SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin

WIFT und SchspIN zum 50. Geburtstag vom TATORT. Folge 1

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WIFT Germany und SchspIN

Mit großer Freude kann ich berichten, dass das deutsche Chapter von Women in Film and Television, WIFT Germany, mich zum Ehrenmitglied ernannt hat. Herzlichen Dank für diese große Auszeichnung!

Mit WIFT Germany und auch WIFT UK arbeite ich seit Jahren immer wieder zusammen. Das erste Mal war glaube ich vor sechs Jahren, als im Januar 2014 im Grünen Salon der Volksbühne Berlin eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wer spielt im deutschen Fernsehen eine Rolle? Frauenbild zwischen Fernsehrealität und Wirklichkeit“ stattfand, veranstaltet von WIFT Germany. Ich war auch dabei, und lieferte Zahlen und Gedanken aus meinem Blog (Bericht zur Veranstaltung: Die Geduld der Frauen ist die Macht der Männer.).

Im aktuellen WIFT Germany-Newsletter vom 11.8. heißt es nun u.a.:

Belinde Ruth Stieve ist neues WIFT Ehrenmitglied
Die Schauspielerin und Expertin für Genderfragen in Film und TV schreibt in ihrem Blog „Schpin- Gedanken einer Schauspielerin“ schon seit vielen Jahren über die Situation der Frauen in der Branche. Wir freuen uns auf ihre Beiträge zum 50 jährigen Jubiläum des deutschen Kultkrimis „Tatort“, in dem es zwar viele weibliche Leichen aber wenige weibliche Filmschaffende gibt.

In der Tat, exklusiv für WIFT Germany werde ich die Liste der 50 potenziellen Wunsch-Tatorte (siehe ARD-Webseite) zum 50. Geburtstag dieser Sonntagabendkrimireihe etwas genauer mit der Filmfrauenlupe betrachten. Die Texte erscheinen zunächst über die sozialen Kanäle von WIFT Germany bei Instagram und Facebook, und anschließend etwas ausführlicher (und mit mehr Abbildungen) hier in meinem Blog SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin.

Partystimmung beim TATORT

Die TATORT-Reihe ist beim Publikum sehr beliebt. Und sicher auch bei Filmschaffenden, denn eine TATORT-Mitarbeit bedeutet Renommé; außerdem lässt sich hier auf vielen Positionen vor und hinter der Kamera deutlich mehr verdienen als in anderen 90-minütigen Fernsehfilmproduktionen.

2020 wird der TATORT 50 Jahre alt, und aus diesem Anlass hat die ARD für das Sommerloch, in dem es keine neuen Fälle gibt – im Jahr sind es immer nur um die 35 Fernsehpremieren – ein Wunschtatortvoting veranstaltet. Zur Wahl standen die 50 beliebtesten Folgen der vergangenen 50 Jahre. Nein. Stimmt nicht, nur von 1999 bis 2019, also aus 20 Jahren. Und es waren auch nicht die 50 beliebtesten – soll heißen die mit den insgesamt höchsten sogenannten Einschaltquoten – sondern die jeweils beliebtesten aus 23 Regionen (29 Ermittlungsteams), damit alle Regionalsender sich freuen können und ebenso alle Fans bestimmter KommissarInnen oder Städten.

Für die ARD scheinen die Gewerke Regie, Drehbuch, Kamera und Musik die wichtigsten zu sein – denn das sind die Angaben, die sie auf der TATORT-Webseite veröffentlichen. Also lasst uns diese etwas eingehender betrachten.

50 TATORTE, prima! Wie viele Frauen da wohl gearbeitet haben und als was? Die empirische Analyse wird gar nicht mal so schwer, denn in nur 12 der 50 TATORTE gibt es eine Frauenbeteiligung in mindestens einem der vier Gewerke. Wir feiern den 50. TATORT-Geburtstag, übersetzt auf eine Torte – die klassischerweise in 12 Stücke aufgeteilt wird – gehen an die Filmfrauen also ganze 3 Stücke. Hmmmm!

Wenig überraschend findet sich unter den Wunsch-TATORTEN kein Film mit Frauen auf allen vier Positionen. Eine Folge aus Leipzig, FRÜHSTÜCK FÜR IMMER, hat eine Regisseurin (Claudia Garde), eine Drehbuchautorin (Katrin Bühlig) und eine Kamerafrau (Birgit Gudjonsdottir), also drei Gewerke; bei vier TATORTEN gab es eine Frauenbeteiligung an jeweils zwei Gewerken.

Wir haben noch eine zweite 12-Stücke Torte gebacken, die ist für alle individuellen Filmschaffenden in den vier Gewerken. Hier können sich die 19 Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Kamerafrauen und Komponistinnen ein leckeres Stück teilen. Die 211 Männer bekommen den Rest. Guten Appetit!

Übrigens, ganze zwei der dreiundzwanzig Wunsch-TATORT-Orte – nämlich Bremen und das Saarland – haben in ihren beiden Folgen auch Filmfrauen in einem der vier Gewerke; das Drehbuch schrieb jeweils eine Frau bzw. ein gemischtes Team.

Vergleich Wunsch-TATORTE und TATORTE 2011-19

Ich habe in der Vergangenheit schon mehrfach TATORTE untersucht, über den Zeitraum von 2011 bis 2019, zuletzt in TATORTE zum Jahresende. Dort gibt es auch Links zu anderen Artikeln zum Thema.
Aus den 329 TATORTE 2011-19 habe ich diejenigen ermittelt, in denen Frauen alleinverantwortlich an der Spitze der vier Gewerke arbeiteten. Es gibt drei Orte – die aktuellen Hamburg-TATORTE (5), Erfurt (2) und Wiesbaden (7), die hier auf vier Nuller kommen. Das bedeutet, es gab dort nur Produktionen ohne Frauen alleine an der Spitze von Regie, Drehbuch, Kamera oder Musik. Norddeutschland (12) und Stuttgart (17) haben jeweils drei Nuller, im Zeitraum 2011-19 gab es folglich nur in einem Gewerk jemals eine allein verantwortliche Filmfrau. Kein Grund zum Feiern.

Wie geht‘s weiter?

In der zweiten Folge werfen wir einen Blick auf die Regisseur*innen der 50 Wunsch-TATORTE. 

 

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