hintereinander. Aber selber zu sagen ,es sollte immer für 4 Jahre gewählt werden’, das hat einen Beigeschmack von „Lasst uns bloß in Ruhe (machen), Ihr Mitglieder“.
Vielleicht haben BFFS-Satzung und jahrelange Praxis dazu geführt, dass die Politik des BFFS, die Ausrichtung, die Schwerpunktthemen durch den Vorstand bestimmt und größtenteils durch ihn gestaltet werden. Den Mitgliedern bleibt – zugespitzt formuliert – nur noch das Zustimmen / Abnicken und das Masse-Darstellen. Denn dass der Verband mittlerweile über 2.500 Mitglieder hat ist natürlich ,ein Pfund’ für Verhandlungen und mehr.
Das kann funktionieren, und auf diese Art und Weise hat der BFFS ja auch schon viel erreicht. Aber ich finde es nicht demokratisch, wenn eine Handvoll die Linie der Verbandspolitik bestimmt. Denn das heißt auch, dass sie entscheiden, für welche Themen gerade KEIN Platz ist. Natürlich gibt es sehr viele Bereiche in denen es für uns Schauspieler/innen aktuell ,brennt’. Aber die benachteiligte berufliche Situation der Schauspielerinnen – wohlgemerkt, der Hälfte der Mitglieder / der Hälfte aller in unserer Berufsgruppe – ist schon zu lange auf die lange Bank geschoben worden. 2010 – schon ne Weile her – wurde im Auftrag des BFFS von Bührmann et al. eine Studie durchgeführt (siehe dazu: Kino, Kinder Karriere?), aus der deutlich hervorging, dass die wirtschaftliche Situation für Schauspielerinnen noch schlechter ist als die für Schauspieler. Hat dieser Aspekt der Studie irgend etwas ausgelöst?

Die Unequal Pay-Kampagne, die der BFFS diesen Sommer startete, nun, das war einer meiner geplanten Anträge damals für die Mitgliederversammlung, wo sie ja nie landeten und folglich auch nicht diskutiert wurden. Ich glaube eine / diese Kampagne hätte innerhalb des Verbands und nach außen einen höheren Stellenwert bekommen, wenn sie von der Mitgliederversammlung initiiert und beschlossen worden wäre. Nicht von oben, per Vorstandsbeschluss, sondern von der Basis, klassische Demokratie. Wobei ich mich natürlich sehr freue, dass Vorstandsfrau Julia Beerhold dem Vorschlag nach kurzer Zeit sehr aufgeschlossen gegenüberstand und die Kampagne vermutlich auch im Kreise ihrer Kollegen durchgesetzt hat.

Die Beiträge

Wie gesagt legt der Vorstand die Mitgliedsbeiträge fest. Ich finde, das sollte die Mitgliederversammlung machen, und die aktuelle Praxis ändern – nach eingehender Diskussion und Abwägung natürlich. Denn die Beitragsstaffelung ist nicht besonders sozial, die Beitrage für Mitglieder mit niedrigeren Einkommen sind im Verhältnis deutlich höher. Es gilt: Der Jahresbeitrag ist 120 € bei bis zu 20 Drehtagen im Jahr, 240 € bei 20 bis 40 Drehtagen und 360 € bei mehr als 40 Drehtagen. Ein Problem an dieser Berechnung ist, dass in der Regel Schauspieler/innen mit weniger Drehtagen auch niedrigere Tagesgagen bekommen, da sie die kleineren Rollen spielen.
Vergleichen wir das mit der Beitragspraxis einer anderen Gewerkschaft, verdi, die lautet:
Der monatliche Mitgliedsbeitrag für Beschäftigte beträgt 1% des Bruttolohns. Abweichend davon zahlen Erwerbslose bei Bezug von Arbeitslosengeld (Alg I) einen verminderten Beitrag in Höhe von 0,5% des regelmäßigen Bruttoeinkommens aus dem Gesamteinkommen, das seinen Ursprung in einem Arbeitsverhältnis hat – mindestens jedoch 2,50 EUR.

Beispiel 1 – bis 20 Drehtage – 120 € Jahresbeitrag
Mitglied A mit 12 Drehtagen à 1.000 € im Jahr (das wäre deutlich über der Einstiegsgage) hätte jährlich 12.000 € brutto, davon sind 1 % 120 €, dies entspricht dem BFFS-Satz. Die mit 20 Drehtagen liegen drüber. In dieser Gruppe sind aber auch die Masse derjenigen mit deutlich weniger Drehtagen und Sondergagen. Also z.B. jemand mit 8 Drehtagen mit durchschnittlich 900 € = 7.200 € und ansonsten ALG II, 1 % sind dann 72 €.

