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Gedanken einer Schauspielerin

24. Januar 2022
von SchspIN
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3-Gewerke-Check für zwölf deutsche Filmfestivals, 2019-21

12 Filmfestivals 2019-21: Frauenanteile Regie, Drehbuch, Kamera im Wettbewerb

Zum Jahresanfang möchte ich eine Filmfestivalanalyse vorlegen. Sie behandelt die Frauenanteile in den Gewerken Regie, Drehbuch und Kamera – 3-Gewerke-Check – in den Hauptwettbewerben von zwölf deutschen Filmfestivals.

Zwischenzeitlich habe ich erwogen, außerdem die Position Musik auszuwerten. Aber da Musik ähnlich wie Ton sehr unvollständig aufgeführt wird (sowohl auf Filmwebseiten als auch in Datenbanken) ist die Recherche sehr aufwändig und sprengt gerade den Rahmen meiner Kapazitäten.

Die erste Tabelle zeigt die Festivals und die Anzahl ihrer Wettbewerbsfilme in den drei untersuchten Jahren. Mehrheitlich sind es Spielfilme, die Zahl der Dokumentarfilme steht in Klammern:

Die Auswertung

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2. Januar 2022
von SchspIN
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Blick nach vorn, Blick zurück: Tiger, Kuh und Maus

SchspIN zu Zeiten von Corona: 23 Veröffentlichungen in zwei Jahren

Gerade hat 2022 begonnen, 寅年 (toradoshi), das Jahr des Wasser-Tigers. Wie die Japan Times schreibt: „Die langsame, sanfte und fleißige Natur des Ochsen, die die Stimmung des Jahres 2021 widerspiegelt, wird im Jahr 2022 durch die Schnelligkeit, Stärke und Kraft des Tigers ersetzt.“

Jahrestier als japanischer Handyanhänger: links für 2010, rechts für 2022. Foto SchspIN

In zwei Wochen, am 16. Januar, wird mein Blog SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin neun Jahre alt. Das ist eine lange Zeit, in der ich über 150 Analysen, Kommentare, Artikel veröffentlicht habe. – Am 20. Januar wird übrigens NEROPA fünf Jahre alt, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

In den ersten drei Jahren von SchspIN hatte ich Jahresregister angelegt, in denen die Texte nach Themen sortiert wurden um sie leichter zu finden. Leider habe ich das nicht fortgeführt. Aber spätestens zum 10-Jährigen sollte es ein umfassendes Register geben und auch einige Designmacken behoben sein (damit meine ich u.a., dass das derzeitige Theme die Kommentarfunktion aushebelt).

Immerhin, heute gibt es einen Rückblick auf mein Blog in Coronazeiten: eine Zusammenstellung der 11 Artikel des letzten Jahres der Kuh / des Ochsen und der 12 Artikel des vorletzten Jahres der Maus / der Ratte. Viel Spaß beim Wieder- beziehungsweise Neuentdecken!

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13. Dezember 2021
von SchspIN
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Starke Frau, Auf die Fresse!

Frauenfiguren im Fernsehen leiden lassen

Warnung: in diesem Text geht es u.a. um im Fernsehen dargestellte Gewalt gegen Frauen.

Warnung: einige der verwendeten Fotos können unangenehme Gefühle auslösen.

Kürzlich las ich den Appell von Liz Tucker, Vorsitzender von Women in Film and Television UK, zum Thema Gewalt gegen Frauen in fiktionalen Formaten. Er beginnt mit der Frage „Warum wird in so vielen Sendungen Gewalt gegen Frauen gezeigt?“ – was zu zwei älteren Texten von mir passt, einer veröffentlicht, einer unveröffentlicht, die ich im Anschluss vorstelle.

WFTV UK fragt Warum?

