SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin

16. September 2019
von SchspIN
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Hat der BFFS das Zeug zur Serie?

In den letzten Wochen haben manche hierzulande oder in der Onlinewelt das Brexit-Spektakel in London mit einer Fernsehserie verglichen, die schon seit mehreren Staffeln das Publikum in Atem hält. Es wurden Plottwists bewertet und über neue Figuren und Handlungsstränge spekuliert. Das ist nicht die einzige Parallele zum BFFS, der umso mehr unterhält, je weniger man fürchten muss von den Auswirkungen der tatsächlichen oder fehlenden Verbandspolitik betroffen zu sein.

BFFS: Fact and Fiction

Hat der BFFS das Zeug zu einer Fernsehserie? Oder zu einer Reihe von 60- oder 90-Minütern? Davon handelt der heutige Text, der in einzelne Episoden unterteilt ist, Zeitsprünge und Rückblenden inklusive. Unvollständig. Ein erster Entwurf.

BFFS – DIE SERIE handelt von Macht und Manipulation, und ist in der Glamourwelt des Films und ihren Schattenseiten angesiedelt – aber nicht nur da.
Also ein ähnliches Thema wie zum Beispiel DER DENVER-CLAN (Ölbranche. USA, 9 Staffeln mit insg. 218 45-min. Folgen, 1981-89) und BAD BANKS (Finanzwelt. D / LUX, bislang 1 Staffel mit 6 ca. 50-min. Folgen, 2018).
Ich werde am Rande auch einen kurzen Blick auf das Potenzial von BFFS – DIE SERIE als Comedyformat werfen, wo es sich anbietet.

Die Patriarchen

Dass die Hauptfiguren / die autokratischen Vorstandsmänner eher unsympathisch rüber kommen muss nicht unbedingt schaden und ist auch kein Seriennovum. Gehen wir zurück zum erwähnten DENVER-CLAN. Dort steht der alte, megareiche Partriarch Blake Carrington im Zentrum, ein skrupelloser Businessmann mit aggressiven Zügen und Kontrollzwang. Er lässt seine junge zweite Frau Krystle (die ehemalige Sekretärin) überwachen, stellt sie regelmäßig auf die Probe, macht Psychospielchen mit ihr, vergewaltigt sie als sie einmal keinen Sex mit ihm will. Den Lover seiner Tochter Fallon lässt er zusammenschlagen, den Exlover seines schwulen Sohns Steven tötet er fahrlässig und gegen den Sohn, der zwischenzeitlich ein Kind gezeugt hatte (das waren die 80er, da schwankte der Schwule im Film zwischen schwul und hetero hin und her) strebte er einen Sorgerechtsstreit um seinen Enkel an. Beruflich trat er aggressiv auf, lehnte Kooperationen mit anderen ab und war eigentlich darauf aus, alle Gegner platt zu machen oder aufzukaufen. Seine zweite Frau liebte ihn natürlich trotzdem, fast die ganze Zeit. Mehr erinnere ich gerade nicht, wir hatten vor ein paar Monaten mal die ersten beiden Staffeln gebingt.

Aber wie gesagt, das waren die 1980er. Ein reiner Männerhauptcast (BFFS-Vorstandsmänner) mit Frauen als Staffage (Vorstandsfrauen) passt dramaturgisch eigentlich schlecht in die Kreativbranche des 21. Jahrhunderts. Und in einer Branche, in der Teamarbeit fundamental ist – wir reden hier ja nicht von der Ölindustrie – einen Alleingang nach dem anderen zu betreiben und die gewöhnlichen Mitglieder vorrangig als Masse, Beitragszahlende sowie als fleißige Helfer*innen zu sehen…. Hm. Selbst in einer Serie wie BAD BANKS waren zwar alle irgendwie unsympathisch, aber niemand so einseitig. Auch den Hauptanwalt der Serie – den Justiziar des Vorstands – würde man heute eigentlich mit einer Frau besetzen, das ist gut, endlich einmal eine böse Frauenfigur. Aber neben den alten weißen Männern einen weiteren alten weißen Mann, der knallhart agiert und gleichzeitig gewissermaßen vom System profitiert (div. Geschäftsführungs- und andere Posten, eine ausgelastete Kanzlei und eine gut finanzierte Bürogemeinschaft), das ist alles zu glatt.