Beispiel 2 – mehr als 40 Drehtage – 360 € Jahresbeitrag
Mitglied B mit 41 Drehtagen und sagen wir mal 3.000 € Tagesgage hätte im Jahr 123.000 €, davon ist 1 % 1.230 €. (bei 2.000 € Tagesgage: 82.000 € Jahresbrutto, 1 % entspricht 820 €.)

Vielleicht ist da die 1 % vom Bruttoeinkommen sowieso die gerechtere Variante (mit einem Mindestsatz für Arme / ALG II-Empfänger/innen), da ja die Mehrheit der Schauspieler/innen nicht nur von ihrer Filmarbeit (sprich: Drehtagen) leben, und der BFFS kein reiner Filmverband mehr bleiben will. Laut der o.g. Bührmann-Studie hatten 35 % der Befragten weniger als 10.000 € Gesamtjahreseinkommen brutto – davon ist 1 % 100 €.
Kurze Nebenbemerkung: angesichts der Arbeits- und finanziellen Situation eines Großteil der Schauspieler/innen wäre es mMn gerade gut, wenn im Vorstand auch „Nicht-Kaliber“ vertreten sind. Es können und sollten nicht ,die da oben’ für alle sprechen, genausowenig, wie für alle Mitglieder inkl. der Hälfte Frauen, ein (fast reiner) Männervorstand sprechen sollte.

Die Gagen

Die o.g. Untersuchung „Viel Ehre, aber kaum Verdienst… Erhebung zur Arbeits- und Lebenssituation von Schauspielerinnen und Schauspielern in Deutschland“ (Bührmann et al. 2010 – leider nicht mehr online verfügbar) ergab u.a., dass nur 30,8 % der Schauspieler/innen ein Jahresbruttoeinkommen über 30.240 € hatten, d.h. 2/3 liegen deutlich darunter. (Die Jahreseinkommen der Schauspielerinnen waren durchschnittlich niedriger als die ihrer Kollegen.) Auf der anderen Seite verdienen 10 % mehr als 80.000 € / Jahr, und knapp 5 % sogar mehr als 100.000 €.
Die Schere klafft also sehr weit auseinander. Es ist wie gerade bei den Mitgliedsbeiträgen angesprochen: wer viele Drehtage hat spielt i.d.R. größere Rollen und bekommt eine höhere Tagesgage. Die Schauspieler/innen mit den kleineren Rollen haben niedrigere Tagesgagen und sind gleichzeitig viel stärker als die Hauptrollen von Gagendumping / Sondergagen betroffen. Hierzu der (sinngemäße) Kommentar einer Casterin bei einem regionalen Stammtisch:
Wenn ich einen Film besetze ist durch ein paar Hauptrollen bereits bis zu 3/4 meines Budgets gebunden. Den kleinen Rest muss ich dann auf alle übrigen Rollen verteilen, und dann geht es los, dass ich mit Agenturen verhandle und frage, ob sie ihre Schauspieler/innen zu niedrigeren Gagen ausnahmsweise spielen lassen. Hauptrollen verdienen teilweise erheblich mehr als die Regie für einen Film, da stimmt das Verhältnis nicht, wenn ich den Aufwand vergleiche. Wir müssen anfangen, über Gagenobergrenzen zu sprechen.“

Das ist ein Thema, zu dem ich seit ich BFFS-Mitglied bin noch nicht viel gehört habe. Es fällt nur regelmäßig der Satz, dass die Gagenfreiheit nach oben unantastbar bleiben muss. Wobei die meisten Schauspieler/innen (lt. Studie hat die große Mehrheit nur 10 – 20 bezahlte Drehtage im Jahr) nicht groß verhandeln können. Die Aussagen der Casterin haben mich nun zusätzlich nachdenklich gemacht.

