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Gedanken einer Schauspielerin

Karin Hanczewski – eine Inside-Story

Karin Hanczewski, Berliner Schauspielerin

Ich lernte Karin Hanczewski im Februar 20 kennen, bei den Dreharbeiten zur Webserie #HEULDOCH – THERAPIE WIE NOCH NIE, die damals noch #PRICKS hieß und die zwischenzeitlich auf dem Filmfestival Cologne in Köln und im ZDF Kleines Fernsehspiel lief. Bis nächstes Jahr ist die Miniserie – 5 x 15 min – noch in den Mediatheken von ZDF und arte abrufbar.

Die Serie „#Heuldoch – Therapie wie noch nie“ ist ein satirischer Umgang mit #metoo. Guckt sie Euch an! Ich möchte allerdings eine Triggerwarnung aussprechen, für von sexuellen Übergriffen oder Schlimmeren Betroffene ist es trotz allem Humor mitunter schon hart.

Szenenfoto, Karin Hanczewski, Bärbel Schwarz, Belinde Ruth Stieve

v.l.n.r.: Karin, ich, Bärbel

Es war eine der letzten Produktionen, die noch vor Corona abgedreht wurden, das Team war klasse, der Cast sowieso – in den Hauptrollen Bärbel Schwarz und eben Karin Hanczewski, mit denen ich meine meisten Szenen drehte. Ich erinnere noch genau, wie Karin mich auf dem Hof des tollen Anwesens, das die meiste Zeit unser Drehort war, begrüßte:

Karin: Hallo!

Ich: Hallo, äh, ich bin Belinde, ich spiele die Dr. Scharf.

Karin: Soso. Ich bin Karin, ich hab am 22. Dezember Geburtstag.

Ich: Das ist ja witzig, ich hab am 19. Deze…

Karin: Backst Du mir dann einen Kuchen?

Ich: Äh, was?

Karin: Einen Geburtstagskuchen. Oder eine Torte.

Ich: Äh, ja, klar, äh, gerne. Was magst Du?

Karin: Schokotorte, Nusskuchen, Quarkkuchen, Obststreusel, Jabłecznikbezaszarlotkaciasto (= irgendeine polnische Spezialität), Marmorkuchen und Stachelbeerfrappé.

Ich: Äh, doch, unbedingt. Wie alt wirst Du denn?

Karin: 39.*

Ich: Echt? Ich hätte Dich auf 34 geschätzt, höchstens! **

* Niemand wird 39. Das ist ein Fakealter, das jahrelang benutzt wird, um die Schwelle zur 40 noch eine Weile hinauszuzögern. Hab ich mit 39 auch gemacht, und mit 49 dann noch mal. Jetzt sage ich, dass ich 53 bin, in Wirklichkeit bin ich schon 72. Ich weiß, das sieht man mir nicht an. Gute Gene.

** Ich wollte nett sein, ich wollte vor allem dass sie mich mag, denn ich hatte das Drehbuch gelesen, und es gab da einige Szenen, in denen ich buchstäblich in ihrer Hand lag. Tatsächlich würde ich sie auf mindestens Mitte 40 schätzen, denn ich hab sie mehrfach gesehen, bevor sie in die Maske ging.

Karin ist eine sehr nette, freundliche, gründliche und sensible Kollegin. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit ihr zu drehen, mit ihr und Bärbel, mit der ich zusätzlich ein paar Einzelszenen in frostiger Atmosphäre hatte – haha, das ist ein Scherz! Guckt Euch die Serie mal an, dann versteht Ihr, wie ich das meine.

Ich erinnere mich besonders an eine Szene, meine Figur war gerade nennenwiresmal ohnmächtig geworden und die Figuren von Karin und Bärbel sollten mich eine Treppe runtertragen und auf dem Boden ablegen. Diese Einstellung wurde gefühlt 30 Mal wiederholt, denn auch die beiden Regisseurinnen arbeiteten sehr genau – Isabell Šuba und Lilli Tautfest. Beide auch sehr nett, nur ziemlich abergläubsch, wie ja viele Künstler:innen. So wuschen sie sich während der gesamten Drehzeit nicht die Haare, hatten aber zum Glück immer Mützen auf. Egal.

