SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin

25. Juli 2022
von SchspIN
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Wann ist eine Geschichte gut?

Diesen Text habe ich vor fast drei Wochen begonnen, es hat deutlich länger gedauert und er ist wesentlich umfangreicher geworden als gedacht. Nehmt Euch die Zeit, ihn am Stück oder in Etappen zu lesen und beteiligt Euch gerne an der Diskussion. Es ist eine wichtige Frage. Danke und viele Grüße, BRS

  • Lola für das beste Drehbuch
  • Lola für das beste unverfilmte Drehbuch
  • Dankesrede „Aber auf den zweiten Blick…“
  • Wann ist eine Geschichte gut?
  • Schuster bleib bei Deinen Leisten
  • Chancen für diverse Autor:innen
  • Gläserne Filmschaffende
  • Neue Wege – Think outside the Box
  • Wer kann das?
  • Sie können das!

Wann ist eine Geschichte gut?

Die Lola für das beste Drehbuch

Am 24.6.22 wurden in Berlin die Deutschen Filmpreise, auch Lolas genannt, verliehen. Die in allen Kategorien nominierten Filme werde ich demnächst ausführlicher analysieren, u.a. mit einem 6-Gewerke-Check. Heute sei nur erwähnt, dass Thomas Wendrich mit LIEBER THOMAS den Deutschen Filmpreis für das beste Drehbuch gewann.

Das ist aber nicht die einzige Drehbuchauszeichnung, denn es gibt außerdem eine Lola für das beste unverfilmte Drehbuch, und die wurde vor knapp drei Wochen am 5. Juli auf einer Veranstaltung des Drehbuchverbands (mit dem unglücklichen Namen VDD Verband Deutscher Drehbuchautoren) und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien BKM Claudia Roth in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz – unter beängstigend laxen Coronapräventionsregeln – überreicht.

Obwohl ich auf der Gästeliste stand war es gar nicht so leicht, reinzukommen. Hat aber am Ende geklappt

Lola für das beste unverfilmte Drehbuch

Die Jury (namentlich Drehbuchautorin Brigitte Drodtloff, Regisseur, Autor und Filmproduzent Florian Eichinger, Autorin Susanne Finken, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Uwe Janson, Drehbuchautor Sven Poser und Buch- und Drehbuchautorin Vanessa Walder) hatte aus allen Einreichungen, deren Gesamtzahl ich leider gerade nicht finden kann, drei Bücher nominiert:

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16. Mai 2022
von SchspIN
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Serienstudie 2022

Serienstudie 2022

Wer schrieb die deutschen Serien 2017 bis 2021?

Studie zur Beteiligung von Autorinnen an den kreativen Bereichen Drehbuch, Creation, Showrun und Head von geförderten und nicht-geförderten deutschen Serien bei Streamern bzw. VoD-Anbietern, Privatsendern und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Belinde Ruth Stieve
SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin
Berlin, 16. Mai 2022

Download SERIENSTUDIE 2022 PDF, 36 Seiten. Zitieren als: Stieve, Serienstudie 22

Schon seit längerem wird die unterschiedliche Beteiligung von Frauen und Männern vor und hinter der Kamera in der deutschen Film- und Fernsehbranche thematisiert. Dabei lag zunächst sehr lange der Fokus auf der Regie, Drehbuchautor:innen und verwandte Bereiche wie Schöpfer:innen von Serien wurden oft nur am Rande erwähnt und noch nicht eingehend untersucht. Dabei sind sie es, die die Geschichten erfinden, diejenigen, die auf dem Etikett „eine Serie von“ stehen sollten. Folglich ist eine Beantwortung der Frage, ob im Drehbuchbereich weiterhin Genderungleichgewicht herrscht und wie groß es ist, überfällig.

Belinde Ruth Stieve. Serienstudie 2022


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Download Begleitwort zur Studie von Kristin Derfler und Annette Hess WER ERZÄHLT UNS DIE WELT 3.5.22. PDF, 2 Seiten.

Serien jeden Genres und jeder Formatierung werden heute gelesen wie in früheren Zeiten Romane, sie unterhalten, spiegeln Bekanntes und können die Bildungsromane unserer Zeit sein. Fiktionale Erzählungen sind identitätsbildend. Eklatant wichtig ist es also, sich die Menschen anzusehen, in deren Köpfen die Figuren und Geschichten entstehen. Wir beobachten seit Jahren, dass deutlich mehr männliche Autoren mit Serien beauftragt und gefördert werden. Diese Wahrnehmung wollten wir überprüfen.