Liz Tucker schrieb am 1. November (Den ganzen Text findet Ihr auf der WFTV UK-Webseite und bei Broadcast Now, Hervorhebungen im Zitat von mir):

Wenn ich will, kann ich jeden Abend der Woche auf einer Vielzahl von Sendeplattformen Geschichten über Frauen sehen, die auf immer phantasievollere und grausamere Weise vergewaltigt, enthauptet und ermordet werden. Ich will es nicht, denn ich denke, es ist an der Zeit, dass wir alle, die wir in der Fernsehindustrie arbeiten, viel sorgfältiger über die Botschaft nachdenken, die wir aussenden, wenn wir ständig Fernsehkrimis und Dokumentarfilme produzieren, in denen Frauen die zentralen Opfer sind. In den letzten Jahren hat diese Art von Programm eine Lawine ausgelöst, und es scheint, dass sich einige Autor:innen und Regisseur:innen einen Wettstreit um die Eskalation der Gewalt liefern und sich immer anschaulichere und verstörendere Darstellungen der Ermordung von Frauen einfallen lassen. (…) Wäre es heute wirklich so schwer, sich neue, fantasievolle Plots auszudenken, die nicht brutale Gewalt gegen und Ermordung von Frauen beinhalten?

Nein. Natürlich nicht. Es muss nur gewollt werden.

Eine Zecke sticht in eine menschliche Brust.

Eine Zecke sticht in eine menschliche Brust. Foto: SchspIN

Teil 1 und 2 der Trilogie

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29. November 2021
von SchspIN
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Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil III

Hier die letzte Folge meiner Alte Frauen. Sichtbarkeit.-Trilogie.

Alte Frauen, sichtbar. Im Film verjüngt.

In Teil I vom 29.10. erwähnte ich unter anderem, dass es nicht ungewöhnlich ist, Figuren in Film und Fernsehen über die Besetzung zu verjüngen, also ältere Menschen von Jüngeren spielen zu lassen. Da es dazu mehrere Nachfragen gab will ich heute noch einmal auf dieses Phänomen eingehen.

Dürfen die das überhaupt?

Eine nicht endende Diskussion kreist um die Frage, ob Schauspieler:innen eine Rolle übernehmen können, die im Gegensatz zu ihnen weiß / schwarz / braun / osteuropäisch / asiatisch / makellos / gehandicapt / jung / alt / gutaussehend / dick / schlank / heterosexuell / homosexuell / transgender / weiblich / männlich / stabil / psychotisch / depressiv / langweilig / stur / fröhlich ist oder eine andere Nationalität und Muttersprache als sie hat. Viele verneinen dies, zumindest in Bezug auf bestimmte Eigenschaften, andere sagen „Ja, denn man muss ja auch niemanden ermordet haben, um….“.

Ich finde es kommt darauf an.

Und bezüglich Alter: Ist es schlimm, wenn jemand Jüngeres für eine ältere Rolle besetzt und das höhere Alter einfach mal behauptet wird, oder wenn kurzerhand eine Figur jünger oder älter gemacht wird, damit die Wunschbesetzung passt?

Ich finde da kommt es auch darauf an.

Ausschnitte aus Gemälden von Antoine-Jean Gros und Jacques-Louis David, abgebildet sind Kaiserin Joséphine und Kaiser Napoléon

li. Joséphine Bonaparte (vermutl. 45 J.), Gemälde von Antoine-Jean Gros, Detail. re: Napoleón Bonaparte (41 J.), Gemälde von Jacques-Louis David, Detail.

Umgang mit dem Alter/n

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Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil II

1. November 2021 von SchspIN

Aus unserer Gesellschaft – ältere sichtbare Frauen

Vor ein paar Tagen habe ich im Text Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil I angekündigt, dass ich eine Galerie „älterer und alter Frauen aus dem echten Leben zusammenstellen und veröffentlichen würde. Die könnt Ihr hier nun angucken, entweder als Gesamtüberblick, oder Euch einzeln durch die Portraits klicken, und die Erläuterungen unter den Bildern lesen: Name, Alter auf dem Foto, Beruf und Fotograf:in / Common Licence. Diese Angaben müssten auch erscheinen, wenn Ihr mit der Maus über die Bilder streicht.- (Die Fotos funktionieren auch als Beruferatespiel, deshalb habe ich auch bei den Politikerinnen den Beruf dazu geschrieben.)

