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Gedanken einer Schauspielerin

Neue Kampagne #mehralsLeichen

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Krimis – Schauspielerinnen können mehr als Leichen spielen

Das deutsche Fernsehen ist bekanntlich recht krimiaffin. Immer mehr Formate, Reihen und Einzelfilme dieses Genres werden produziert, die immer seltener ohne in Szene gesetzte brutale Morde und Leichen in Großaufnahme auskommen. Dass ein spannender und unterhaltlicher Krimi auch anders geht erzähle ich am Beispiel einer schwedischen Miniserie, einem Gegengewicht zu den Filmen, die mit einer brutalen Vergewaltigung oder dem Fund einer jungen, hübschen, misshandelten, toten Frau beginnen. Schauspielerinnen können mehr als Opfer spielen.

Zwei Verbrecherinnen und zwei Leichen im Off

Durch Zufall – denn die Filme und Serien, die arte in der Mediathek bereit hält werden leider zu wenig beworben – entdeckte ich kurz vor Ende der Laufzeit NUR EIN BANKRAUB / ENKELSTÖTEN. Die 6-teilige schwedische Serie (je 44 min.) von Felix Herngren basiert auf dem Roman ENKELSTÖTEN: PSYKOLOGISK THRILLER des schwedischen Autors Tomas Arvidsson (*1941), der nicht auf Deutsch erschienen zu sein scheint. Wie mir ein freundlicher Mitarbeiter der schwedischen Botschaft in Berlin – dessen Namen ich leider nicht mitbekommen habe – erzählte bedeutet Enkelstöten ,Einfacher Stoß‘. Es gibt auch noch DUBBELSTÖTEN und TRIPPELSTÖTEN von Arvidsson.
Der Mitarbeiter freute sich sehr, als er kurz die schwedischen Infos zur Serie durchlas, er sagte Felix Herngren sei sehr humorvoll und die beiden Hauptdarstellerinnen Lotta Tejle und Sissela Kyle echt genial. Er erzählte auch, dass die Geschichte in den 80er Jahren schon einmal als Serie verfilmt worden war. Was an NUR EIN BANKRAUB 2017 auch bemerkenswert macht ist, dass im Roman die Hauptfiguren männlich sind. 2017 wurden sie zu zwei Frauen:

Die beiden Freundinnen Cecilia Stensson (Sissela Kyle) und Jenny (Lotta Telje) sind im besten Alter, haben sich nie etwas zu Schulden kommen lassen und stecken dennoch beide tief in der Bredouille: Jenny muss im Scheidungskrieg mit ihrem Exgatten feststellen, dass sie im Ehevertrag extrem schlecht wegkommt. Cecilia hingegen hat in chinesische Aktien investiert – und nach einem Börsencrash praktisch alles verloren. Da unterbreitet einer ihrer Patienten, der krebskranke Stellan (Peter Carlberg), Cecilia einen verwegenen Vorschlag: Er hat einen wasserdichten Plan für einen Bankraub, wird aber nicht mehr lange genug leben, um ihn selbst auszuführen. Die Idee scheint perfekt – doch haben die friedliebenden Damen wirklich genug kriminelle Energie?
Quelle: arte Pressemappe. Dt. Erstausstrahlung April 2019.

Szenenphoto NUR EIN BANKRAUB / ENKELSTÖTEN. arte tv

ENKELSTÖTEN. Jenny und Cecilia vergraben keine Leiche sondern einen Teil ihrer Beute. Bildrechte: Ulrika Malm

Auch die übrigen Figuren und ihre Geschichten sind sehr speziell gezeichnet (ohne stereotyp zu werden): die ältere Kommissarin, ihr jüngerer Assistent und die Provinzpolizistin, die Ehemänner, die Tochter, die Chefin im Krankenhaus, die Rockergang und viele mehr.

Leider ist die Serie (Regie Felix Herngren Folge 1 bis 3, und Emma Bucht Folge 4 bis 6) nicht mehr in der arte Mediathek verfügbar. Ich hab auch noch keine DVD-Fassung gefunden, was aber schön wäre, denn die deutschen Synchronstimmen weichen doch sehr vom schwedischen Original ab (hier zumindest der Trailer von TV4). Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag. Und hoffentlich nimmt arte die Serie noch einmal ins Programm!

