SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin

8. August 2019
von SchspIN
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Ein Stand der Dinge im UK Fernsehen

Gender- und Inklusionspolitik im britischen Fernsehen

Aus dem UK, dem Vereinigten Königreich (VK), das seit 1952 eigentlich UQ United Queendom heißen müsste, gibt es zur Zeit schlechte Nachrichten. Der beschlossene Brexit, der angedrohte No-Deal Brexit, der nur von Mitgliedern der Konservativen Partei gewählte neue Premierminister Alexander Boris de Pfeffel Johnson, die fehlende Diskussion über die Rückgabe von geraubter Kunst und Kulturgütern in die Ursprungsländer (Stichwort British Museum), eine erstaunliche Müllpolitik (haben die wirklich kein Pfandflaschensystem?) und und und. Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern im Rückblick um etwas, das dort schon sehr weit ist, zumal im Vergleich zu Deutschland: Initiativen und Programme zu Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion in der Fernsehbranche, vor allem hinter der Kamera.

Der Anlass dieser Londonreise

Vor ein paar Monaten hatte mich  Oliver Ratcliffe von Westminster Insight nach London eingeladen zur eintägigen Veranstaltung Gender Equality in Television: Behind the Scenes and on the Screen (Geschlechtergerechtigkeit im Fernsehen: Hinter den Kulissen und auf dem Bildschirm). Eine Woche später konnte ich auf Einladung von Head of Diversityy Ade Rawcliffe (Ade wird wie Eddie ausgesprochen) mein Gender und Diversity Tool NEROPA einer kleinen, hochkarätigen Runde beim Fernsehsender ITV vorstellen und sie zur Anwendung bei Serienproduktionen beraten.

Beide Verantwortliche, Ratcliffe und Rawcliffe – das mit den Namen ist wohl Zufall – hatte ich über Anjani Patel, Head of Diversity von Pact (Producers Alliance for Cinema and Television – Produzent*innenallianz für Kino und Fernsehen) kennengelernt. (Anjani wird auf der ersten Silbe betont, wie Anthony oder Marjorie, Patel auf der 2. Silbe, wie Kartell). Pact bzw. Anjani organisiert Inclusive Casting Workshops für interessierte Produzent*innen, bei denen auch NEROPA zur Sprache kommt und ich sie demnächst auch einmal vorstellen  werde.

Und Anjani wiederum war mir von der Filmemacherin Rebecca Brand vorgestellt worden, die ich erstmals in dem Text Früh übt sich… vorgestellt habe. Oder war es Jennifer Smith Head of Diversity beim BFI British Film Institute, nach dem NEROPA Symposium im Januar 2017? Oder beide? Denn alle kennen sich, und ich kenne mittlerweile auch schon recht viele, manche nur digital oder fernmündlich, insofern war der Westminster Insight Event en passant auch eine tolle Gelegenheit, alte Bekannte endlich in echt zu treffen – zum Beispiel Leila Kurnaz und Natasha Connors von der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom. Deren Kollegin Vikki Cook, Director of Standards and Audience Protection bei Ofcom, hielt die Keynote.

Zwischen den beiden Terminen lagen fünf Tage, aber ich wollte nicht hin- und herjetten, also blieb ich auf der Insel. Es ging dann nach dem ITV-Termin  per Zug zurück, und ja, die Verbindung Berlin-London ist problemlos machbar. Sie dauert natürlich länger als der Flug und ist idR teurer, aber man hat mehr Platz zum Arbeiten oder Schlafen als im Flugzeug, leiser ist es auch und die Aussicht abwechslungsreicher. Die Strecke führt durch eine Reihe deutscher und belgischer Städte, also kann man ja auch unterbrechen und Leute besuchen. Oder durchfahren. 10 Stunden von Stadtzentrum bis Stadtzentrum. Das geht doch? 

Westminster Insight: Gender Equality in Television

Logo Westminster Insight

Logo-Nutzung mit freundlicher Genehmigung.

Die Konferenz lieferte einen komprimierten Einblick in den aktuellen Stand, Datenmonitoring, Initiativen und Programme, Erfolge, bestehende Mängel und Herausforderungen, unter der Leitung von Lucy Brown, stellvertretende Dekanin an der Screen School des London College of Communication, University of the Arts. In der Ankündigung hieß es:

Im Durchschnitt führen Frauen nur bei 25 % der Fernsehepisoden im Vereinigten Königreich Regie. Ebenso liegt der Anteil der von Frauen geschriebenen Fernsehepisoden in den letzten 10 Jahren bei nur 28 %, und Frauen besetzen deutlich weniger Hauptrollen. Aber es geht nicht nur um Zahlen, die Frauen auf unseren Fernsehbildschirmen spielen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen immer noch deutlich untergeordnetere Rollen.
Unsere ganztägige Konferenz zur Gleichstellung der Geschlechter im Fernsehen wird wichtige Interessenvertreter*innen aus dem gesamten Sektor zusammenbringen, um über die nächsten Schritte zur Unterstützung von Gleichstellungsinitiativen sowohl vor als auch hinter der Kamera zu diskutieren.

Tiff Stevenson (Stand-Up Comedienne / Schauspielerin), Minnie Ayres (Tri-Force Creative Network) und ich bildeten das Panel „Inclusive Casting“. Meine NEROPA-Vorstellung stieß auf großes Interesse, wobei eine Reihe schon von der Methode gehört hatten, und ich bekam auch auf dem Feedback-Bögen hinterher viele positive Rückmeldungen wie „Die Delegierten erwähnten Sie mehrmals als herausragende/n RednerIn des Tages.“ Was mich als wenn ich das richtig erinnere einzige Ausländerin und einzeige Einzelperson ohne Organisation oder Behörde im Rücken natürlich sehr freute.