Gut, man könnte in den Vorstand einen Guten als Sympathieträger und einen Nerd als Comic Relief einbauen, Hahnenkämpfe erfinden, Mobbing, gar einen Aufstand der Vorstandsfrauen (häufig überlieferter Satz: „da muss ich die Männer fragen“), Schicksalsschläge und Affairen, – da könnte noch einiges die Monotonie aufbrechen. Oder es wird eine Comedy, da bleiben Figuren ja auch meistens ein bisschen stereotyp und entwickeln sich nicht weiter. Aber selbst da wären vermutlich „die da oben“ die Bösen, und die Sympathie läge bei den Kleinen. Wobei die ,Bösen‘ durch Humor punkten könnten. Aber das kommt in der Realität bislang nicht vor. Weiterlesen →

27. August 2019
von SchspIN
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TATORTE und Standorte, was läuft FM-mäßig?

Die TATORTE und die Standorte 2011 bis Sommer 2019

In meiner heutigen Analyse in 15 Abbildungen mit werfe ich einen Blick auf die 22 neuen TATORTE im ersten Halbjahr 2019, konkret auf die Frauen– und Männerverteilung in den sechs Gewerken Regie, Drehbuch, Bildgestaltung, Ton, Schnitt und Komposition. Außerdem auf die Erstgenannten Rollen und die Hauptcasts, das sind die auf den ARD TATORTE-Seiten genannten, durchschnittlich 12 Rollen pro Film.

Anschließend füge ich die 2019er Werte mit den TATORTEN 2011 bis 2018 zusammen, wieder bezüglich der sechs Gewerke, und stelle dem meinen Vorschlag 2 von 6 (#2v6pN) gegenüber.

Im dritten Teil schließlich geht es um die TATORT-Standorte bzw. Ermittlungsteams. Ich überprüfe, wie hier die Genderanteile für die sechs Gewerke ausfallen. Gibt es Unterschiede zwischen den Städten? Ja, gibt es. In einige Städten wurde noch nie ein Drehbuch verfilmt, das nur von Autorinnen verantwortet wurde. Genaugenommen in 15 von 28. Das ist nicht gut. Alleinige weibliche Regie gab es im untersuchten Zeitraum in 9 der 28 TATORT-Städte nicht. Mehr dazu weiter unten.

Dieser Artikel schließt an meine jüngsten TATORT- und POLIZEIRUF-Analysen  Verbrechen aus Männersicht  und Nachgereicht: Der Polizeiruf 110 hinter der Kamera an.

Quelle für meine Untersuchungen ist die ARD-TATORTE-Unterseite mit allen Fällen und Erstausstrahlungsterminen, den Hauptcasts und einigen Angaben zur Crew. Den Rest habe ich überwiegend bei Filmportal und Crew United recherchiert. Für die Altersanalysen der SchauspielerInnen habe ich die Datenbanken Filmportal, Filmmakers, Crew United / Schauspielervideos sowie SchauspielerInnen- und Agenturwebseiten verwendet.