Warum erzähle ich von ENKELSTÖTEN? Zum einen, weil ich die Serie wirklich gut fand, voll Spannung, Witz, Tiefgang, überraschenden Wendungen. Es werden auch zwei Menschen ermordet, aber weder werden die Morde gezeigt noch die Leichen hinterher. Und andere Verbrechen und Straftaten gibt es auch zu Hauf, also ein klassischer Krimi. Zum anderen, weil es ein – immer noch relevantes – Zitat des Autors Arvidsson gibt (zitiert auf der Webseite tomelius.se von Bertil Tomelius, Unterseite Svenska deckare / Schwedische Kriminalromane):

Jag vill berätta en historia som är spännande och förhoppningsvis rolig. Jag vill försöka visa att spänning inte alls kräver våld och att humor kan inbegripa stråk av allvar för den som vill se dem. Om man vill kan man kanske se mitt berättande som en stilla protest mot det spekulativa underhållningsvåld som ibland tar sig groteska uttryck i TV, film och böcker.

Ich möchte eine Geschichte erzählen, die spannend und hoffentlich unterhaltend ist. Ich versuche zu zeigen, dass das Erzeugen von Spannung keinesfalls Gewalt erfordert und dass Humor durchaus Züge von Ernsthaftigkeit tragen kann für den, der sie sehen möchte. Wenn man so will, kann man meine Erzählungen vielleicht als eine Art stillen Protestes gegen die spekulative Unterhaltungsgewalt ansehen, die manchmal in Fernsehen, Film und Büchern groteske Züge annimmt.

Diese „Unterhaltungsgewalt“ kennen wir nur zu gut auch aus dem deutschen Fernsehen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass beispielsweise bei den TATORTEN die Regionen in einer Art Wettbewerb stehen: A sagt „Wir haben zehn Tote!“ B: „Dafür haben wir den brutaleren Mord!“ C: „Und wir das jüngere Opfer!“ D: „Und wir

weiblich, jung, tot

Letzten Oktober las ich an einem Tag mehrere Pressemeldungen, die sich in gewisser Weise ähnelten:

  • Zur Handlung: Im Göttinger Stadtwald wird die Leiche einer jungen Frau gefunden.
  • In einem Bergsee wird die Leiche einer vermissten jungen Frau gefunden.
  • Nathan liebt Maggie Dunne, eine junge ehrgeizige Frau, ebenfalls Tinker wie er, die heimlich Psychologie studiert. Beide träumen von einer anderen, besseren Zukunft. Doch dann wird Maggie tot aufgefunden, ermordet und hergerichtet wie eine Puppe.
  • Nachdem eine 16-jährige Ausreißerin in Rostock tot aufgefunden wurde, stoßen die Kommissare auf (ähnliche), ungeklärte Mordfälle: Die Getötete wurde entstellt, ihre Schuhe liegen auffällig ordentlich neben der Leiche.

Würde ich im Fernsehen leben wäre ich in Sicherheit, denn ich bin über 40, und ermordet werden da nur junge Frauen. Eine Onlinesuche nach „fernsehen krimi leiche einer jungen frau“ – ergibt weitere Treffer, z.B.:

  • Ein Notruf geht bei der Bremer Polizei ein, zu hören sind Hilferufe. Kurze Zeit später wird in einem Park die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die massiven Verletzungen am Hals der Toten stellen die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen und Stedefreund vor ein besonderes Rätsel.
  • Aus einem See wird ein Auto geborgen, darin die Leiche einer erwürgten jungen Frau.
  • In einem Moorgebiet wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie trägt ein leuchtend rotes Kleid, wirkt äußerlich unversehrt und wurde von ihrem Mörder offenbar mit viel Bedacht an diesem Ort platziert.
  • Nachdem eine rothaarige Frau leblos im Meer gefunden wurde, kommt es in der Wohnung der Toten zu einer fatalen Begegnung. (Ammerkung: die Frau war selbstverständlich jung, das haben sie nur in der Beschreibung weggelassen)

Das ist kein neuer Trend, nimmt aber gefühlt zu. Hier zwei Meldungen von 2007 und 1985:

  • Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, führen die Ermittlungen zu Anne Kempf, die mit 18 bereits alleinerziehende Mutter des 4-jährigen Tim ist.
  • Vor einem Wohnblock wird die zerschmetterte Leiche einer jungen Frau, Jutta Starck, gefunden. Ein Abschiedsbrief, den Schimanski und Thanner in ihrer Wohnung finden, weist auf Selbstmord hin.