Belinde Ruth Stieve, Vortrag bei Westminster Insight. Foto Oliver Ratcliffe

NEROPA-Vorstellung. Foto Oliver Ratcliffe

Ich kann nicht die gesamte Veranstaltung nacherzählen. Deshalb nur der Verweis auf zwei Artikel zur britischen Drehbuchsituation, dargelegt von der brillianten Lesley Gannon vom Drehbuchverband WGGB: in The Stage am 25.4.: Female writers are pigeonholed and considered a bigger risk than men – Writers Guild / „Autorinnen landen in Schubladen und gelten als größeres Risiko als ihre Kollegen – laut Drehbuchverband Writers‘ Guild“ von Giverny Masso, die auch eine digitale Bekannte ist (sie hatte mich 2017 für The Stage zu NEROPA interviewt). Und in Broadcast am 1.5.: German writers protest against gender imbalance / „Deutsche Autorinnen protestieren gegen Geschlechterungleichgewicht“ von Max Goldbart, der bei der Veranstaltung mein Platznachbar war. Max veröffentlichte außerdem in Broadcast am 25.4. Ofcom diversity chief hails industry’s positive steps / „Ofcom Diversitätschefin begrüßt die positiven Schritte in der Branche“ zur Keynote von Vikki Cook. 

Wie das bei solchen Veranstaltungen ist, wenn sie gut organisiert sind (Danke nochmals an Oli Ratcliffe und auch an Alexandra Moore von Westminster Insight) und ebenso gut moderiert werden (thank you, Lucy!): regelmäßige Pausen ermöglichen kompakten Austausch mit anderen, allerdings natürlich nicht mit allen – so konnte ich nicht mit Polly Kemp (von Equal Representation for Actresses ERA 50:50) sprechen, da sie früher ging. Dafür habe ich aber eine sehr engagierte Casterin kennengelernt, und die Vertreterin eines Fernsehsenders erzählte mir, dass wiederum ihre Schwester einen NEROPA-Vortrag von mir gehört hatte), und sie die Methode kürzlich bei einer Amateurtheateraufführung angewendet hatte. Und bei der es deutlich mehr Spielerinnen als Spieler gab und ursprünglich mal wieder deutlich mehr Männerrollen als welche für Frauen. Durch NEROPA konnte sie das ändern. Klasse, das hat mich natürlich sehr gefreut, denn die Methode funktioniert ja auch bei Theaterstücken – und bei Romanen, Computerspielen und noch vielem mehr, aber das wäre ein Thema für einen anderen Tag.

ITV und NEROPA

Das wichtigste habe ich ja bereits erzählt, nämlich dass ich bei ITV von NEROPA berichten durfte und dass ein Einsatz der Methode geplant und geprüft wird. Fantastisch! Mehr wenn es so weit ist.

angemaltes ITV-Logo

NEROPA trifft ITV: das Originallogo hat fünf Farben, einschließlich rosa und hellblau.

Dann möchte ich noch eine Serienempfehlung von Ade Rawcliffe weitergeben, die sie mir beim Essen gab: TIMEWASTERS! Eine aktuell 2 x 6-Folgen ITV-Produktion, witzig, jazzig, flott – ein Jazzquartett der Gegenwart reist mit einer Zeitmaschine, die ein siffiger Aufzug ist, in die Zwanziger Jahre. Erwähnenswert auch deshalb, weil es mal wieder eine Serie ist, die von einem Schauspieler ausgedacht und in diesem Fall auch geschrieben, wurde: Daniel Lawrence Taylor. Der sagte „Man sieht nicht so viele Schwarze in historischen Dramen oder in Zeitmaschinen, also dachte ich, ich würde versuchen, über beides zu schreiben.“

Auch die BBC 3-Serie FLEABAG wurde von jemandem vor der Kamera bzw. auf der Bühne erdacht, sie basiert auf dem gleichnamigen Stand-Up Comedy Programm der Schauspielerin und Autorin Phoebe Waller-Bridge. Eine andere ältere ITV-Serie, SCOTT & BAILEY, stammt auch von einer, nein, sogar zwei Schauspielerinnen, die in den fünf Staffeln auch mitspielten: Suranne Jones als Rachel Bailey und Sally Lindsay – doch nicht als Janet Scott, weil sie überraschend Zwillinge bekam, deshalb wechselte sie auf die kleinere Nebenrolle Alison Bailey, Rachels Schwester, und Leslie Sharp übernahm die zweite Hauptrolle.

Dass Schauspieler*innen, weil sie kreativ sind oder einfach auch weil sie nicht genug gute Rollenangebote bekommen, selber entwickeln und schreiben, gibt es natürlich nicht nur im UK/UQ.
Apropos Rollenangebote: Kennt Ihr schon den BBC Comedy Zehnminüter LEADING LADY PARTS? – mit einem Wortspiel: leading parts = Hauptrolle, lady parts = weibliche Geschlechtsorgane. Hier geht es um das Casting für eine weibliche Hauptrolle. Buch und Regie Jessica Swale. Witzig und sehenswert!

Ein netter Nebeneffekt dieser Londonreisen ist übrigens, dass ich Filme und Serien in den britischen Mediatheken sehen kann. So diesmal eine Bingenacht mit zwei Staffeln TIMEWASTERS, beim Londonaufenthalt davor – das war ein Tipp von Anjani KILLING EVE, und noch davor die Serie THE BODYGUARD.