TATORTE 2019 im ersten Halbjahr

Hinter der Kamera

Die gute Nachricht zuerst, dass der Regisseurinnenanteil in den 22 TATORTEN bei 22,7 % liegt, das ist seit Beginn meiner Auswertungen 2011 ein neuer Höchstwert. Er ist natürlich noch weit entfernt von dem Frauenanteil unter den RegieabsolventInnen an Filmhochschulen – denn der ist 44 % – aber er nähert sich zumindest den 25,3 % Frauenanteil in der Crew United Datenbank, und er erreicht die 20 % Vorgabe, die die Degeto ausgegeben hat. Aber hier wird wie bereits schon in Verbrechen aus Männersicht beschrieben ein gleichzeitiger Nachteil dieser eingewerklichen Zielvorgabe deutlich: der Tunnelblick auf Regie ignoriert die anderen Gewerke. Bei einem ausgestrahlten TATORT 2019 war bislang eine Kamerafrau verantwortlich (Jutta Pohlmann beim Luzern-Schweizerischen AUSGEZÄHLT). Tonmeisterinnen? Genau wie im Vorjahr bislang Fehlanzeige. Ein Frankfurt TATORT hatte eine Komponistin: Iva Zabkar (DAS MONSTER VON KASSEL). 12,1 % der TATORT-Drehbücher wurden von Autorinnen geschrieben (Sommer 2018 war der Wert 7,1 %), aber nicht eigenverantwortlich sondern in drei Teams mit Autoren. Kein TATORT wurde nur von einer Frau oder einem Frauenteam geschrieben, wie gehabt werden die Geschichten in erster Linie aus Männersicht erzählt. Schnitt ist wieder einmal eine überdurchschnittliche Frauendomäne (Editorenanteil 22,7 %). Weiterlesen →

8. August 2019
von SchspIN
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Ein Stand der Dinge im UK Fernsehen

Gender- und Inklusionspolitik im britischen Fernsehen

Aus dem UK, dem Vereinigten Königreich (VK), das seit 1952 eigentlich UQ United Queendom heißen müsste, gibt es zur Zeit schlechte Nachrichten. Der beschlossene Brexit, der angedrohte No-Deal Brexit, der nur von Mitgliedern der Konservativen Partei gewählte neue Premierminister Alexander Boris de Pfeffel Johnson, die fehlende Diskussion über die Rückgabe von geraubter Kunst und Kulturgütern in die Ursprungsländer (Stichwort British Museum), eine erstaunliche Müllpolitik (haben die wirklich kein Pfandflaschensystem?) und und und. Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern im Rückblick um etwas, das dort schon sehr weit ist, zumal im Vergleich zu Deutschland: Initiativen und Programme zu Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion in der Fernsehbranche, vor allem hinter der Kamera.

Der Anlass dieser Londonreise

Vor ein paar Monaten hatte mich  Oliver Ratcliffe von Westminster Insight nach London eingeladen zur eintägigen Veranstaltung Gender Equality in Television: Behind the Scenes and on the Screen (Geschlechtergerechtigkeit im Fernsehen: Hinter den Kulissen und auf dem Bildschirm). Eine Woche später konnte ich auf Einladung von Head of Diversityy Ade Rawcliffe (Ade wird wie Eddie ausgesprochen) mein Gender und Diversity Tool NEROPA einer kleinen, hochkarätigen Runde beim Fernsehsender ITV vorstellen und sie zur Anwendung bei Serienproduktionen beraten.

Beide Verantwortliche, Ratcliffe und Rawcliffe – das mit den Namen ist wohl Zufall – hatte ich über Anjani Patel, Head of Diversity von Pact (Producers Alliance for Cinema and Television – Produzent*innenallianz für Kino und Fernsehen) kennengelernt. (Anjani wird auf der ersten Silbe betont, wie Anthony oder Marjorie, Patel auf der 2. Silbe, wie Kartell). Pact bzw. Anjani organisiert Inclusive Casting Workshops für interessierte Produzent*innen, bei denen auch NEROPA zur Sprache kommt und ich sie demnächst auch einmal vorstellen  werde. Weiterlesen →

18. Juli 2019
von SchspIN
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Holz Wasser Luft

Es ist genau drei Monate her, dass ich meinen letzten Blogtext veröffentlicht habe („Warum arbeitet Ihr nicht mit Drehbuchautorinnen?“) und seitdem sind mehrere filmische und filmpolitische Texte und auch statistische Analysen in der Mache, die demnächst nach und nach erscheinen werden. Aber heute schiebe ich ein anderes Thema dazwischen.