2013 sagte Vorstandsmitglied Hans-Werner Meyer in einer BFFS-Pressemitteilung: „Keinem von uns wird etwas geschenkt. Auch die Großverdiener unserer Zunft haben jeden Cent, den sie bekommen, hart erarbeitet. Der Verdienst eines Mario Götze im Fußball wird doch auch nicht angezweifelt. Warum also der weit geringere unserer Stars, die uns Träume, Identität und gute Unterhaltung geben? Ein Land sollte stolz auf seine Stars sein und nicht neidisch. Ein Land ohne Stars wäre ein sehr trauriges. Ein Land ohne Kultur eine triste Wüste.“
Diese Sichtweise teile ich nicht. Zum einen höre ich regelmäßig – und wie ich finde berechtigt – Kritik an den überzogenen Einkommen der Männerbundesligaspieler. (der genannte Mario Götze verdient angeblich 7 Mio. € im Jahr) und den Teilnahme- und Siegprämien der Männer an Welt- und Europameisterschaften. Und zum anderen ist es nicht zwangsläufig Neid, wenn über die oberen Einkommen in der Fernsehbranche gesprochen wird. Eine Gewerkschaft ist eine Solidargemeinschaft und sollte sich auch mit den Unterschieden zwischen arm und reich in der eigenen Berufsgruppe, und mit Verdienstunterschieden bei Frauen und Männer beschäftigen. Das betrifft neben dem Schauspiel auch die Regie, den Schnitt, und vermutlich die meisten anderen Gewerke ebenfalls.
Ich stimme Hans-Werner Meyer insofern zu, als diese Diskussionen nicht in (Boulevard-)Zeitungen geführt werden sollen, sondern z.B. im Austausch mit Caster/innen auf einem BFFS-Stammtisch und einer Mitgliederversammlung.

Die Vorstandswahl

Zur Mitgliederversammlung 2014 waren weniger als 100 Mitglieder gekommen. Als nach 4, 5 Stunden der Vorstand (wieder-)gewählt wurde, waren gerade noch 88 Stimmen über Anwesende und Stimmrechtsübertragung vertreten. Das sind 3,5 % aller Mitglieder. Fairerweise muss gesagt sein, dass der Vorstand auch unglücklich oder eher unzufrieden mit der schwachen Anwesenheit war. Aber mal ganz unter uns: wem ist zu verübeln, nicht dagewesen zu sein? Die Aufgabe der Mitgliederversammlung (neben Wahl und Entlastung des Vorstands) ist die „Entgegennahme des Berichts des Vorstands über die Vereinstätigkeit“ (§ 6 BFFS-Satzung). Und das ist – um es wiederum überspitzt zu formulieren – in der epischen Länge, die sich der Vorstand dafür nimmt ziemlich anstrengend. Alle die mehr oder weniger regelmäßig die BFFS-Newsletter lesen und ab und zu die regionalen Stammtische besuchen sind bereits über das meiste informiert. Das ist kein Plädoyer für eine Abschaffung des Berichts, aber wie wäre es mit 1 statt 4 Stunden Dauer für diesen Punkt? Dann bleibt Zeit für richtige Diskussionen, für mehr Mitgliederbeteiligung und -engagement.
Die Wahl selber war ziemlich ernüchternd, denn es gab nichts zum Auswählen. Alle 7 amtierenden Vorstandsleute traten wieder an, aber quasi nur als Ganz-oder-gar nicht-Team. Auch ihre jeweiligen Posten hatten sie bereits festgelegt, das heißt, die Mitglieder durften nicht einmal entscheiden, wer die beiden stellvertretenden Vorsitzenden sein sollten und wer die Beisitzer. Also wurden auch alle wiedergewählt, es gab die vereinzelte Enthaltung bzw. Neinstimme, ein Kandidat bekam 10 Enthaltungen, ein anderer 19 Nein-Stimmen, aber wie erwartet wurden natürlich alle in ihrem Amt bestätigt, für weitere 4 Jahre.
Das Foto zeigt die 7 Vorstandsmitglieder sowie die beiden geschäftsführenden Justiziare.

Brien Dorenz, Bernhard F. Störkmann, Hans-Werner Meyer, Michael Brandner, Antoine Monot, Jr., Heinrich Schafmeister, Julia Beerhold, Thomas Schmuckert, Martin May. Foto: Martin Becker.

Brien Dorenz, Bernhard F. Störkmann, Hans-Werner Meyer, Michael Brandner, Antoine Monot, Jr., Heinrich Schafmeister, Julia Beerhold, Thomas Schmuckert, Martin May. Foto: Martin Becker.

Natürlich müssen wir Mitglieder, insbesondere die Frauen im BFFS, uns die Kritik gefallen lassen, dass wir uns nicht genug engagieren und für einen Vorstandsposten kandidieren. Wobei das bei dieser Wahl schwierig geworden wäre, wenn ja gar keine – oder dann gleich alle – Plätze frei gewesen wären. Aber die Kritik gilt trotzdem, und wir sollten herausfinden, woran das liegen könnte.
Immerhin, im Vorfeld gab es einen Vorschlag, dem Frauenmangel / Männerübergewicht im BFFS-Vorstand zu begegnen und den Wechsel möglichst problemlos zu gestalten, und das schon vor Ablauf der 4 Jahre der Wahlperiode. 11 weibliche und männliche Mitglieder hatten dem Vorstand diesbezüglich einen OFFENEN BRIEF geschrieben (Stichworte Rotation und Nachrücken). Aber leider wurde die Idee abgelehnt und natürlich (s.o.) auch nicht auf der MV diskutiert.