Equity UK, BFI, Northern Ireland Screen

Equity UK

Ich traf diesmal auch wieder Kelly Burke, Schauspielerin und Vorsitzende vom Equity Women‘s Committee, das ist der Frauenausschuss von der Schauspielgewerkschaft. Die Mitglieder werden alle zwei Jahre gewählt, das passierte kürzlich, im Fall des Women‘s Committee gab es ca. 19 Kandidatinnen für 9 Plätze, also eine richtige Auswahl. Wahlberechtigt waren – wie auch bei den anderen drei Gleichstellungsausschüssen Gehörlose und Behinderte, LGBT+ und ethnische Minderheiten nur diejenigen, die vertreten werden, also in diesem Fall weibliche Mitglieder. Das wäre auch etwas, das beim BFFS die leidige Stellvertreterpolitik ersetzen sollte, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag. Zurück zu Kelly, die schreibt:

Es war wunderbar, Belinde zu sehen und mehr darüber zu erfahren, wie NEROPA zunehmend von internationalen Sendern angenommen wird. Wir sprachen über die anhaltende Notwendigkeit einer repräsentativen Parität vor der Kamera, was mit NEROPA angegangen wird. Und wir sprachen über die neuesten Projekte des Women‘s Committees zu „aesthetic labour“ (Besetzung die nur auf gutem Aussehen basiert), und darüber, den weiblichen Gewerkschaftsmitgliedern wichtige Informationen zu Themen wie Kinderbetreuung, Wechseljahren, Arbeitsrechten, sexueller Belästigung, niedrigen Löhne und so weiter leichter zugänglich zu machen.

Belinde Ruth Stieve und Kelly Burke

Kelly und ich. Foto: die freundliche Kellnerin

Das sind auch für die deutsche Branche relevante Themen, die unsere Gewerkschaft noch nicht auf dem Zettel hat. Aber da gibt es ja auch keinen Frauenausschuss.

Ein anderes, ebenfalls wiedergewähltes Mitglied des Equity Women‘s Committee, Jean Rogers, (Gut gemacht, Schwester Equity!) hatte übrigens die erste Treffen wegen NEROPA in London angestoßen, und sie war auch die treibende Kraft hinter dem NEROPA Symposium am BFI 2018.

BFI

Wir haben in Deutschland keine Institution, die mit dem British Film Institute BFI vergleichbar wäre und eine ähnliche Aufgabenvielfalt abdeckt, Zum BFI heißt es auf der Webseite:

Das BFI wurde 1933 gegründet. Wir sind eine Wohltätigkeitsorganisation, der eine königlichen Satzung („royal charter“) zugrunde liegt. Wir übernehmen kulturelle, kreative und industrielle Rollen, indem wir das BFI Nationalarchiv und die BFI Reubenbibliothek, Filmverleih, Ausstellungen und Bildung bei der BFI Southbank und BFI IMAX, Verlage und Festivals zusammenführen. Wir vergeben Lotteriefördermittel für Filmproduktion, Vertrieb, Bildung, Zielgruppenentwicklung sowie Marktintelligenz und Forschung.

Dies ist nicht das Logo vom BFI

Logo-Platzhalter. Das BFI erteilt eine Nutzungserlaubnis seines Logos nur im Zusammenhang mit einer Förderung.

Das BFI hat die auch im internationalen Vergleich sehr weit reichenden Diversity Standards beschlossen, deren zumindest teilweise Erfüllung Voraussetzung für die Vergabe von Fördermitteln (aus Lottoeinnahmen) ist. Um dies zu erleichtern werden auf der BFI-Webseite Resources, das sind verschiedene Organisationen oder Methoden gelistet:

Die BFI Diversity Standards sollen Produzenten und Projektleiter ermutigen, ihr Denken in Frage zu stellen und Chancen zu eröffnen. Die Erfüllung oder Überschreitung der Kriterien erfordert Gespräche im Vorfeld über kreative Inhalte, Rekrutierungspraktiken und Strategien zur Publikumsverbindung. NEROPA ist in die Ressourcen des BFI aufgenommen, das ist eine Liste von Lösungen, Kontakten und Datenbanken, um Projekte integrativer zu gestalten und die BFI Diversity Standards zu erreichen.

Northern Ireland Screen

Eine weitere Stelle, die Lottomittel vergibt ist die in Belfast angesiedelte Institution Northern Ireland Screen. Der Kontakt zu ihnen kam bei der Equity NEROPA-Veranstaltung letzten Oktober zustande.

Logo Northern Ireland Screen

Logo-.Nutzung mit freundlicher Genehmigung.

NI Screen führte Anfang 2019 eine NEROPA-Veranstaltung durch (siehe auch Unterwegs auf der Grünen Insel – #WakingTheFeminists) und integrierten den Kern der Methode in eine ihrer Förderungen. Andrew Reid, Head of Production, schreibt dazu:

Northern Ireland Screen hat Belinde im Januar 2019 nach Belfast geholt, um unserem Sektor die Problematik zu erklären und ihre Lösung NEROPA vorzustellen. Die teilnehmenden Autor*innen, Regisseur*innen und Produzent*innen waren sich einig, dass diese Themen angegangen werden müssen und waren bestrebt, die Prinzipien von NEROPA anzuwenden. Mit dem Konzept von NEROPA im Hinterkopf und der Übernahme des Modells einer dreiköpfigen Steuerungsgruppe haben wir ein verbindliches Monitoring der wichtigsten Veränderungen geschlechtsneutraler Rollen und Diversitätsmöglichkeiten für Produzenten eingeführt, die in der ersten Phase der Entwicklungsfinanzierung ab April 2019 eine Förderung beantragen.