Die letzte Beschreibung fällt ein bisschen aus der Reihe, denn der Name der toten Frau wird genannt. Das ist heutzutage eher selten – solange es nicht um einen ermordeten Mann geht, der dann wiederum ohne Altersangabe eingeführt wird:

  • Auf einem Bergplateau vor den Toren Stuttgarts wird die Leiche von Marcel Richter gefunden.

Ja, es beginnen auch Krimis mit der Ermordung eines Mannes, aber die ermordeten jungen Frauen scheint deutlich häufiger vorzukommen und sind fast schon ein Untergenre für sich. Ebenso wie der Plottwist ,es stellt sich heraus, dass die Frau – ob tot oder lebendig – nebenbei als Prostituierte arbeitet‚, aber das ist ein anderes Thema. Wenn eine (junge) Tote nicht schon bei ihrer Ermordung oder am Tatort halb nackt in Großaufnahme gezeigt wird, gibt es oft später eine Szene, die sie nackt auf einem Tisch in der Gerichtsmedizin zeigt. Warum wohl.

Eine Frage der Dramaturgie?

Ich habe in Die Dramaturgie der Dusche vor einiger Zeit am Rande auch über die Kameraeinstellungen bei Gewaltszenen gegen Frauen geschrieben und würde mir sehr wünschen, dass die filmische Inszenierung von Gewaltverbrechen im Zusammenhang mit dem Geschlecht der toten Person auch in Kameraklassen an Filmhochschulen thematisiert wird.

Ein anschauliches Beispiel für den unterschiedlichen, oft sexualisierten Umgang mit toten Frauen und Männern findet sich in der zweiten Staffel der internationalen Serienkrimiproduktion THE TEAM (B, DK, D, AU, CH). Es gibt eine Szene, in der mehrere Leichen aufgebahrt in einem Raum liegen, jeweils mit weißen Laken bedeckt. Alle bis auf eine junge Frau, die liegt vollständig nackt da. Von dem Laken weit und breit keine Spur, die Kommissar*innen, die den Fall bearbeiten und sich an der Leiche stehend endlos unterhalten, scheinen es nicht zurückgeschlagen zu haben, um das Gesicht oder eben den ganzen nackten Körper der Frau zu betrachten. Sie wird logischerweise auch nicht wieder zugedeckt, da ja kein Laken für sie zur Verfügung steht. Im Anschluss sprechen sie über einen erschossenen Mann, gehen zu dessen Leiche und schlagen das Laken zurück, aber nur bis zur Taille, wo eine Wunde zu sehen ist. Fällt so etwas niemandem in der Produktion auf?

In seiner Kritik des Dortmund-Tatorts MONSTER (2.2.20) Der „Tatort“ als Zumutung – da ging es u.a. um organisierten sexuellen Missbrauch von Kindern – spricht Frank Junghänel in der Berliner Zeitung vom 1.2.20 von „dramaturgischem Missbrauch“:

Das alles wird sich aufklären, was aber diesen Dortmunder „Tatort“ zumindest zweifelhaft macht, ist sein Umgang mit dem – man muss es leider so sagen – beliebten Thema Kindesmissbrauch. Immer wieder wird die verängstigte Mia, die über eine Pädophilen-Seite im Darknet versteigert werden soll, groß im Bild gezeigt. Der mehrfach preisgekrönte Regisseur Torsten C. Fischer zwingt den Zuschauer, ihr in die Augen zu sehen und sich vorzustellen, was ihr bevorsteht.
Es ist eine Zumutung, die der Zuschauer nicht braucht, um die Widerwärtigkeit eines solchen Verbrechens zu begreifen. Schon weil man weiß, dass die kriminelle Wirklichkeit noch viel schlimmer ist. Es gibt im Film eine Szene, in der ein Junge halb nackt und zitternd vor seinem Peiniger gerettet wird. Natürlich wird das alles sehr sensibel und sorgsam inszeniert worden sein. Das ist nicht die Frage. Kinder sollten auch vor einem dramaturgischem Missbrauch geschützt werden.

Ich muss dazu sagen, dass ich den TATORT nicht gesehen habe, finde diese Gedanken aber auch über diesen Fall hinaus bedenkenswert.