Kristin Derfler und Annette Hess (Creator, Drehbuch, Creative Producer), Auftraggeberinnen der Studie.


Medienecho (Auszug)

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9. Mai 2022
von SchspIN
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Noch mehr Morde: TATORT 21

Es wird die meisten nicht wirklich überraschen, dass ich kein großer TATORT-Fan bin. Dazu kommt, dass es seit der Eskalation von Russlands jahrelangem Krieg gegen die Ukraine im Februar 2022 so viele Nachrichten von ermordeten, gefolterten Zivilist:innen gibt, von vergewaltigten Frauen, verschleppten Kindern, dass ich nicht noch mehr – sei es auch nur fiktive – brutale Gewalt gegen Menschen sehen möchte.

Dessen ungeachtet sind gerade TATORTE ein guter Gradmesser für mögliche Geschlechterungleichgewichte vor und hinter der Kamera im deutschen Fernsehen, sie sind das 90-minütige Format mit den höchsten Budgets, dem größten Renommee und den höchsten gemessenen und hochgerechneten Einschaltquoten (die allerdings nicht unumstritten sind, aber das wäre ein Thema für einen anderen Tag). Und eine statistische Betrachtung geht auch, ohne die TATORTE gesehen zu haben.

Noch mehr Morde: die 33 TATORTE 2021

  • Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Schnitt, Komposition
  • Immer wieder gerne: tote junge Frauen
  • Die Polizeikriminalstatistik für 2020
  • Und die männlichen Opfer?
  • Die Kommissarin als Zielscheibe
  • Liebe Entscheider:innen

Von mehreren Seiten, soll heißen: von Filmschaffenden verschiedener Gewerke, bin ich in letzter Zeit auf die TATORTE 2021 angesprochen worden und wie es da mit der Frauenbeteiligung in den Kerngewerken aussieht. Deshalb hier und heute der alljährliche 6-Gewerke-Check:

Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Schnitt, Komposition

Nun. Der Regisseurinnenanteil ist weiterhin über 40 %, das ist eine gute Nachricht. 14 Regisseurinnen und 19 Regisseure kamen zum Einsatz, einer zwei Mal: Torsten C. Fischer mit DER TOD DER ANDEREN in Köln und DIE KALTEN UND DIE TOTEN in Berlin. Weiterlesen →

6. April 2022
von SchspIN
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Fordert Veränderung – Demand change

Zum Jahresende 2021 wurde ich von der italienischen Journalistin, Soziologin und Autorin Stefania Medetti interviewt. Sie lebt aktuell in Thailand und betreibt u.a. das englischsprachige Blog The Age Buster, das sich schwerpunktmäßig mit den Themen Alter, Alterswertschätzung und Altersdiskriminierung befasst. Das Interview nebst Einleitungstext über ihre Erfahrungen in Deutschland erschien am 13. Januar 22 unter dem Titel Demand Change.

Mit Stefanias freundlicher Erlaubnis hier die deutsche Fassung. Grazie sincero!

Stefania Medetti

Demand Change – Fordert Veränderung

Nur wegen meiner Liebe zu Katzen fand ich mich an einem frostigen Valentinstagmorgen unter den hohen Bögen des Mailänder Hauptbahnhofs wieder. Ich stand vor dem Zug, der mich nach Deutschland bringen sollte, und schaute auf die Gleise, die sich außerhalb des Gebäudes in einem nebligen, blassgelben Licht erstreckten. Ich dachte an meine Großmutter, die als Fünfzehnjährige in einen Zug mit Dampflokomotive stieg, um als Dienstmädchen in die Stadt zu kommen. Zwei Generationen später, etwas älter als sie, reiste ich in die Richtung, aus der sie kam (sie wurde an der Grenze zu Österreich geboren), um als Au-pair zu arbeiten und mein Deutsch zu verbessern. Die Familie wollte eine spanische Kandidatin, aber in meinem Einführungsschreiben erwähnte ich Katzen, und das überzeugte sie, dass ich trotzdem gut zu ihnen passte. Als der Zug nach Osten und dann nach Nordosten fuhr, zogen zuerst die Ebenen und später die Weinberge vor meinem Fenster vorbei. Als der Zug die Alpen erreichte, fuhren wir durch ein enges Tal zwischen zwei hohen Bergwänden, und dann waren die Namen der Bahnschilder auf Deutsch geschrieben.