Wie gesagt sind es viele Politiker:innen, zum einen ganz banal, weil die so einfach als größere Gruppe älterer Frauen in der Wikipedia zu finden sind, mit gemeinfreien Fotos. Es gibt aber auch andere Frauen, ich hab beispielsweise die Listen der Verdienstorden Verdienstorden am Band Verdienstauszeichnung durchgesehen – die zwar allergrößtenteils aus Männern bestehen, aber ein paar Frauen wurden auch ausgezeichnet. Die meisten haben einen Eintrag in Wikipedia, viele allerdings ohne Bild. Und Naturwissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen und ein paar Schauspielerinnen und ein paar unter 40 sind auch dabei.

Was ich nicht getan habe ist, eine prozentuale Verteilung aller möglichen Bevölkerungsgruppen anzufertigen. Aber ich denke, die Bilder sind schon was ältere Frauen anbetrifft deutlich vielfältiger als das, was das fiktionale deutsche Fernsehen bevölkert.

Zur Erinnerung: „Da es größtenteils offizielle Fotos bzw. Fotos von beruflichen Auftritten sind wurden die Frauen natürlich auch geschminkt und die Bilder sicher auch bearbeitet, was ja völlig in Ordnung ist.“ Trotzdem sehen sie schon anders aus als PR-Fotos von älteren Schauspielerinnen.

Solche Frauen sollten wir in Fiktionalen Formaten sehen

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29. Oktober 2021
von SchspIN
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Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil I

Gestern stand ich an der Kasse in einem Biosupermarkt. Die Kassiererin fragte die Kundin vor mir, ob sie einen Studiausweis hätte, – damit gab es wohl Rabatt. Die Frau geriet völlig aus dem Häuschen, so sehr freute sie sich, dass sie für eine Studentin gehalten worden war. Sie trug natürlich eine Maske und auch eine Mütze, aber u.a. von den Augen her hätte ich sie locker auf Ende 30, Anfang 40 geschätzt. Egal. Sie strahlte: „Das ist das Schönste, was ich heute erleben werde!“ Es war 10:45 Uhr. Was für Aussichten.

Kaum jemand will alt sein, Menschen werden 60 Jahre jung, alt ist ein Schimpfwort geworden. Wobei, nicht immer, ich denke da an „Was geht ab, Alter?“ – ursprünglich aus der Jugendsprache. Alter im Wechsel mit Dicker / Digger oft auch als eine Art Interpunktion der gesprochenen Sprache. Alte und Dicke hab ich so hingegen noch nie gehört. Ihr vielleicht?

Alte Frauen, sichtbar. In Film und Fernsehen.

Für jünger gehalten zu werden ist für Viele enorm wichtig. Nicht nur für Frauen übrigens, aber besonders für sie, denn der Jugendwahn mit allem was optisch dazugehört, teils von der Gesellschaft, teils von den Medien vorgeben, hinterlässt seine Spuren. Die Hamburger Initiative Pink Stinks („Magazin, Kampagnenbüro und eine Bildungsorganisation gegen Sexismus.“) thematisiert seit Jahren den Zusammenhang zwischen einem Format wie GERMANY‘S NEXT TOP MODEL und Schlankheitswahn bis hin zu Bulimie unter jungen Zuschauerinnen.

Alter und ewige Jugend sind auch Themen in der Film- und Fernsehbranche. Ist eine – prominente – Schauspielerin über 50 oder 60 oder 70 wird immer wieder betont, dass sie mindestens zehn, wenn nicht gar zwanzig Jahre jünger aussieht. Prominente ältere Schauspielerinnen spielen deutlich jüngere Rollen (z.B. mit 53 Jahren noch eine Schwangere), was – wenn man nicht ihr Alter kennen würde – oft auch durchgehen könnte, denn sie arbeiten an ihrem Äußeren und / oder lassen daran arbeiten und sehen enorm aus. Wenn ältere Schauspielerinnen wie Iris Berben, Senta Berger oder Hannelore Elsner mal in einer Rolle ein graues Haar zeigten, wurde es als besondere Leistung hervorgehoben.
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15. September 2021
von SchspIN
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Nicht schlecht, wenn man Männerproduktionen mag: Der Fernsehpreis 21

Der Deutsche Fernsehpreis 21 – Nominierungen, fiktionale Formate

Letzte Woche machte mich eine Kölner Kollegin auf die diesjährigen Nominierungen zum Deutschen Fernsehpreis aufmerksam, der am morgigen 16. September in Köln verliehen wird. Darauf habe ich die nominierten fiktionalen Produktionen und Fernsehschaffenden durch die hellblaurosane Brille betrachtet und eine Analyse angefertigt.