Es ist schon bemerkenswert, wie groß die Lottoeinnahmen in Großbritannien und Nordirland sind und dass dadurch umfangreiche, wichtige Filmförderungen finanziert werden können, anders als bei uns in Deutschland, wo zwar auch Mittel der Lottostiftungen in kulturelle und wohltätige Projekte fließen, die größten Filmförderungen aber aus staatlichen Mitteln kommen.

Nachtrag: ein 50:50 Wettbewerb in der BBC

Und es geht noch weiter. Miranda Wayland vom BBC hatte beim Westminster Insight Event von einer spannenden 50:50-Initiative innerhalb der BBC berichtet. Jetzt Im Juli veröffentlichte Barbara Marti auf dem Schweizer INFOSperber-Seite einen Artikel zum Thema: Warum Frauen in der britischen BBC jetzt mehr zu sagen haben.

Kürzlich zog die BBC nach einem Jahr eine erfreuliche Bilanz: Vor einem Jahr startete der Wettbewerb mit knapp 100 Redaktionen. Nur eine von vier dieser Redaktionen erreichte damals einen Frauenanteil von 50 Prozent bei den Protagonistinnen und Protagonisten der Beiträge. Ein Jahr später waren es drei von vier dieser Redaktionen. Zum Erstaunen von BBC-Chef Tony Hall gelang es auch Sportredaktionen und dem englischsprachigen Sender BBC Arabic, die Frauenanteile in den Beiträgen zu erhöhen. Die Redaktionen widerlegten das gängige Argument, dass es zu wenig Frauen als Expertinnen gebe. Tony Hall: «Dieser Wettbewerb zeigt, was man erreichen kann.»

Das macht Hoffnung. Lesenswert. Und nachahmenswert.

18. Juli 2019
von SchspIN
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Holz Wasser Luft

Es ist genau drei Monate her, dass ich meinen letzten Blogtext veröffentlicht habe („Warum arbeitet Ihr nicht mit Drehbuchautorinnen?“) und seitdem sind mehrere filmische und filmpolitische Texte und auch statistische Analysen in der Mache, die demnächst nach und nach erscheinen werden. Aber heute schiebe ich ein anderes Thema dazwischen.

Dann gieße ich heute Abend einen Baum.

Alle reden vom trockenen Sommer, reden vom Klimawandel, alle denken an die Umwelt – nein, natürlich nicht alle. Aber viele. Einige? Und viele machen sich Gedanken, tun was, verpflichten sich, keine Inlandflüge zu nutzen (auch wenn die billiger sind als die Bahn), haben kein Auto, verzichten soweit es geht auf Plastik und Einwegverpackungen, haben immer einen Einkaufsbeutel dabei (übrigens, auch wenn die Jutebeutel genannt werden, sie sind meistens aus Baumwolle), kaufen nur regionales Obst und Gemüse  und und und. Jetzt ist die Frage, ob das irgendetwas ändert und ob es die Umweltbelastung ausgleicht, die die SUV-Leute oder die jede-Woche-mindestens-6-Inlandflüge-Leute oder die nur-online-Shopper verursachen, oder ob es nur das eigene Gewissen beruhigt, oder ob es einfach eine grundsätzliche Haltung ist, letzten Endes auch inkonsequent, aber eine Richtschnur für den eigenen sozialen oder ökologischen Wunsch oder Anspruch. Keine Ahnung. Mir liegt „selbstbestimmt zumindest etwas tun“ näher als eine „es nützt ja sowieso nichts“-Einstellung. Aber das soll heute nicht wirklich das Thema sein.

Ein Straßenbaum wird gegossen.

In warmen Zeiten brauchen Straßenbäume je nach Alter 60-100 l Wasser die Woche. Foto: SchspIN

Und freue mich über Stadtbeete.

Denn ich möchte eigentlich nur kurz über Bäume sprechen und über Beete, und feststellen, dass Stadtgrün in welcher Form auch immer eine feine Sache ist. Und dass wir uns das auch aneignen können, auch die Verantwortung dafür. Bäume, Grünflächen,  Blumen, die sind gut fürs Stadtklima (Photosynthese!), und fürs soziale Klima. Auf einer Bank in einem kleinen Park oder neben einen Blumenkübel sitzen ist schöner als in einer Betonwüste. Allermeistens jedenfalls. Und wenn ich durch Berlin gehe oder radle oder laufe (urban running!) freue ich mich immer wieder über schöne Beete in Baumscheiben. Wie einfallsreich und aufwändig die teilweise bepflanzt werden. Manchmal ein kleiner Dschungel, manchmal ein buntes Sammelsurium, manchmal ein Blumenmeer, und manchmal ist es einfach nur Gras unter einem Baum, aber selbst das ist schöner als trockene graue Erde mit Müll- und Hundekackemosaik. In den Weiterlesen →

29. Juni 2019
von SchspIN
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Das Blog SchspIN zieht um

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Vor ein, zwei Wochen war es so weit, ich bin mit meinem Blog SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin umgezogen. Die alte (weiter vorhandene) Anschrift war schspin.wordpress.com die neue lautet schspin.stieve.com, es ist also jetzt eine Subdomain meiner stieve.com-Seite (wo Ihr auch NEROPA finden könnt: neropa.stieve.com).

