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Gedanken einer Schauspielerin

Theatertreffen 2016: Fast Fifty-Fifty – A Gender-Balanced Theatre Festival?

English Version follows German.

Aktuell, vom 6. bis 22. Mai, findet das 53. Theatertreffen statt, zu dem wie jedes Jahr die zehn bemerkenswertesten Produktionen der Saison im deutschsprachigen Raum nach Berlin eingeladen wurden.
Laut Theaterstatistik des Bühnenvereins gab es in der Spielzeit 2013/14 an 142 öffentlich getragene Bühnen, das sind Staats-, Stadt- und Landestheater, 1.435 Neuinszenierungen. Dazu kommen etliche weitere Bühnen, beispielsweise das Maxim Gorki Theater, die Berliner Volksbühne oder das Berliner Ensemble, die auch öffentlich gefördert werden, und natürlich die Bühnen im deutschsprachigen Ausland. Das bedeutete also ziemlich viele Theaterbesuche für die siebenköpfige Theatertreffen-Jury (1 F 6 M), bis sie sich auf die aus ihrer Sicht „zehn bemerkenswertesten“ geeinigt haben. (übrigens cool, dass es nicht „die zehn besten“ heißt).

Das ist jetzt das vierte Jahr, dass ich das Theatertreffen auswerte, und ich finde es spannend, wie unterschiedlich die Auswahl jedes Jahr ist. Letztes Jahr (Berliner Theatertreffen 2015. Und Rollentausch.) war unter anderem auffällig, dass in der Summe aller 10 Stücke gleich viele Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne standen und  es zwei Stücke mit reinen Frauenensembles gab.
Ich stellte am Ende die Frage: „wo sind die Theaterregisseurinnen, wo die Stückeschreiberinnen?“, denn für beide lag der Anteil bei nur 30 %.
Dieses Jahr sieht es zumindest bei der Regie deutlich besser aus. Überhaupt, generell ist das Geschlechterverhältnis in den vier Positionen Regie, Bühnenbild, Kostümbild und Dramaturgie relativ ausgeglichen, mit einem Frauenanteil zwischen 45 und 55 %. Dramatischer wird es allerdings, wenn wir die Dramatiker/innen, d.h. die Autor/innen der Stücke betrachten, diese sind – wie auch in den Jahren zuvor – überwiegend Männer.

Schreiben Frauen keine eigenen Stücke?

Ich frage da bewusst nach ,eigenen Stücken‘, denn immerhin, drei eingeladene Produktionen wurden von Frauen mitgeschrieben bzw. bearbeitet: Barbara Bürk hat gemeinsam mit Clemens Sienknecht Theodor Fontanes EFFI BRIEST umgeschrieben (Premiere am Deutschen Schauspielhaus Hamburg am 19.9.15 unter dem Titel EFFI BRIEST – ALLERDINGS MIT ANDEREN TEXTEN UND AUCH ANDERER MELODIE), Karin Beier und Stefanie Carp haben mit Christian Tschirner ebenfalls für das Deutsche Schauspielhaus Federico Fellinis SCHIFF DER TRÄUME bearbeitet (Premiere 5.12.15), und Regina Dura zeichnet verantwortlich für die Textfassung von STOLPERSTEINE STAATSTHEATER (basierend auf einem Text von Hans-Werner Kroesinger), was am 21.6.15 am Staatstheater Karlsruhe uraufgeführt wurde. Das vierte Stück bei dem eine Frau involviert war ist THE SITUATION, es wurde von Regisseurin Yael Ronen gemeinsam mit ihrem Ensemble am Maxim Gorki Theater Berlin entwickelt. (Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass mir die Unterschiede zwischen einer ,normalen’, nicht erwähnten Stückbearbeitung durch die Regie oder Dramaturgie, einer neuen Textfassung basierend auf einem Stück und einem neuem Stück nach einem alten Stück nicht ganz klar sind).