Zu Vorstand und Genderrepräsentanz gehört auch die Außendarstellung. Als Beispiel die DSP-Verleihung 2014 (der Preis mit dem ungeschickten Namen). Im Laufe des Abends traten viele BFFS-Vorstandsmänner auf der Bühne, sie hielten Ansprachen, sangen oder bekamen einen Preis verliehen. Die einzige Vorstandsfrau des BFFS, Julia Beerhold, trat bei dieser Veranstaltung – für viele die wichtigste Außendarstellung des Verbandes in der Branche – nicht in Erscheinung, sie saß irgendwo im Publikum. Generell sind ihre – sehr wichtigen! – Arbeitsbereiche nach Innen gerichtet. Wenn die BFFS-News und -Pressespiegel es richtig wiedergeben, dann sitzen bei den Tarifverhandlungen, bei den Gesprächen mit Politiker/innen, bei den wichtigen Interviews – immer nur die Männer.

Der Beirat

Wie erwähnt hat der BFFS-Vorstand kürzlich den Focus-Mitherausgeber Helmut Markwort in den Beirat – ein weiteres Organ des Verbands – berufen (Wir freuen uns über Freunde an unserer Seite).
Ich bin alles andere als glücklich mit dieser Entscheidung. Ein Kollege kommentierte es mit Galgenhumor: „Und als nächstes dann Gerhard Schröder?“ Na gut, das ließe sich mit dem Vorschlag Hartmut Mehdorn noch toppen.
Mal etwas ernsthafter: ich fände es sinnvoll, wenn über eine Berufung in den Beirat die Mitgliederversammlung entscheidet. Vor ihr kann der Vorstand ja seine Wahl argumentativ begründen. Aber vielleicht gibt es ja auch gute Argumente gegen die Vorlieben des Vorstands, und gute Argumente für Andere (gar für eine Freundin an unserer Seite?) so dass der Beirat kein Altherrengremium wird. Die Berufung einer Frau in den BFFS-Beirat wäre gleichzeitig ein Signal, nach innen und außen.
(2) Der Vorstand kann einen Beirat bestellen. Der Beirat kann bis zu drei Mitglieder haben. ( § 5 Organe )
Mehr steht zu seinen Aufgaben nicht in der BFFS-Satzung, ich stelle mir aber vor, dass ein Beirat dem Vorstand beratend zur Seite steht. Insofern macht es Sinn, in den Beirat jemanden zu berufen, der oder DIE dem Vorstand zu Themen und Fragen, in denen er nicht so bewandert ist, mit Rat und Tat zur Seite zu steht. Dies betrifft bespielsweise die benachteiligte Situation der Schauspielerinnen, die ja Teil eines gesellschaftlichen Phänomens ist und nicht darauf basiert, dass Schauspielerinnen weniger können oder bloß von schlechten Agenturen vertreten werden.

Fazit und Ausblick 2015

Der (Vorstand des) BFFS hat schon viel erreicht, aber immer noch klaffen in der Interessensvertretung ALLER Schauspieler/innen ziemliche Lücken. Da muss sich also einiges ändern. Ein Schritt könnten einige Satzungsänderungen hin zu mehr Mitgliederdemokratie sein, um ein stärkeres Engagement der Mitglieder, insbesondere auch der weiblichen, in allen Ebenen und Organen des Verbands zu fördern. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn eine Beschäftigung mit und Bekämpfung der benachteiligten Situation der Schauspielerinnen in der deutschen Film- und Fernsehbranche eines der Schwerpunktthemens der Verbands im neuen Jahr wird. Und nebenbei sollte die Gagenunterschiede bei Fernsehproduktionen und die Arm-Reich-Schere im Schauspiel mal eingehender betrachtet werden.

  • Elisabeth Selbert: Du sag mal Kalle, ich finde in den Herrenchiemsee-Protokollen gar nichts zu dem Thema Gleichberechtigung. Wo habt Ihr das denn besprochen?
  • Carlo Schmid: Gar nicht. Da waren ja nur Herren anwesend. Da musst Du schon auf Frauenchiemsee warten.

Aus STERNSTUNDEN IHRES LEBENS. 2014. Regie Erica von Moeller, Buch Ulla Ziemann.

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