Warum? Ich fand es nervig, dass bei der kostenlosen WordPress-Seite (aus verständlichen Gründen) Werbung angezeigt wurde. Und ich fand es schade, dass ich das Blog nicht zweisprachig aufbauen konnte, wie eben z.B. die NEROPA-Seite. Um nur zwei Gründe zu nennen.

Jedenfalls: hier sind wir nun, herzlich willkommen!

Der Umzug ist noch nicht ganz fertig, viele Kisten müssen noch ausgepackt werden (das heißt konkret, dass ich die Texte, die ja im alten Blog zweisprachig untereinander standen nun auf zwei Seitenvarianten aufteilen muss, die Texte sind zwar alle gut rübergekommen, aber die Bilder müssen alle neu hochgeladen werden, das alte Galerie-Prinzip klappt da noch nicht ganz – also das eine Bilderreihe Durchklicken, und ich muss auch alle internen Links auf der englischen Seite von Hand umformatieren. Gleichzeitig kann ich alle externen Links auf Aktualität überprüfen und die eine oder andere sprachliche Korrektur vornehmen.  Das dauert nur alles seine Zeit. Was leider auch noch nicht klappt: ein „Blog abonnieren“-Plugin. Aber das kommt hoffentlich auch bald.

Die ersten Texte (d.h. die jüngsten) sind schon einigermaßen formatiert und kontrolliert, alle weiteren werden über kurz oder lang folgen. Bei den noch nicht bearbeiteten Texten führen die internen Links – d.h. Links auf einen anderen Blogtext von mir – noch auf den alten WordPress-Blog.

Es gibt jetzt und bis auf weiteres beide Blogs nebeneinander, aber die neuen Untersuchungen und Texte werden nur noch an der neuen Adresse veröffentlicht (das wird aber auch im ,alten‘ Blog gemeldet).

Und zuletzt eine Frage, die mir häufig gestellt wird: warum sage ich das Blog? Weil Blog / Weblog mit Logbuch zusammenhängt.

17. April 2019
von SchspIN
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„Warum arbeitet Ihr nicht mit Drehbuchautorinnen?“

Deutsche und britische Autorinnen fragen Fernsehsender

Am Anfang war die Zahl

Seit etwas mehr als sechs Jahren analysiere und kommentiere ich die Film- und Fernsehbranche, wobei es mir dabei primär nicht um Beschreibung des – schlechten – Ist-Zustands geht, sondern um Veränderung. Deshalb mache ich auch Vorschläge wie zum Beispiel #Augenauf, #2v6pN und natürlich NEROPA. Und ich liefere Grundlagendaten, die andere für ihre Arbeit nutzen können. In diesem Zusammenhang wurde ich vor ein paar Wochen von einer Drehbuchautorin angerufen die wissen wollte, wie viele TATORT-Bücher 2018 von Frauen geschrieben wurden. Perfektes Timing, ich hatte ein paar Wochen zuvor meinen 6-Gewerke-Check der TATORTE 2011 bis 2018 (Verbrechen aus Männersicht) veröffentlicht. Ein zaghafter Anstieg der Frauen im Regiefach gen anvisiertem 20 %-Frauenanteil ist sichtbar, gleichzeitig bewegte sich aber der Autorinnenanteil rapide in den Keller und bei Kamera und Ton wurden sogar Nullwerte erreicht.
Der TATORT gilt als das höchstbezahlte 90-Minuten Format, warum soll diese Einkommensquelle Frauen vorenthalten werden? Warum agiert ein mit öffentlichen Geldern finanzierter Sender nicht im Sinne des Grundgesetzes und diskriminiert Menschen aufgrund ihres Geschlechts? Und nicht zuletzt: was bedeutet es für das Publikum, wenn die Geschichten (fast) nur von Männern gefilmt und erzählt werden? Ich habe über diese Problematik neulich im Zusammenhang mit der Serie BABYLON BERLIN geschrieben (Babylon Männersoap Berlin), Produzenten und Kameramänner und vor allem drei Regisseure, die auch die Bücher verfassten, – was sich ungünstig gestalterisch und und vor allem inhaltlich auswirkte. Gestern hörte ich, dass die zweite Staffel von BAD BANKS, nicht wie die erste Staffel von einem Headautor (Oliver Kienle) und zwei Staff-Autor*innen (Jana Burbach und Jan Galli), sondern nur noch von Männern geschrieben wird. Die Staffel, in der die junge Bankerin Jana Liekam (Paula Beer) und die ältere Bankerin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) im Zentrum stehen. Fällt so etwas niemandem auf?
Doch zurück zum Anruf der Autorin.

Drehbuchautorinnen zweier Länder wehren sich


Meine TATORT-Analysen wurden zum Anstoß für eine innerhalb [Weiterlesen – Read On]

2. April 2019
von SchspIN
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Der kleine Mann und die kleine Miss

Kleine Kinder

Kennt Ihr das? Leute sprechen von einem Baby oder Kleinkind, und wenn es binär einzuordnen ist, sagen sie Kleiner Mann oder Kleine Maus. „Oh, der kleine Mann ist aber süß / schüchtern!“ und „Oh, die kleine Maus ist aber müde / munter!“ Ich will jetzt gar nicht über die möglichen zugeschriebenen Eigenschaften sprechen, sondern nur über die Begriffe. Kleiner Mann beziehungsweise Kleine Maus. Manche Mütter oder Väter sprechen sogar von ihrem kleinen Sohn und ihrem Partner als „meine beiden Männer“. „Meine beiden Mäuse“ für Partnerin und kleine Tochter habe ich hingegen noch nie gehört. („Meine beiden Frauen“ auch nicht, lediglich einmal „meine Mädels“).