theatertreffen_2016Dieses Jahr wurden mehrheitlich (= 7 Mal) neue Stücke und Uraufführungen eingeladen, insofern ist das Fehlen von Autorinnen noch bemerkenswerter. Bei den klassischen Stoffen gibt es diese gefühlte 90 – 100 %-igen Männerdominanz, aber was ist mit der Moderne und in der Gegenwart? Natürlich sind die zehn ausgewählten Stücke nicht repräsentativ für eine Spielzeit, wie sieht es also sonst auf dem deutschen und österreichischen und schweizerischen Stückemarkt und den Bühnen aus? Es wäre interessant zu ermitteln, wie viele der eingangs erwähnten 1.435 Neuinszenierungen auf Texten von Autorinnen basieren. Ändert sich da langsam etwas? Und falls nicht, woran liegt das? Ich habe ja bereits öfters den über 40 %igen Frauenanteil unter den Mitgliedern im VDD (leider immer noch: Verband der Drehbuchautoren (sic!)) erwähnt. Schreiben Autorinnen lieber für TV und Film als für das Theater? Oder können sie ihre Stücke ,nur nicht’ an Theater unterbringen? Das ist ein wichtiges Thema für einen anderen Tag.

Die folgende Bildergalerie zeigt verschiedene Auswertungen der letzten vier Theatertreffen.

lklkj.

English Version

A Gender-Balanced Theatre Festival in Berlin

At the moment, from May 6 to 22, the 53rd Theatre Festival is held in Berlin and like every year the ten most remarkable productions of the season from the German speaking countries are invited.
According to the theatre statistics provided by the Bühnenverein (organization representing theatres and opera houses in Germany) there were 142 public theatres with 1,435 new productions in the 2013/14 season. On top of that there were a number of other productions, for example at the Maxim Gorki Theatre, the Berlin Volksbühne or the Berlin Ensemble, that also receive some public funding, and of course there are theatres outside of Germany. So the 7 members of the jury (1 F 6 M) of the theatre festival went to see rather a large number of plays before they agreed on their “ten most remarkable”. (by the way, I think it’s great that they aren’t called “the ten best”).

This is the fourth annual Berlin theatre festival that I am evaluating and I think it is quite exiting to see how different the chosen 10 are every year. In 2015 (Berlin Theatre Festival 2015. And Gender Switching.) among other things it was quite remarkable that the sum of all 10 plays was evenly balanced for actresses and actors, and that there were even two productions with an all-female cast.
At the end of the text I asked: where are the female theatre directors, where the female playwrights? because the share of women was 30 % each for these jobs.
This year, things are looking better as far as directing is concerned. Moreover, the gender balance in the four positions directing, stage and costume design and dramatic advice is quite even with a share of women between 45 and 55 %. More dramatically it gets when we have a look at the playwright, since just like in the previous years a strong male dominance in numbers prevails.

Don’t women write any plays?

Or better put, (why) don’t they write plays of their own? Three invited productions were co-written or edited by women: Barbara Bürk re-wrote Theodor Fontane’s EFFI BRIEST along with Clemens Sienknecht (new title: EFFI BRIEST – ALTHOUGH WITH A DIFFERENT TEXTS AND A DIFFERENT MELODY, it premiered on 19 Sept. 15 at Deutsches Schauspielhaus Hamburg), Karin Beier and Stefanie Carp with Christian Tschirner adapted Federico Fellinis AND THE SHIP SAILS ON also for the Deutsches Schauspielhaus (Premiere 5.12.15), and Regina Dura was responsible for the text version of STOLPERSTEINE STAATSTHEATER (TRIPPING STONES STATE THEATRE, based on a text by Hans-Werner Kroesinger), which had its world premiere on 21 June 16 at Staatstheater Karlsruhe. A four woman involved in creating a play is Yael Ronen, who developed the play THE SITUATION together with the cast (Maxim Gorki Theatre Berlin).

theatertreffen_2016_enThis year, 7 of the 10 invited productions featured new plays or even world premieres, so that makes the lack of female playwrights even more remarkable. When we look at the classics, a probable 90 – 100 % male authorship seems to be the rule, but what about modernity or the present? Of course the 10 plays cannot possible represent the whole season, so what is the situation for plays on the market or on the stages in Germany, Austria and Switzerland? It would be interesting to find out how many of the beforementioned 1,435 premieres were plays written by women. Is there any change? And if not, why is that so? I have mentioned the 40+ % female members of the German scriptwriters’ union VDD. Do female authors prefer to write for film or television? Or are they simply not able to place their plays at theatres? This is an important question for another day.

The following diagrams show different evaluations of the last four theatre festivals.

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