Bei diesem Preis gibt es vier Kategorien für Filme und Serien: Bester Fernsehfilm, Bester Mehrteiler, Beste Dramaserie und Beste Comedyserie, für die je drei Produktionen nominiert wurden. Dazu kommen die Einzelleistungen Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt und Musik, hier wurde aus jeweils drei Produktionen nominiert. Für die Ausstattung-Nominierungen wurden Szenenbild, Kostümbild und bei zwei von drei Produktionen Maskenbild zusammenfasst. Dazu kommen die Auszeichnungen für Beste Schauspielerin und Bester Schauspieler mit jeweils fünf Nominierten, teilweise für zwei Produktionen.

6-Gewerke-Check aller Produktionen mit Nominierung/en

In allen fiktionalen Fernsehpreisen tauchen insgesamt 22 Produktionen auf, 7 Fernsehfilme und 15 serielle Formate. Mal wieder viele Krimis, aber interessanterweise kein TATORTE.

Die erste Abbildung zeigt den Frauen– und Männeranteil für die sechs Gewerke Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Schnitt und Musik (6-Gewerke-Check). Ja, für Ton gibt es keinen Fernsehpreis, ich frage mich warum  (Stichwort Sound and Vision), aber da die Tonmeister:innen meistens in meinen 6-Gewerke-Checks vorkommen, sind sie auch hier berücksichtigt:
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26. Juli 2021
von SchspIN
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Filmfest München 21: Neues Deutsches Kino & Fernsehen

Vom 1. bis 10. Juli 2021 fand das diesjährige Filmfest München statt, in echt, in einer Open-Air-Ausgabe. Vier Ehrungen wurden vorab bekannt gegeben, Senta Berger und Robin Wright erhielten den CineMerit Award, Franka Potente den Margot Hielscher Preis und Małgorzata Szumowska sozusagen die Homage (Das cineastische Quartett).

Eine Bekannte schlug vor, ich solle einmal die Sektionen Neues Deutsches Kino und Neues Deutsches Fernsehen betrachten, insbesondere hinsichtlich der Drehbuchautorinnen, – gerne doch!

Neues Deutsches Kino & Neues Deutsches Fernsehen beim FFM

Alle Filme in der Sektion Neues Deutsches Kino wurden von einem Auswahlgremium bestimmt, wohingegen für die Neues Deutsches Fernsehen-Reihe die Sender Filme vorschlagen können. Was für beide Gruppen gilt ist, dass es sich um Premieren handeln muss, mindestens Deutschlandpremieren, idealerweise Europa- oder Welturaufführungen.

Das führt dazu, dass die Kinofilme überwiegend frühe Filme, also erste, zweite oder dritte Film von den jeweiligen Regisseur:innen oder Produzent:innen sind, – denn wer schon etabliert ist, will den Film vermutlich lieber in Berlin, Tokyo, Toronto oder Cannes zeigen. Für Fernsehfilme sieht es anders aus, da muss das Festival bloß vor der Erstausstrahlung liegen.

Die folgende erste Abbildung zeigt die Frauen und Männer an der Spitze der Gewerke Drehbuch und Regie für die zwölf Filme in der Reihe Neues Deutsches Kino – mit einer Frauenmehrheit in beiden: Weiterlesen →

18. Juli 2021
von SchspIN
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Babylon Testosteron, fürstlich gefördert

Ich bin es leid.

Warum wird für Film und Fernsehen immer noch so oft ohne Frauen produziert, warum erhält eine Männermännermännerserie mehrere Millionen €€€ aus öffentlichen Filmfördertöpfen, zusätzlich zu den Millionen €€€ eines öffentlich-rechtlichen Senders? Warum machen Redakteur:innen der beteiligten Sender nicht mehr Frauen hinter der Kamera und eine gender-dramaturgische Beratung zur Bedingung?