Es ist gerade einmal acht Jahre her, dass der Fernsehfilm OPERATION ZUCKER (Regie Rainer Kaufmann) über Kinderhandel und Kinderprostitution in der ARD ausgestrahlt wurde. Ihr erinnert Euch vielleicht, damals wurde auf dem Sendeplatz um 20.15 Uhr eine geschnittene Fassung ohne das Ende gezeigt. Erst nach Mitternacht lief der komplette Film mit dem Originalende, das so wie ich es erinnere darin bestand, dass ein schon vermeintlich gerettetes kleines Mädchen doch wieder von den Kinderhändlern gefangen wurde. Die heutigen TATORTE sind da nicht weniger heftig, und die laufen um 20.15 Uhr. Die FSK-Maßstäbe scheinen sich also zu verschieben. Zumindest im deutschen Fernsehen. In UK-Krimis (oder müssen wir sagen: DQ-Krimis?) beispielsweise wird Gewalt weniger explizit gezeigt, stattdessen das Publikum wegen aufwühlender Inhalte vorgewarnt und auf den Senderseiten Telefonnummern von Hilfs- und Beratungsorganisationen bereit gestellt.

Geht es auch anders?

Ja. Es gibt Krimis, die ganz ohne Morde auskommen, und andere, in denen die Gewalttaten, die Morde, die Vergewaltigungen nicht explizit gezeigt werden, die überlebenden oder toten Opfer nicht halbnackt zur Schau gestellt werden.
Es gibt Filme, die mit den Ermordeten bildhaft sensibler umgehen und sie nicht tot, blutig, verstümmelt zeigen, ohne die Verbrechen zu verharmlosen oder weichzuspülen.

Gerade ist noch der 2019er Film NUR EINE FRAU (Regie Sherry Hormann, Drehbuch Florian Oeller) in der ARD Mediathek abrufbar (bis 25.2.), der das Leben der Berlinerin Hatun Aynur Sürücü bis zu ihrer Ermordung durch einen Bruder und den anschließenden Prozess thematisiert. Aus einer ungewöhnlichen Perspektive, die Ich-Erzählerin ist Hatun Sürücü (gespielt von Almila Bağrıaçık). Auch die Kameraperspektive ist für einen deutschen Film, in dem es immerhin um Mord geht, ungewöhnlich. Der Mord wird nicht gezeigt, stattdessen sieht man das Gesicht des Mörders während er seine Schwester erschießt. Die Leiche wird nur zugedeckt gezeigt. Ihre Füße in Schuhen, eine Hand. Mehr nicht. (Kamera: Judith Kaufmann).

Andere Beispiele finden sich in der britische Krimiserie SCOTT & BAILEY (entwickelt von Diane Taylor und Sally Wainwright), Gewaltverbrechen, Mord, Vergewaltigung, Missbrauch von Kindern, moderne Sklaverei, – und die Opfer werden nicht ausgestellt. Im ersten Fall der Reihe geht es um den angeblichen Selbstmord der jungen schwangeren Emel Yilmaz, die Tote ist nur über ein Foto des Tatorts, das zwei Sekunden in der Hand einer Ermittlerin gezeigt wird, zu sehen. Über die Obduktion wird nur gesprochen. Später sieht man ihren Mann an ihrer aufgebahrten Leiche in einem Beerdigungsinstitut sitzen, Perspektive quasi von ihrem Fußende her, sie liegt unter einem dicken Laken oder einer Decke. Kein voyeuristischer Blick auf die Ermordete, weder angezogen noch nackt während der Obduktion.

Die zweite Folge beginnt mit dem Fund einer brutal vergewaltigten, verstümmelten, ermordeten Frau. Es wird nicht gezeigt, weder das Verbrechen noch die Leiche. Stattdessen sehen wir das ermittelnde Polizeiteam, DCI Gill Murray (Amelia Bullmore) stellt den Fall vor: „Story so far: Susan Metcalfe, 43, wife, mother, primary school teacher“ – Schnitt zu den Polizistinnen Janet Scott (Leslie Sharp) und Rachel Bailey (Suranne Jones) im Auto, auf dem Weg zur Familie Metcalfe, um die Todesnachricht zu überbringen. Scott erzählt im Wechsel mit Murray den vermuteten Tathergang und wie die Leiche gefunden wurde. Macht das den Krimi weniger spannend? Das Verbrechen weniger brutal oder blutig? Geht das weniger unter die Haut, als die gleiche Geschichte als deutscher Krimi, in dem man entweder das brutale Verbrechen gegen Susan Metcalfe gezeigt hätte, oder zumindest ihren zerstörten Körper in Großaufnahme, im Kofferaum des Autos, wo sie gefunden wurde, oder ganz nackt in der Obduktion? Ich denke nicht.