Also, der männliche Säugling, das männliche Kleinkind oder Kind ist ein Mann, aber eben erstmal nur ein kleiner. Wird der Junge älter, heißt er manchmal Großer oder Junior. Und später ist er irgendwann ein richtiger Mann. Grundsätzlich reicht ein Penis, um aus einem kleinen Kind einen (kleinen) Mann zu machen. Er ist wie sein Vater ein Mann, nur eben kleiner.

Das weibliche Baby, Kleinkind oder Kind ist eine Maus, eine kleine Maus oder eine Mäuschen. Was ist wenn sie größer wird? Ist sie dann eine große Maus? Eine Springmaus oder eine Ratte? Wann wird sie eine Frau, so wie ihre Mutter? Und gibt es auch die Zwischenstufe „kleine Frau“? Das habe ich in Bezug auf Mädchen allerdings noch nie gehört. Für das Mädchen (Genus neutrum!) reicht eine Vagina nicht, um sie zur (kleinen) Frau zu machen. Warum? Klingt das komisch, fühlt es sich seltsam an, von einem neugeborenen weiblichen Menschen als (kleine) Frau zu sprechen? Klingt das zu sexuell, nach entwickelten Brüsten, nach Geschlechtsreife? Oder ist „kleine Frau“ einfach eine veraltete Umschreibung für brave, fleißige Hausfrau?

Buchklassiker von kleinen Männern und Mäusen

In der Twittersphäre las ich mal von einem, der seine (Weiterlesen – Read On)

18. März 2019
von SchspIN
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Nachgereicht: Der Polizeiruf 110 hinter der Kamera

Letzten Monat habe ich meine Untersuchung inklusive 6-Gewerke-Check der TATORTE 2011 bis 18 veröffentlicht – Verbrechen  aus Männersicht, nachdem Ende Juli die TATORT-Analyse für die sechseinhalb Jahre bis zur Sommerpause 2018 als Was tut sich am TATORT? – #2v6pN erschienen war.
Zur Erinnerung: die Entwicklung ist alles andere als gut, 2018 waren nur 5,5 % Drehbuchautorinnen und jeweils 0 % Kamerafrauen und Tonmeisterinnen in den Teams. Als mich kurz darauf jemand nach den POLIZEIRUF 110-Zahlen fragte musste ich passen, denn den kleinen Vetter der TATORTE hatte ich mir noch nie wirklich angeguckt. Weil es ja immer nur eine Handvoll Filme pro Jahr sind, woraus schwerlich substanzielle Schlüsse zu ziehen sind. Oder doch?
Heute nun also die erstausgestrahlten POLIZEIRUFE der Jahre 2011 bis 18, einzeln und zusammengenommen mit den jeweiligen TATORTEN, mit herzlichem Dank an Ariela und Susanne für den Anstoß.

Tatüü Tataa, der Polizeiruf ist da!

POLIZEIRUF 100 ist eine Fernsehreihe aus der DDR, die erstmals am 27.6.1971 ausgestrahlt wurde als  DER FALL LISA MURNAU. Bis 1990 produziert vom Fernsehen der DDR, bis 1993 vom DFF Deutschen Fernsehfunk und danach von den verschiedenen ARD Sendeanstalten. Zum Vergleich: der erste der ursprünglich westdeutschen TATORTE wurde am 29.11.1970 in der ARD gesendet, TAXI NACH LEIPZIG.
Die ersten Jahrzehnte POLIZEIRUFE spielten logischerweise in der DDR, später dann in ostdeutschen Städten. Es gab und gibt aber Ausnahmen: Wien (4 Filme), Heilbronn (3), München/Nürnberg (6), Offenbach (8), Volpe (8), Bad Homburg (4) und München (36) (wobei alle Zahlen ohne Gewähr sind, denn ich habe sie von Wikipedia, und das ist keine 100 % zuverlässige Quelle. Mehr zur Geschichte des POLIZEIRUFS findet sich auf der ARD-Seite.
Ich kann nur mutmaßen, wieso es auch POLIZEIRUFE in Städten der ehemaligen BRD gibt. Was ich aber nicht verstehe ist, warum es seit 1998 auch einen in München gibt, denn dort ist bereits seit 1991 das TATORT-Team gespielt von Miroslav Nemec (*1954) und Udo Wachtveitl (*1958) am Start, bisher in rund 80 Fällen.

Aktuell gibt es gefühlt 612 TATORT-Teams, tatsächlich sind es 22. (Auf der ARD-Webseite werden 23 Teams gelistet, davon 2 für den Schwarzwald). Hingegen POLIZEIRUFE werden derzeit für vier Städte geschrieben:

Rostock: seit 2011 mit Charly Hübner (* 1972) und Anneke Kim Sarnau (* 1972)
Frankfurt / Oder: seit 2012 Maria Simon (*1976) und Lukas Gregorowicz (*1976)
Magdeburg: seit 2013 Claudia Michelsen (*1969) und Matthias Matschke (*1968)
München: ab 2019 Verena Altenberger (*1987).