Dann gieße ich heute Abend einen Baum.

Alle reden vom trockenen Sommer, reden vom Klimawandel, alle denken an die Umwelt – nein, natürlich nicht alle. Aber viele. Einige? Und viele machen sich Gedanken, tun was, verpflichten sich, keine Inlandflüge zu nutzen (auch wenn die billiger sind als die Bahn), haben kein Auto, verzichten soweit es geht auf Plastik und Einwegverpackungen, haben immer einen Einkaufsbeutel dabei (übrigens, auch wenn die Jutebeutel genannt werden, sie sind meistens aus Baumwolle), kaufen nur regionales Obst und Gemüse  und und und. Jetzt ist die Frage, ob das irgendetwas ändert und ob es die Umweltbelastung ausgleicht, die die SUV-Leute oder die jede-Woche-mindestens-6-Inlandflüge-Leute oder die nur-online-Shopper verursachen, oder ob es nur das eigene Gewissen beruhigt, oder ob es einfach eine grundsätzliche Haltung ist, letzten Endes auch inkonsequent, aber eine Richtschnur für den eigenen sozialen oder ökologischen Wunsch oder Anspruch. Keine Ahnung. Mir liegt „selbstbestimmt zumindest etwas tun“ näher als eine „es nützt ja sowieso nichts“-Einstellung. Aber das soll heute nicht wirklich das Thema sein.

Ein Straßenbaum wird gegossen.

In warmen Zeiten brauchen Straßenbäume je nach Alter 60-100 l Wasser die Woche. Foto: SchspIN

Und freue mich über Stadtbeete.

Denn ich möchte eigentlich nur kurz über Bäume sprechen und über Beete, und feststellen, dass Stadtgrün in welcher Form auch immer eine feine Sache ist. Und dass wir uns das auch aneignen können, auch die Verantwortung dafür. Bäume, Grünflächen,  Blumen, die sind gut fürs Stadtklima (Photosynthese!), und fürs soziale Klima. Auf einer Bank in einem kleinen Park oder neben einen Blumenkübel sitzen ist schöner als in einer Betonwüste. Allermeistens jedenfalls. Und wenn ich durch Berlin gehe oder radle oder laufe (urban running!) freue ich mich immer wieder über schöne Beete in Baumscheiben. Wie einfallsreich und aufwändig die teilweise bepflanzt werden. Manchmal ein kleiner Dschungel, manchmal ein buntes Sammelsurium, manchmal ein Blumenmeer, und manchmal ist es einfach nur Gras unter einem Baum, aber selbst das ist schöner als trockene graue Erde mit Müll- und Hundekackemosaik. In den Weiterlesen →

29. Juni 2019
von SchspIN
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Das Blog SchspIN zieht um

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Vor ein, zwei Wochen war es so weit, ich bin mit meinem Blog SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin umgezogen. Die alte (weiter vorhandene) Anschrift war schspin.wordpress.com die neue lautet schspin.stieve.com, es ist also jetzt eine Subdomain meiner stieve.com-Seite (wo Ihr auch NEROPA finden könnt: neropa.stieve.com).

Warum? Ich fand es nervig, dass bei der kostenlosen WordPress-Seite (aus verständlichen Gründen) Werbung angezeigt wurde. Und ich fand es schade, dass ich das Blog nicht zweisprachig aufbauen konnte, wie eben z.B. die NEROPA-Seite. Um nur zwei Gründe zu nennen.

Jedenfalls: hier sind wir nun, herzlich willkommen!