Als ich den Hauptbahnhof in München verließ, schneite es bereits. Schneeflecken sprenkelten meinen dunkelgrünen Kunstpelzmantel, als ich in ein blassgelbes Mercedes-Taxi stieg. In einer Zeit, als es noch kein Internet gab, stand die Adresse meines Ziels auf einem Zettel, den ich dem Fahrer reichte. Wir fuhren eine strenge dreispurige Straße entlang, die von zwei Reihen blattloser, hoher Pappeln gesäumt war. Das Auto hielt vor einem imposanten, modernen gotischen Gebäude, das in Hellblau und Weiß gestrichen war. Durch eine Glastür gelangte man zu einer wunderbaren, alten Holztreppe, die spiralförmig an der Gebäudewand entlanglief und bei jeder Stufe knarrte. Die Treppe umgab die Glassäule des Aufzugs, und als sich die Türen öffneten, schauten mich drei blonde Gesichter in extraklein, klein und mittelgroß neugierig an. Ihre rothaarige Mutter stellte mich den Kindern vor, zeigte mir das Haus, die Katze Mathilde (der ich diese glückliche Begegnung verdankte) und mein gemütliches Zimmer: ein riesiges Fenster mit Blick auf die Straße, ein Bett, ein Schreibtisch, ein Bücherregal an drei Seiten des Zimmers mit einem Zwischengeschoss oben und einer bauernhofähnlichen Leiter, um dorthin zu gelangen. Unter den aufmerksamen Augen der Kinder räumte ich meine Kleider in den weißen Kleiderschrank in Puppengröße. Eines der Kinder schenkte mir eine Zeichnung, die es gerade angefertigt hatte, und wir wurden sofort Freunde. Weiterlesen →

24. Januar 2022
von SchspIN
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3-Gewerke-Check für zwölf deutsche Filmfestivals, 2019-21

12 Filmfestivals 2019-21: Frauenanteile Regie, Drehbuch, Kamera im Wettbewerb

Zum Jahresanfang möchte ich eine Filmfestivalanalyse vorlegen. Sie behandelt die Frauenanteile in den Gewerken Regie, Drehbuch und Kamera – 3-Gewerke-Check – in den Hauptwettbewerben von zwölf deutschen Filmfestivals.

Zwischenzeitlich habe ich erwogen, außerdem die Position Musik auszuwerten. Aber da Musik ähnlich wie Ton sehr unvollständig aufgeführt wird (sowohl auf Filmwebseiten als auch in Datenbanken) ist die Recherche sehr aufwändig und sprengt gerade den Rahmen meiner Kapazitäten.

Die erste Tabelle zeigt die Festivals und die Anzahl ihrer Wettbewerbsfilme in den drei untersuchten Jahren. Mehrheitlich sind es Spielfilme, die Zahl der Dokumentarfilme steht in Klammern:

Die Auswertung

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2. Januar 2022
von SchspIN
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Blick nach vorn, Blick zurück: Tiger, Kuh und Maus

SchspIN zu Zeiten von Corona: 23 Veröffentlichungen in zwei Jahren

Gerade hat 2022 begonnen, 寅年 (toradoshi), das Jahr des Wasser-Tigers. Wie die Japan Times schreibt: „Die langsame, sanfte und fleißige Natur des Ochsen, die die Stimmung des Jahres 2021 widerspiegelt, wird im Jahr 2022 durch die Schnelligkeit, Stärke und Kraft des Tigers ersetzt.“

Jahrestier als japanischer Handyanhänger: links für 2010, rechts für 2022. Foto SchspIN

In zwei Wochen, am 16. Januar, wird mein Blog SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin neun Jahre alt. Das ist eine lange Zeit, in der ich über 150 Analysen, Kommentare, Artikel veröffentlicht habe. – Am 20. Januar wird übrigens NEROPA fünf Jahre alt, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

In den ersten drei Jahren von SchspIN hatte ich Jahresregister angelegt, in denen die Texte nach Themen sortiert wurden um sie leichter zu finden. Leider habe ich das nicht fortgeführt. Aber spätestens zum 10-Jährigen sollte es ein umfassendes Register geben und auch einige Designmacken behoben sein (damit meine ich u.a., dass das derzeitige Theme die Kommentarfunktion aushebelt).

Immerhin, heute gibt es einen Rückblick auf mein Blog in Coronazeiten: eine Zusammenstellung der 11 Artikel des letzten Jahres der Kuh / des Ochsen und der 12 Artikel des vorletzten Jahres der Maus / der Ratte. Viel Spaß beim Wieder- beziehungsweise Neuentdecken!

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13. Dezember 2021
von SchspIN
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Starke Frau, Auf die Fresse!

Frauenfiguren im Fernsehen leiden lassen

Warnung: in diesem Text geht es u.a. um im Fernsehen dargestellte Gewalt gegen Frauen.