Jedenfalls, Karin und Bärbel trugen mich immer wieder die Treppe runter, legten mich ab, drehten mich, zogen mich über den Boden, legten mich nochmals ab. Das Ganze sollte in einer Einstellung gedreht werden. Die Regieanweisung lautete, dass Karin am Ende meine Füße (sie war an meinem Fußende, Bärbel an der Kopfseite) „fallenlassen sollte“. Für mich war das kein Problem, ich bin gut trainiert, ich konnte meine Füße auffangen, so dass sie kurz über dem Boden quasi in der Luft stehenblieben. Aber Karin hatte Sorge mir wehzutun, Angst vor dem Geräusch meiner Fersen, die womöglich auf dem Steinboden aufschlugen. Die Szene wurde wiederholt und wiederholt. Immer wieder legte Karin meine Füße vorsichtig am Boden ab. Am Ende wurde es dann doch in mehreren Einstellungen gemacht, für die letzte kurze Passage musste mein Stuntdouble ran. Hat aber glaube ich noch niemand gemerkt.

Drehpause. Mein Stuntdouble und ich.

Drehpause. Mein Stuntdouble und ich. Foto: Antje Volkmann, unsere Tonmeisterin

Warum erzähle ich das alles? Zum einen, weil ich immer wieder gebeten werde, im Blog nicht nur Statistiken zu veröffentlichen sondern ein bisschen mehr „Filmatmo“ und Persönliches zu bringen (zuletzt war das glaube ich der Text  Auf weia, ist das deutsch… oder Die Sache mit der Bavaria und den Schuhen). Und zum anderen, weil heute der 22. Dezember ist, und das ist – richtig! – Karins wievieltauchimmer Geburtstag.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Karin, und alles Beste für‘s neue Lebensjahr.

Du bist eine super Kollegin und eine tolle Schauspielerin! Hab leider noch viel zu wenig von Dir gesehen, da ich ja keine TATORTE gucke (sie spielt eine Ermittlerin im Dresdner Team), aber dafür kenne ich Dich aus dem TATORTREINIGER, und natürlich dem tollen Helikopter-Kinder-Sketch bei KROYMANN. (Ich hatte mich selber vor einiger Zeit, als ich Frau Kroymann bei einer politischen Veranstaltung persönlich kennenlernte, direkt bei ihr beworben, – macht man eigentlich nicht, ich weiß. Sie fand das glaube ich aber nicht so schlimm und meinte nur, ob ich denn überhaupt Comedy könnte, und Promi sei ich auch nicht. Da hat sie natürlich Recht. Ich hab dann stattdessen einen befristeten Job – vier Monate! – als Lagerarbeitaushelferin bekommen. Beinahe wäre ich sogar mal mit nem Gabelstapler gefahren, aber dafür braucht man n extra Führerschein. War aber sonst richtig gut. Vielleicht spiele ich ja so was mal in einem Film, da hab ich dann schon die Recherche erledigt.)

Jedenfalls, Karin war echt cool und witzig – mit Brille! – in dem Sketch, sie spielt eine Tochter, die ihre Mutter beaufsichtigt und auf das Alter vorbereitet. Yessss!

Apropos Alter, nochmal alles Gute zu Deinem Jahrestag – und viel Erfolg und Glück und Schotter und Spaß und Gesundheit fürs neue Lebensjahr.

(Ich weiß nicht, ob so ein Blogtext jetzt etwas aufdringlich ist, aber ich hatte Deine Telefonnummer nicht.)

Karin Hanczewski am Set

Karin bei der Arbeit. Foto: BRS

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