Der Umzug ist noch nicht ganz fertig, viele Kisten müssen noch ausgepackt werden (das heißt konkret, dass ich die Texte, die ja im alten Blog zweisprachig untereinander standen nun auf zwei Seitenvarianten aufteilen muss, die Texte sind zwar alle gut rübergekommen, aber die Bilder müssen alle neu hochgeladen werden, das alte Galerie-Prinzip klappt da noch nicht ganz – also das eine Bilderreihe Durchklicken, und ich muss auch alle internen Links auf der englischen Seite von Hand umformatieren. Gleichzeitig kann ich alle externen Links auf Aktualität überprüfen und die eine oder andere sprachliche Korrektur vornehmen.  Das dauert nur alles seine Zeit. Was leider auch noch nicht klappt: ein „Blog abonnieren“-Plugin. Aber das kommt hoffentlich auch bald.

Die ersten Texte (d.h. die jüngsten) sind schon einigermaßen formatiert und kontrolliert, alle weiteren werden über kurz oder lang folgen. Bei den noch nicht bearbeiteten Texten führen die internen Links – d.h. Links auf einen anderen Blogtext von mir – noch auf den alten WordPress-Blog.

Es gibt jetzt und bis auf weiteres beide Blogs nebeneinander, aber die neuen Untersuchungen und Texte werden nur noch an der neuen Adresse veröffentlicht (das wird aber auch im ,alten‘ Blog gemeldet).

Und zuletzt eine Frage, die mir häufig gestellt wird: warum sage ich das Blog? Weil Blog / Weblog mit Logbuch zusammenhängt.

17. April 2019
von SchspIN
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„Warum arbeitet Ihr nicht mit Drehbuchautorinnen?“

Deutsche und britische Autorinnen fragen Fernsehsender

Am Anfang war die Zahl

Seit etwas mehr als sechs Jahren analysiere und kommentiere ich die Film- und Fernsehbranche, wobei es mir dabei primär nicht um Beschreibung des – schlechten – Ist-Zustands geht, sondern um Veränderung. Deshalb mache ich auch Vorschläge wie zum Beispiel #Augenauf, #2v6pN und natürlich NEROPA. Und ich liefere Grundlagendaten, die andere für ihre Arbeit nutzen können. In diesem Zusammenhang wurde ich vor ein paar Wochen von einer Drehbuchautorin angerufen die wissen wollte, wie viele TATORT-Bücher 2018 von Frauen geschrieben wurden. Perfektes Timing, ich hatte ein paar Wochen zuvor meinen 6-Gewerke-Check der TATORTE 2011 bis 2018 (Verbrechen aus Männersicht) veröffentlicht. Ein zaghafter Anstieg der Frauen im Regiefach gen anvisiertem 20 %-Frauenanteil ist sichtbar, gleichzeitig bewegte sich aber der Autorinnenanteil rapide in den Keller und bei Kamera und Ton wurden sogar Nullwerte erreicht.
Der TATORT gilt als das höchstbezahlte 90-Minuten Format, warum soll diese Einkommensquelle Frauen vorenthalten werden? Warum agiert ein mit öffentlichen Geldern finanzierter Sender nicht im Sinne des Grundgesetzes und diskriminiert Menschen aufgrund ihres Geschlechts? Und nicht zuletzt: was bedeutet es für das Publikum, wenn die Geschichten (fast) nur von Männern gefilmt und erzählt werden? Ich habe über diese Problematik neulich im Zusammenhang mit der Serie BABYLON BERLIN geschrieben (Babylon Männersoap Berlin), Produzenten und Kameramänner und vor allem drei Regisseure, die auch die Bücher verfassten, – was sich ungünstig gestalterisch und und vor allem inhaltlich auswirkte. Gestern hörte ich, dass die zweite Staffel von BAD BANKS, nicht wie die erste Staffel von einem Headautor (Oliver Kienle) und zwei Staff-Autor*innen (Jana Burbach und Jan Galli), sondern nur noch von Männern geschrieben wird. Die Staffel, in der die junge Bankerin Jana Liekam (Paula Beer) und die ältere Bankerin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) im Zentrum stehen. Fällt so etwas niemandem auf?
Doch zurück zum Anruf der Autorin.