Warum ich die (Weiterlesen – Read On)

1. März 2019
von SchspIN
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Die deutschen Kinofilme der letzten Jahre – 2012 bis 18

Nachdem ich zuletzt einen Blick auf sechs Gewerke hinter der Kamera bei den TATORTEN 2011 bis 2018 geworfen hatte (Verbrechen aus Männersicht) gibt es heute eine Analyse der 100 erfolgreichsten deutschen Kinofilme der letzten sieben Jahre, wieder mit besonderem Blick auf die beschäftigten Filmfrauen und Filmmänner in den Gewerken Regie, Drehbuch, Kamera, Komposition, Ton und Montage.  Ich habe die Filmgruppen weiter aufgeteilt, so gibt es Untersuchungen von den Top 50 und Top 100 Filmen, manchmal außerdem noch von den Top 10 und Top 20 Filmen. Als Quelle habe ich die Filmhitlisten der FFA verwendet, und die Crewangaben bei Filmportal.de, crewunited.com und IMDB.com recherchiert.
Dass die Bilder heute sehr bunt sind liegt daran, dass ich jedem Jahr ohne System eine Farbe zugewiesen habe sobald es in den Untersuchungen erstmals auftauchte, und diese Farben habe ich beibehalten bzw. fortgeführt. Und schließlich: die Bilder sind als Galerien angelegt, d.h. Ihr könnt einfach ein Bild, z.B. das erste, anklicken, und dann durch die vergrößerten Abbildungen wandern.

Top 100 deutsche Kinofilme 2012 bis 2018

Was für Filme gab es überhaupt?

Die ersten Abbildungen zeigen die Top 50 und Top 100 Filme, aufgeteilt in Spielfilme, Animationsfilme und Dokumentarfilme. Dass die größte Gruppe die Spielfilme bilden liegt auf der Hand, es sind übrigens auch immer recht viele Spielfilme für Kinder vertreten, 2018 sogar auf Platz 1 (LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER), in den meisten anderen Jahren waren es u.a. die verschiedenen Auflagen von FACK JU GÖTHE. Animationsfilme sind unter den Top 50 und Top 100 ähnlich häufig vertreten, Dokumentarfilme tauchen eher in der zweiten Hälfte auf, aber es gibt sie auch auf den oberen Rängen, die höchsten Platzierungen in den sieben Jahren erreichten DIE MANNSCHAFT, ein Dokumentarfilm über die deutsche Männerfußballnationalmannschaft (2014, Platz 10), PAPST FRANZISKUS, EIN MANN SEINES WORTES (2018, Platz 16) und die crowdgefundete Reisedokumentation WEIT. DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT (2017, Platz 17). Bei den (Weiterlesen – Read On)

6. Februar 2019
von SchspIN
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Verbrechen aus Männersicht

TATORTE 2011-18, was tut sich hinter der Kamera?

Vergangenen Sommer hatte ich eine Auswertung der TATORTE 2011 bis 2018 erstes Halbjahr veröffentlicht, es ging um sechs Gewerke hinter der Kamera – Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Musik und Schnitt – und die erstgenannten Rollen und den Hauptcast (Was tut sich am TATORT? – #2v6pN).
Heute gibt es die ergänzten Statistiken mit dem vollständigen 2018er –  insgesamt 37 – TATORT-Premieren sowie einigen zusätzlichen Untersuchungen zu den Regisseurinnen und Regisseuren, wie  dem Alter bei ihren TATORT-Debüts und der Anzahl aller bis Ende 2018 übernommenen TATORT-Regieaufträge, auch schon bevor 2011.

Fast 20 % Frauenanteil bei Regie, wie toll ist das?

Es ist keine große Neuigkeit mehr, dass es deutlich weniger Filme von Regisseurinnen umgesetzt werden als von Regisseuren, und zwar auch deutlich weniger, als dem Anteil der Regie-Absolventinnen an den Filmhochschulen entspricht (44 %) und auch weniger als ihrem aktiven Anteil in der Branche entspricht (Referenzwert Crew United Datenbank: Regisseurinnenanteil 25,3 %). Darüber forsche und schreibe ich seit Januar 2013 (SchspIN – Gedanken einer Schauspielerin), Pro Quote Regie trat im Oktober 2014 erstmals an die Öffentlichkeit, u.a. mit dem Ruf nach einer gestaffelten Frauenquote für ihr Gewerk sowie mit der Forderung „einer wissenschaftlichen Studie zum Werdegang und beruflicher Situation von Regisseurinnen in Deutschland sowie zur Vergabepraxis von Rundfunkanstalten und Fördergremien“, und der 94-seitige 1. Diversitätsbericht des Regieverbandes BVR „zum Anteil von Regisseurinnen an fiktionalen Film- und Fernsehproduktionen über den Zeitraum 2010-2013“ erschien im November 2014.

Vielleicht etwas langsam reagieren Sender, Produktionsfirmen und Redaktionen, mal ist von 20 % Regisseurinnen als Zielvorgabe die Rede, mal wird deutlich mehr erreicht – zum Beispiel beim ZDF Kleines Fernsehspiel. Und bei den TATORTEN?

2018 waren insgesamt 30 TATORTE von einem Regisseur und 7 von einer Regisseurin in Szene gesetzt. Das ist ein Frauenanteil von 18,9 % – also fast die anvisierten 20 %. Zum Halbjahr waren es 19 %, also keine große Veränderung.
Um etwas mehr ins Detail zu gehen,  es waren (Weiterlesen – Read On)

28. Januar 2019
von SchspIN
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19 Vorschläge für Film / TV / Bühne

Neujahrs-Detox für die Branche

Dieser Text sollte eigentlich am 1. Januar erscheinen, dann zumindest am 19. Wie das manchmal so ist, es kam viel zu viel dazwischen, und deshalb  erst heute: hier mein Text zum neuen Jahr, zum Rumschspinnen, zum Mitmachen! Welche Neujahrsvorsätze könnten der Branche guttun?