Die Serie BABYLON BERLIN wird gefeiert als „spannendste und innovativste Serie aus Deutschland“ (Christine Strobl 2018) und als „wichtiger Teil der Serienoffensive in der ARD Mediathek“ (Florian Hager 2020), von Entscheider:innen in der Branche, die das Grundgesetz kennen müssten. Aber sollte Gleichberechtigung nicht auch zum gleichen Zugang zu Film- und Fernseharbeit berechtigen?

BABYLON BERLIN, ein teurer Männerblick

Am 15.11.18 veröffentlichte ich einen Text über die Krimiserie BABYLON BERLIN, in dem ich als Serienalternative auf die beeindruckende Produktion KRIEG DER TRÄUME hinwies (Babylon Männersoap Berlin – Zwischen den Weltkriegen). Damals hatte ich auch geschrieben, dass ich mit BABYLON BERLIN wenig anfangen könnte, das fing schon mit der Ausgangssituation an: aus der Roman-Charlotte, Jurastudentin und Stenotopistin bei der Polizei, wurde die Serien-Charlotte, Teilzeitprostituierte und Mitarbeiterin bei der Polizei. Und dieses Gefühl, diese Abneigung zog sich durch alle Folgen – ein unrühmlicher Tiefpunkt die (ca. zehnminütige?) Sequenz, in der Charlotte Ritter und Kommissar Rath mit dem Auto im Wasser landen und versinken, und sie sich opfern und ertrinken will, damit er weiterleben kann. Weiterlesen →

22. Juni 2021
von SchspIN
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Rosige Zeiten für Männer bei den NDR-Prime-Time-Krimis

Ich wurde eingeladen, für den aktuellen Rundbrief des Film & Medienbüro Niedersachsen eine Untersuchung von NDR-Krimis anzufertigen. Mit freundlicher Genehmigung hier ein Abdruck des Artikels (S. 25-27).

Titel Rundbrief des  Film und Medienbüros Niedersachsen

NDR-Prime-Time-Krimis

Der Frauenanteil in den Gewerken und im Cast liegt deutlich unter 50%

Anfang Mai überraschte der NDR mit der Meldung, dass der aktuell in Norddeutschland gedrehte Tatort SCHATTENLEBEN besonders divers ist, vor und hinter der Kamera. So seien 17 Prozent der Beteiligten BIPoC (Black, Indigenous und People of Colour), und 65 Prozent der Headpositionen weiblich besetzt. Der NDR und die Produktionsfirma Wüste Medien GmbH wenden erstmalig den sogenannten Inclusion Rider an. Die Initiative kam von Regisseurin Mia Spengler. Ziel des aus Hollywood stammenden Konzepts ist eine möglichst vielfältige Besetzung von Stab und Cast.

Der NDR setzt schon seit vielen Jahren auf Diversität vor der Kamera. Wir glauben an die Vielfalt im Ganzen (…)„, sagte Fernsehfilmchef Christian Granderath in der eingangs erwähnten Pressemitteilung. Das gilt leider nicht für die Prime-Time-Krimis des NDR der letzten Jahre, zumindest nicht, wenn es um Geschlechtergerechtigkeit geht. Weder vor noch hinter der Kamera.

Ich habe die Frauenanteile für die sechs Gewerke Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Schnitt und Musik von vier Fernsehreihen mit 90-minütigen Krimis aus dem Hauptprogramm analysiert: NORD BEI NORDWEST, den USEDOM-KRIMI, die NDR TATORTE und den NDR POLIZEIRUF 110. Untersuchungszeitraum ist 2017 bis 2020. Anfang 2017 erschienen die beiden großen Studien der FFA und von ARD und ZDF („Gender und Film“ und „Gender und Fernsehfilm“), spätestens da sollte der Branche klar geworden sein, dass es eine deutliche Genderschieflage vor und hinter der Kamera gibt und dringender Handlungsbedarf besteht.

Die Reihe NORD BEI NORDWEST läuft seit 2014. Von 2017 bis 2020 gab es neun Filme. Die folgende Abbildung zeigt die prozentualen Männeranteile in rosa und die Frauenanteile in hellblau: Weiterlesen →