Drehbuchautorinnen zweier Länder wehren sich


Meine TATORT-Analysen wurden zum Anstoß für eine innerhalb [Weiterlesen – Read On]

2. April 2019
von SchspIN
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Der kleine Mann und die kleine Miss

Kleine Kinder

Kennt Ihr das? Leute sprechen von einem Baby oder Kleinkind, und wenn es binär einzuordnen ist, sagen sie Kleiner Mann oder Kleine Maus. „Oh, der kleine Mann ist aber süß / schüchtern!“ und „Oh, die kleine Maus ist aber müde / munter!“ Ich will jetzt gar nicht über die möglichen zugeschriebenen Eigenschaften sprechen, sondern nur über die Begriffe. Kleiner Mann beziehungsweise Kleine Maus. Manche Mütter oder Väter sprechen sogar von ihrem kleinen Sohn und ihrem Partner als „meine beiden Männer“. „Meine beiden Mäuse“ für Partnerin und kleine Tochter habe ich hingegen noch nie gehört. („Meine beiden Frauen“ auch nicht, lediglich einmal „meine Mädels“).

Also, der männliche Säugling, das männliche Kleinkind oder Kind ist ein Mann, aber eben erstmal nur ein kleiner. Wird der Junge älter, heißt er manchmal Großer oder Junior. Und später ist er irgendwann ein richtiger Mann. Grundsätzlich reicht ein Penis, um aus einem kleinen Kind einen (kleinen) Mann zu machen. Er ist wie sein Vater ein Mann, nur eben kleiner.

Das weibliche Baby, Kleinkind oder Kind ist eine Maus, eine kleine Maus oder eine Mäuschen. Was ist wenn sie größer wird? Ist sie dann eine große Maus? Eine Springmaus oder eine Ratte? Wann wird sie eine Frau, so wie ihre Mutter? Und gibt es auch die Zwischenstufe „kleine Frau“? Das habe ich in Bezug auf Mädchen allerdings noch nie gehört. Für das Mädchen (Genus neutrum!) reicht eine Vagina nicht, um sie zur (kleinen) Frau zu machen. Warum? Klingt das komisch, fühlt es sich seltsam an, von einem neugeborenen weiblichen Menschen als (kleine) Frau zu sprechen? Klingt das zu sexuell, nach entwickelten Brüsten, nach Geschlechtsreife? Oder ist „kleine Frau“ einfach eine veraltete Umschreibung für brave, fleißige Hausfrau?

Buchklassiker von kleinen Männern und Mäusen

In der Twittersphäre las ich mal von einem, der seine (Weiterlesen – Read On)

18. März 2019
von SchspIN
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Nachgereicht: Der Polizeiruf 110 hinter der Kamera

Letzten Monat habe ich meine Untersuchung inklusive 6-Gewerke-Check der TATORTE 2011 bis 18 veröffentlicht – Verbrechen  aus Männersicht, nachdem Ende Juli die TATORT-Analyse für die sechseinhalb Jahre bis zur Sommerpause 2018 als Was tut sich am TATORT? – #2v6pN erschienen war.
Zur Erinnerung: die Entwicklung ist alles andere als gut, 2018 waren nur 5,5 % Drehbuchautorinnen und jeweils 0 % Kamerafrauen und Tonmeisterinnen in den Teams. Als mich kurz darauf jemand nach den POLIZEIRUF 110-Zahlen fragte musste ich passen, denn den kleinen Vetter der TATORTE hatte ich mir noch nie wirklich angeguckt. Weil es ja immer nur eine Handvoll Filme pro Jahr sind, woraus schwerlich substanzielle Schlüsse zu ziehen sind. Oder doch?
Heute nun also die erstausgestrahlten POLIZEIRUFE der Jahre 2011 bis 18, einzeln und zusammengenommen mit den jeweiligen TATORTEN, mit herzlichem Dank an Ariela und Susanne für den Anstoß.