Warnung: einige der verwendeten Fotos können unangenehme Gefühle auslösen.

Kürzlich las ich den Appell von Liz Tucker, Vorsitzender von Women in Film and Television UK, zum Thema Gewalt gegen Frauen in fiktionalen Formaten. Er beginnt mit der Frage „Warum wird in so vielen Sendungen Gewalt gegen Frauen gezeigt?“ – was zu zwei älteren Texten von mir passt, einer veröffentlicht, einer unveröffentlicht, die ich im Anschluss vorstelle.

WFTV UK fragt Warum?

Liz Tucker schrieb am 1. November (Den ganzen Text findet Ihr auf der WFTV UK-Webseite und bei Broadcast Now, Hervorhebungen im Zitat von mir):

Wenn ich will, kann ich jeden Abend der Woche auf einer Vielzahl von Sendeplattformen Geschichten über Frauen sehen, die auf immer phantasievollere und grausamere Weise vergewaltigt, enthauptet und ermordet werden. Ich will es nicht, denn ich denke, es ist an der Zeit, dass wir alle, die wir in der Fernsehindustrie arbeiten, viel sorgfältiger über die Botschaft nachdenken, die wir aussenden, wenn wir ständig Fernsehkrimis und Dokumentarfilme produzieren, in denen Frauen die zentralen Opfer sind. In den letzten Jahren hat diese Art von Programm eine Lawine ausgelöst, und es scheint, dass sich einige Autor:innen und Regisseur:innen einen Wettstreit um die Eskalation der Gewalt liefern und sich immer anschaulichere und verstörendere Darstellungen der Ermordung von Frauen einfallen lassen. (…) Wäre es heute wirklich so schwer, sich neue, fantasievolle Plots auszudenken, die nicht brutale Gewalt gegen und Ermordung von Frauen beinhalten?

Nein. Natürlich nicht. Es muss nur gewollt werden.

Eine Zecke sticht in eine menschliche Brust.

Eine Zecke sticht in eine menschliche Brust. Foto: SchspIN

Teil 1 und 2 der Trilogie

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29. November 2021
von SchspIN
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Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil III

Hier die letzte Folge meiner Alte Frauen. Sichtbarkeit.-Trilogie.

Alte Frauen, sichtbar. Im Film verjüngt.

In Teil I vom 29.10. erwähnte ich unter anderem, dass es nicht ungewöhnlich ist, Figuren in Film und Fernsehen über die Besetzung zu verjüngen, also ältere Menschen von Jüngeren spielen zu lassen. Da es dazu mehrere Nachfragen gab will ich heute noch einmal auf dieses Phänomen eingehen.

Dürfen die das überhaupt?

Eine nicht endende Diskussion kreist um die Frage, ob Schauspieler:innen eine Rolle übernehmen können, die im Gegensatz zu ihnen weiß / schwarz / braun / osteuropäisch / asiatisch / makellos / gehandicapt / jung / alt / gutaussehend / dick / schlank / heterosexuell / homosexuell / transgender / weiblich / männlich / stabil / psychotisch / depressiv / langweilig / stur / fröhlich ist oder eine andere Nationalität und Muttersprache als sie hat. Viele verneinen dies, zumindest in Bezug auf bestimmte Eigenschaften, andere sagen „Ja, denn man muss ja auch niemanden ermordet haben, um….“.

Ich finde es kommt darauf an.

Und bezüglich Alter: Ist es schlimm, wenn jemand Jüngeres für eine ältere Rolle besetzt und das höhere Alter einfach mal behauptet wird, oder wenn kurzerhand eine Figur jünger oder älter gemacht wird, damit die Wunschbesetzung passt?

Ich finde da kommt es auch darauf an.

Ausschnitte aus Gemälden von Antoine-Jean Gros und Jacques-Louis David, abgebildet sind Kaiserin Joséphine und Kaiser Napoléon

li. Joséphine Bonaparte (vermutl. 45 J.), Gemälde von Antoine-Jean Gros, Detail. re: Napoleón Bonaparte (41 J.), Gemälde von Jacques-Louis David, Detail.