Produzent:  Das ist der verdammte Einfluss von Büffel!* Immer alles ändern.
Autorin:  Na er hat ja Recht. Was ich damals geschrieben habe das war verstiegen und romantisch, das gibt‘s gar nicht im wirklichen Leben.
Produzent: Die Leute sind romantisch. Die wollen doch auf der Leinwand nicht sehen was sie jeden Tag zu Hause haben können.
Autorin:   Büffel sagt, das Publikum ist viel vernünftiger als wir alle glauben.
Produzent:   Sein Wort in Gottes Gehörgang! (seufzt) Ich produziere auch nicht gerne Schnulzen.

* der Regisseur
DIE ZÜRCHER VERLOBUNG (1957). Regie: Helmut Käutner. Buch: Barbara Noack, Heinz Pauck, Helmut Käutner. Produzent: Walter Koppel. 

Die Nudelparabel

Eine Betriebskantine serviert jeden Tag Nudeln: Spaghetti oder Bandnudeln, Cannelloni, Tagliatelle oder Farfalle, Fettucine oder Makkaroni, Ravioli, Rigatoni oder Tortellini. Mal mit Fleisch, mal mit Fisch, mal mit Gemüse oder Salat. Es gibt täglich Nudeln, – andere Beilagen wie Reis, Hirse, Kartoffeln, Quinoa, Couscous, Pommes frites, Klöße, Brot oder Papadam stehen nie auf dem Speiseplan. Die Kantine ist immer gut besucht, den Gästen schmeckt’s.
Schlussfolgerung: Die Leute wollen nun mal am liebsten Nudeln.

Neujahrsvorsätze: Was wäre wenn…

Viele Menschen fassen zum Jahresbeginn gute Vorsätze wie weniger Fleisch, Alkohol oder Zigaretten konsumieren, mehr Sport treiben, eine neue Sprache lernen, weniger Smartphone und Internet (digital detox), keine Inlandflüge, mehr regionale Lebensmittel, das örtliche Gewerbe unterstützen statt Onlineshopping, die Haarfarbe oder die Stammkneipe wechseln, Neues ausprobieren, mit Gewohnheiten brechen. Viele Vorsätze werden schnell wieder abgelegt, nach einer Woche, nach einem Monat. Manche halten das ganze Jahr.
In diesem Blog geht es ja schwerpunktmäßig um Film- und Fernsehen. Und deshalb habe ich mir spontan 19 Detox-Vorsätze zum neuen Jahr 2019 für diese Branchen überlegt, die ich heute etwas verspätet veröffentliche. Ich freue mich, wenn Ihr sie diskutiert und Eure eigenen (19?) Ideen in der Kommentarspalte hinterlasst – oder sie direkt an Sender, Produktionsfirmen und Fördereinrichtungen schickt. Und natürlich auch, falls Ihr Entscheider*innen seid, den einen oder anderen Vorsatz ausprobiert, eine Woche, einen Monat oder das restliche Jahr. Warum eigentlich nicht?

Es ist 2019. Mut zum Risiko, Lust auf Veränderung und neue Wege. Seid verwegen! Das bringt Spaß und oft auch die besten Ergebnisse. Hier 19 Detox-Vorsätze, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in (Weiterlesen – Read On)

23. Dezember 2018
von SchspIN
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Früher war mehr Schnee

„Ist so kalt der Winter…“

Vor ein paar Jahren, als ich nach Berlin zog, hatte es im Winter noch richtig geschneit. Verkehrschaosmäßig geschneit. Und eine Kälte war das, so kalt, dass Hände trotz Handschuhen gefühllos wurden und die Augen tränten. Das gab es hier schon lange nicht mehr. Schade eigentlich. Ich mag Schnee.
Gleichzeitig ist es aber natürlich immer noch kalt. Alle, die eine Weile an der Bushaltestelle warten müssen, die an einer Straßenecke mit nem Freund quatschen, die auf einem Weihnachtsmarkt im Freien arbeiten wissen das.

Und deshalb: den ganzen Tag draußen sein ist nicht warm, egal wie mild der Winter. Auf der Straße leben ist nicht warm. Auch in einem U-Bahnhof übernachten ist nicht warm. Aber das müssen sehr viele.
In Berlin gibt es zwischen 5.000 und 10.000 Obdachlose, in Hamburg 2.000, fast 8.000 in München und fast 3.000 in Köln, – so lauten geschätzte Werte. Ein Viertel von ihnen sind Frauen. Deutschlandweit gibt es mehr als 500.000 Wohnungslose, dazu kommen noch einmal ungefähr genauso viele geflüchtete Menschen in Gemeinschaftsunterkünften (nach BAG Wohnungslosenhilfe).

Und deshalb #seidnett:

Bitte helft! Steckt Euer Kleingeld nicht ins Portemonnaie sondern in die Jackentasche, in die Manteltasche, dort, wo Ihr leicht drankommt. Sammelt es zu Hause, und nehmt immer wenn Ihr weggeht eine Handvoll mit, so dass Ihr nicht lange in Rucksack oder Handtasche suchen müsst.

Das nicht-silberne Kleingeld sammeln

Gebt es den obdachlosen Menschen, die Euch begegnen. Denen, die Straßenzeitungen verkaufen, denen, die durch die U-Bahn wanken und betteln, denen, die am Straßenrand auf dem Boden sitzen. Macht das doch einfach (Weiterlesen – Read On)