Tatüü Tataa, der Polizeiruf ist da!

POLIZEIRUF 100 ist eine Fernsehreihe aus der DDR, die erstmals am 27.6.1971 ausgestrahlt wurde als  DER FALL LISA MURNAU. Bis 1990 produziert vom Fernsehen der DDR, bis 1993 vom DFF Deutschen Fernsehfunk und danach von den verschiedenen ARD Sendeanstalten. Zum Vergleich: der erste der ursprünglich westdeutschen TATORTE wurde am 29.11.1970 in der ARD gesendet, TAXI NACH LEIPZIG.
Die ersten Jahrzehnte POLIZEIRUFE spielten logischerweise in der DDR, später dann in ostdeutschen Städten. Es gab und gibt aber Ausnahmen: Wien (4 Filme), Heilbronn (3), München/Nürnberg (6), Offenbach (8), Volpe (8), Bad Homburg (4) und München (36) (wobei alle Zahlen ohne Gewähr sind, denn ich habe sie von Wikipedia, und das ist keine 100 % zuverlässige Quelle. Mehr zur Geschichte des POLIZEIRUFS findet sich auf der ARD-Seite.
Ich kann nur mutmaßen, wieso es auch POLIZEIRUFE in Städten der ehemaligen BRD gibt. Was ich aber nicht verstehe ist, warum es seit 1998 auch einen in München gibt, denn dort ist bereits seit 1991 das TATORT-Team gespielt von Miroslav Nemec (*1954) und Udo Wachtveitl (*1958) am Start, bisher in rund 80 Fällen.

Aktuell gibt es gefühlt 612 TATORT-Teams, tatsächlich sind es 22. (Auf der ARD-Webseite werden 23 Teams gelistet, davon 2 für den Schwarzwald). Hingegen POLIZEIRUFE werden derzeit für vier Städte geschrieben:

Rostock: seit 2011 mit Charly Hübner (* 1972) und Anneke Kim Sarnau (* 1972)
Frankfurt / Oder: seit 2012 Maria Simon (*1976) und Lukas Gregorowicz (*1976)
Magdeburg: seit 2013 Claudia Michelsen (*1969) und Matthias Matschke (*1968)
München: ab 2019 Verena Altenberger (*1987).

Warum ich die (Weiterlesen – Read On)

1. März 2019
von SchspIN
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Die deutschen Kinofilme der letzten Jahre – 2012 bis 18

Nachdem ich zuletzt einen Blick auf sechs Gewerke hinter der Kamera bei den TATORTEN 2011 bis 2018 geworfen hatte (Verbrechen aus Männersicht) gibt es heute eine Analyse der 100 erfolgreichsten deutschen Kinofilme der letzten sieben Jahre, wieder mit besonderem Blick auf die beschäftigten Filmfrauen und Filmmänner in den Gewerken Regie, Drehbuch, Kamera, Komposition, Ton und Montage.  Ich habe die Filmgruppen weiter aufgeteilt, so gibt es Untersuchungen von den Top 50 und Top 100 Filmen, manchmal außerdem noch von den Top 10 und Top 20 Filmen. Als Quelle habe ich die Filmhitlisten der FFA verwendet, und die Crewangaben bei Filmportal.de, crewunited.com und IMDB.com recherchiert.
Dass die Bilder heute sehr bunt sind liegt daran, dass ich jedem Jahr ohne System eine Farbe zugewiesen habe sobald es in den Untersuchungen erstmals auftauchte, und diese Farben habe ich beibehalten bzw. fortgeführt. Und schließlich: die Bilder sind als Galerien angelegt, d.h. Ihr könnt einfach ein Bild, z.B. das erste, anklicken, und dann durch die vergrößerten Abbildungen wandern.

Top 100 deutsche Kinofilme 2012 bis 2018

Was für Filme gab es überhaupt?