Umgang mit dem Alter/n

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Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil II

1. November 2021 von SchspIN

Aus unserer Gesellschaft – ältere sichtbare Frauen

Vor ein paar Tagen habe ich im Text Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil I angekündigt, dass ich eine Galerie „älterer und alter Frauen aus dem echten Leben zusammenstellen und veröffentlichen würde. Die könnt Ihr hier nun angucken, entweder als Gesamtüberblick, oder Euch einzeln durch die Portraits klicken, und die Erläuterungen unter den Bildern lesen: Name, Alter auf dem Foto, Beruf und Fotograf:in / Common Licence. Diese Angaben müssten auch erscheinen, wenn Ihr mit der Maus über die Bilder streicht.- (Die Fotos funktionieren auch als Beruferatespiel, deshalb habe ich auch bei den Politikerinnen den Beruf dazu geschrieben.)

Wie gesagt sind es viele Politiker:innen, zum einen ganz banal, weil die so einfach als größere Gruppe älterer Frauen in der Wikipedia zu finden sind, mit gemeinfreien Fotos. Es gibt aber auch andere Frauen, ich hab beispielsweise die Listen der Verdienstorden Verdienstorden am Band Verdienstauszeichnung durchgesehen – die zwar allergrößtenteils aus Männern bestehen, aber ein paar Frauen wurden auch ausgezeichnet. Die meisten haben einen Eintrag in Wikipedia, viele allerdings ohne Bild. Und Naturwissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen und ein paar Schauspielerinnen und ein paar unter 40 sind auch dabei.

Was ich nicht getan habe ist, eine prozentuale Verteilung aller möglichen Bevölkerungsgruppen anzufertigen. Aber ich denke, die Bilder sind schon was ältere Frauen anbetrifft deutlich vielfältiger als das, was das fiktionale deutsche Fernsehen bevölkert.

Zur Erinnerung: „Da es größtenteils offizielle Fotos bzw. Fotos von beruflichen Auftritten sind wurden die Frauen natürlich auch geschminkt und die Bilder sicher auch bearbeitet, was ja völlig in Ordnung ist.“ Trotzdem sehen sie schon anders aus als PR-Fotos von älteren Schauspielerinnen.

Solche Frauen sollten wir in Fiktionalen Formaten sehen

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29. Oktober 2021
von SchspIN
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Alte Frauen. Sichtbarkeit. Teil I

Gestern stand ich an der Kasse in einem Biosupermarkt. Die Kassiererin fragte die Kundin vor mir, ob sie einen Studiausweis hätte, – damit gab es wohl Rabatt. Die Frau geriet völlig aus dem Häuschen, so sehr freute sie sich, dass sie für eine Studentin gehalten worden war. Sie trug natürlich eine Maske und auch eine Mütze, aber u.a. von den Augen her hätte ich sie locker auf Ende 30, Anfang 40 geschätzt. Egal. Sie strahlte: „Das ist das Schönste, was ich heute erleben werde!“ Es war 10:45 Uhr. Was für Aussichten.

Kaum jemand will alt sein, Menschen werden 60 Jahre jung, alt ist ein Schimpfwort geworden. Wobei, nicht immer, ich denke da an „Was geht ab, Alter?“ – ursprünglich aus der Jugendsprache. Alter im Wechsel mit Dicker / Digger oft auch als eine Art Interpunktion der gesprochenen Sprache. Alte und Dicke hab ich so hingegen noch nie gehört. Ihr vielleicht?

Alte Frauen, sichtbar. In Film und Fernsehen.

Für jünger gehalten zu werden ist für Viele enorm wichtig. Nicht nur für Frauen übrigens, aber besonders für sie, denn der Jugendwahn mit allem was optisch dazugehört, teils von der Gesellschaft, teils von den Medien vorgeben, hinterlässt seine Spuren. Die Hamburger Initiative Pink Stinks („Magazin, Kampagnenbüro und eine Bildungsorganisation gegen Sexismus.“) thematisiert seit Jahren den Zusammenhang zwischen einem Format wie GERMANY‘S NEXT TOP MODEL und Schlankheitswahn bis hin zu Bulimie unter jungen Zuschauerinnen.

Alter und ewige Jugend sind auch Themen in der Film- und Fernsehbranche. Ist eine – prominente – Schauspielerin über 50 oder 60 oder 70 wird immer wieder betont, dass sie mindestens zehn, wenn nicht gar zwanzig Jahre jünger aussieht. Prominente ältere Schauspielerinnen spielen deutlich jüngere Rollen (z.B. mit 53 Jahren noch eine Schwangere), was – wenn man nicht ihr Alter kennen würde – oft auch durchgehen könnte, denn sie arbeiten an ihrem Äußeren und / oder lassen daran arbeiten und sehen enorm aus. Wenn ältere Schauspielerinnen wie Iris Berben, Senta Berger oder Hannelore Elsner mal in einer Rolle ein graues Haar zeigten, wurde es als besondere Leistung hervorgehoben.
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