Vor Jahren gab es eine Plakataktion gegen weibliche Genitalverstümmelung. Das Plakatbild zeigte eine Rasierklinge. Mehr nicht. Ich erinnere nicht, ob sie blutverschmiert war oder nicht. Aber die Kombination des Themas und des Bildes ging unter die Haut. Und das sicher nicht nur bei Frauen, sondern vermutlich auch bei Männern. Auch ohne dass die ,Entfernung‘ der Klitorisvorhaut, Klitoris, de inneren oder auch äußeren Schamlippen zu sehen gewesen wäre.

Doch zurück zum dramaturgischen Missbrauch der jungen, toten Frauen.

#mehralsLeichen

Ich habe wie Ihr vermutlich gemerkt habt noch keine statistische Auswertung dieses Phänomens gemacht. Da ich nicht so viele Krimis gucke und eine Internetrecherche auch nicht unbedingt alles hergibt habe ich sicher Filme, in denen ältere Frauen, oder junge Männer in Szene gesetzt umgebracht wurden, übersehen. Und noch weitere mit jungen, weiblichen Mordopfern. Vielleicht ist ja tatsächlich etwas dran an diesem Muster, diesem Untergenre, diesem Krimiopener, dem Bild der jungen, ermordeten Frau, – dieser kurzen Rolle für eine Schauspielerin, oder Komparsin.

Helft dieses Phänomen sichtbar zu machen, eröffnet eine Diskussion, indem Ihr den Hashtag #mehralsLeichen in den sozialen Netzwerken verwendet wenn Ihr über entsprechende Filme schreibt. Ihr könnt auch gerne die Filme, die Euch in diesem Kontext, mit dieser Eröffnung auffallen, in die Kommentarspalte schreiben.

Sprecht über die „Unterhaltungsgewalt“ und den „dramaturgischen Missbrauch“.

Wenn Ihr Schauspielerin seid und die Rolle einer toten, jungen Frau angeboten bekommt fragt nach der Inszenierung. Wenn ihr komplett nackt auf dem Seziertisch liegen müsst fragt nach der Motivation der Szene und bittet ggfs. um ein teils bedeckendes Laken. Wenn die Rolle außer Eurem frühen brutalen Tod und einer Einstellung im offenen Sarg nichts zu bieten hat, überlegt, ob Ihr sie wirklich annehmen müsst. Ihr könnt auch Nein sagen.

Wenn Ihr Krimi-Promi seid und Euch so ein Stoff angeboten wird, prüft ob Ihr Euren Einfluss geltend machen könnt und wollt. Schon wieder ein Fall mit einer toten, jungen, halbnackten Frau als Opener? Ohne Rückblenden, die die Figur als Mensch erleben lassen? Braucht Euer Kommissar / Eure Kommissarin wirklich so einen Fall?
Wenn Ihr einen richtig guten Draht zu Regie und Kamera habt, sprecht sie auf die Bildsprache, auf die geplanten Einstellungen an. Muss die Gewalt und ihre Auswirkungen auf einen Menschen explizit und in Großaufnahme gezeigt werden? Wie wäre es, stattdessen lieber weniger zu zeigen, anzudeuten und das Kopfkino anzuregen?

Wenn Ihr Produzent*in oder Redakteur*in seid: überlegt Euch dreimal, ob es wirklich noch einen Krimi braucht, der genau so anfängt.

Wenn Ihr Regisseur*in seid überlegt Euch, ob Ihr diese Geschichte so erzählen wollt, oder doch lieber anders?

Wenn Ihr Autor*in seid: erfindet neue Geschichte, neue Einstiege in Geschichten, verweigert Euch dem fast schon obligatorischen oder rituellen Fund der jungen Frauenleiche zu Beginn.

Wenn Ihr Kameramensch seid, überdenkt die ,üblichen Bilder‘, muss bei Gewaltverbrechen der Täterblick bedient werden, muss das Publikum das sehen, was einem Täter den Kick gibt? Oder könnt Ihr neue Bilder finden, weniger platte?

Wenn Ihr bei einem Krimi Zuschauer*in seid – also potenziell wir alle – und falls Euch das Muster ähnlich negativ auffällt wie mir: schreibt darüber, schreibt der Produktionsfirma, schreibt dem Sender. Lasst sie wissen, wenn Ihr solche Bilder und solche Geschichten nicht mehr sehen wollt. Und verwendet den Hashtag #mehralsLeichen.

Frauenfiguren in Krimis sollten anders erzählt werden.

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