Die ersten Abbildungen zeigen die Top 50 und Top 100 Filme, aufgeteilt in Spielfilme, Animationsfilme und Dokumentarfilme. Dass die größte Gruppe die Spielfilme bilden liegt auf der Hand, es sind übrigens auch immer recht viele Spielfilme für Kinder vertreten, 2018 sogar auf Platz 1 (LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER), in den meisten anderen Jahren waren es u.a. die verschiedenen Auflagen von FACK JU GÖTHE. Animationsfilme sind unter den Top 50 und Top 100 ähnlich häufig vertreten, Dokumentarfilme tauchen eher in der zweiten Hälfte auf, aber es gibt sie auch auf den oberen Rängen, die höchsten Platzierungen in den sieben Jahren erreichten DIE MANNSCHAFT, ein Dokumentarfilm über die deutsche Männerfußballnationalmannschaft (2014, Platz 10), PAPST FRANZISKUS, EIN MANN SEINES WORTES (2018, Platz 16) und die crowdgefundete Reisedokumentation WEIT. DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT (2017, Platz 17). Bei den (Weiterlesen – Read On)

6. Februar 2019
von SchspIN
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Verbrechen aus Männersicht

TATORTE 2011-18, was tut sich hinter der Kamera?

Vergangenen Sommer hatte ich eine Auswertung der TATORTE 2011 bis 2018 erstes Halbjahr veröffentlicht, es ging um sechs Gewerke hinter der Kamera – Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Musik und Schnitt – und die erstgenannten Rollen und den Hauptcast (Was tut sich am TATORT? – #2v6pN).
Heute gibt es die ergänzten Statistiken mit dem vollständigen 2018er –  insgesamt 37 – TATORT-Premieren sowie einigen zusätzlichen Untersuchungen zu den Regisseurinnen und Regisseuren, wie  dem Alter bei ihren TATORT-Debüts und der Anzahl aller bis Ende 2018 übernommenen TATORT-Regieaufträge, auch schon bevor 2011.

Fast 20 % Frauenanteil bei Regie, wie toll ist das?

Es ist keine große Neuigkeit mehr, dass es deutlich weniger Filme von Regisseurinnen umgesetzt werden als von Regisseuren, und zwar auch deutlich weniger, als dem Anteil der Regie-Absolventinnen an den Filmhochschulen entspricht (44 %) und auch weniger als ihrem aktiven Anteil in der Branche entspricht (Referenzwert Crew United Datenbank: Regisseurinnenanteil 25,3 %). Darüber forsche und schreibe ich seit Januar 2013 (SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin), Pro Quote Regie trat im Oktober 2014 erstmals an die Öffentlichkeit, u.a. mit dem Ruf nach einer gestaffelten Frauenquote für ihr Gewerk sowie mit der Forderung „einer wissenschaftlichen Studie zum Werdegang und beruflicher Situation von Regisseurinnen in Deutschland sowie zur Vergabepraxis von Rundfunkanstalten und Fördergremien“, und der 94-seitige 1. Diversitätsbericht des Regieverbandes BVR „zum Anteil von Regisseurinnen an fiktionalen Film- und Fernsehproduktionen über den Zeitraum 2010-2013“ erschien im November 2014.

Vielleicht etwas langsam reagieren Sender, Produktionsfirmen und Redaktionen, mal ist von 20 % Regisseurinnen als Zielvorgabe die Rede, mal wird deutlich mehr erreicht – zum Beispiel beim ZDF Kleines Fernsehspiel. Und bei den TATORTEN?

2018 waren insgesamt 30 TATORTE von einem Regisseur und 7 von einer Regisseurin in Szene gesetzt. Das ist ein Frauenanteil von 18,9 % – also fast die anvisierten 20 %. Zum Halbjahr waren es 19 %, also keine große Veränderung.
Um etwas mehr ins Detail zu gehen,  es waren (Weiterlesen – Read On)