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Gedanken einer Schauspielerin

Wenn ich das Bundesverdienstkreuz hätte…

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Wenn ich einen Bundesverdienstorden hätte…

… wäre dies der Moment, ihn zurückzugeben.

Am Freitag, den 6. März 2020 bekamen vierzehn Frauen und fünf Männer von Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, auch Bundesverdienstorden oder Bundesverdienstkreuz genannt, die höchste Auszeichnung unseres Landes. In der Pressemitteilung 77 der Bundesregierung heißt es:

„Kurz vor dem Weltfrauentag werden viele Frauen für ihre herausragende künstlerische Vermittlungsarbeit sowie Frauen und Männer für ihr Engagement für mehr Geschlechtergerechtigkeit geehrt. Kulturstaatsministerin Grütters würdigte die 14 Ordensträgerinnen und fünf Ordensträger als „beherzte Streiterinnen und Streiter für faire Chancen sowie als erfolgreiche Vorbilder, um Frauen in Kultur und Medien zur eigentlich selbstverständlichen Gleichstellung zu verhelfen. Mit ihrem Engagement machen sie sich alle gemeinsam dafür stark, dass großartige Kultur- und Medienfrauen die ihnen gebührende Wertschätzung bekommen.“
Grütters weiter: „An der Spitze von Kultureinrichtungen und Medienunternehmen, in Gremien und Jurys, sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Seit Beginn meiner Amtszeit setze ich mich deshalb dafür ein, die Parität der Geschlechter auf allen Ebenen in Kultur und Medien zu verbessern.“

Bundesverdienstorden / Order of Merit, Germany

Auch in der hessischen Ferne erreichte mich diese Meldung (ich war Jurymitglied beim Deutschen Fernsehkrimifestival, darüber mehr nächste Woche), gleich mehrere Kolleg*innen, Freund*innen und Bekannte aus der Filmbranche simsten und mailten mir. Die am häufigsten verwendeten Worte waren allerdings:

Witz, Farce, Unsäglichkeit, Mauschelei, Schlag ins Gesicht

Generell gilt natürlich, dass das Auszeichnen von Frauen und Männer für „vorbildliches Engagement für faire Chancen“ eine gute Sache ist. Allerdings, ein Blick auf die Liste der Ausgezeichneten ist gleich doppelt ernüchternd. Zum einen, weil wichtige Persönlichkeiten übergangen wurden, und zum anderen, weil einige Männer ausgezeichnet wurden, die sich nicht wirklich für Geschlechtergerechtigkeit in ihrem Bereich stark gemacht hatten.

Warum also diese 19? Das lässt sich nicht unbedingt nachvollziehen. Stefan Mertsch, BKM Referat K teilte auf Nachfrage mit:

Über die Pressemitteilung hinaus gibt es leider keine Einzeltexte zu den Ordensträgerinnen und Ordensträgern. Frau StM’in hat bei dem Festakt am vergangenen Freitag mit sehr persönlichen Worten, die sie ganz überwiegend frei formuliert hat, alle Ordensträgerinnen und Ordensträger einzeln gewürdigt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass davon keine Mitschrift vorliegt. Die Ordensbegründungen, auf deren Basis der Bundespräsident sich für die Verleihung des Verdienstordens entschieden hat, unterliegen der Vertraulichkeit.  

Diese Geheimhaltung und Vertraulichkeit finde ich nicht nachvollziehbar, ja sogar problematisch. Wenn die Staatsministerin gute Gründe hat, diese 19 Menschen zu ehren, dann sollte sie diese mit uns teilen, das macht die Entscheidung transparent und ist außerdem informativ (nicht alle Ausgezeichneten sind unbedingt einer großen Allgemeinheit bekannt). Außerdem beugt es dem möglichen Verdacht vor, die Vergabe von Auszeichnungen wäre wie die Vergabe von Aufsichtsratsposten immer auch ein bisschen Mauschelei und findet hinter verschlossenen Türen statt.

Die Verleihung war nur für geladene Gäste. Sie war jedoch presseöffentlich, das heißt, für Pressemitglieder mit Presseausweis zugänglich. Längere Videomitschnitte gibt es leider nicht. Einen kurzen Videozusammenschnitt können Sie aber auf unserem Twitter Account finden.
(Auskunft Stefan Mertsch)

Ich weiß nicht, ob jemand von den anwesenden Medien nachgefragt oder gar hinterfragt hat, ich habe dazu nichts in der Berichterstattung zum 6.3. gefunden. Da wurde tatsächlich meist nur die o.g. Pressemitteilung abgedruckt, unkommentiert.

Wer sind die 19?

Ich habe die in der Pressemitteilung abgedruckte alphabetische Liste durch Recherche ergänzt:

  • Dr. Ingrid Bodsch, österreichische Historikerin, Leiterin des Stadtmuseums Bonn
  • Michael Brandner, Schauspieler, BFFS-Gründungsmitglied
  • Prof. em. Dr. Ewa Sabine Chojecka, polnische Kunsthistorikerin, Mitbegründerin des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker und Denkmalpfleger
  • Dr. Maria Gazzetti, Publizistin und Übersetzerin, Leiterin der Casa die Goethe in Rom (Deutschlands einziges Museum im Ausland)
  • Sylke Gottlebe, Filmkuratorin / Kulturmanagerin, Leiterin Filmfest Dresden / Kurzfilm
  • Prof. Ulrich Khuon, Dramaturg, Intendant Dt. Theater Berlin, Präsident Dt. Bühnenverein
  • Dr. Ursula Krechel, Schriftstellerin, Lyrikerin, Dramatikerin
  • Prof. Jeanine Meerapfel, Filmregisseurin und Drehbuchautorin, Präsidentin der Akademie der Künste
  • Univ.-Prof. em. Dr. Irmgard Merkt, Musikpädagogin, Initiatiorin Netzwerk Kultur und Inklusion
  • Regine Möbius, Schriftstellerin, Vizepräsidentin Dt. Kulturrat
  • Heinrich Schafmeister, Schauspieler, BFFS-Gründungsmitglied
  • Dr. Ralf Schenk, Filmkritiker, Journalist, Filmhistoriker. 2004-19 Mitglied Auswahlkommission Berlinale Wettbewerb, Vorstand DEFA-Stiftung
  • Gabriele Schulz, Stellv. Geschäftsführerin des Dt. Kulturrates, maßgebl. Autorin der Kulturratstudie „Frauen in Kultur und Medien“
  • Dr. Irmgard Sedler, Museumswissenschaftlerin und Volkskundlerin, 2003-18 Leiterin Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim
  • Dr. Charlotte Seither, Komponistin, Gema Aufsichtsrat, Präsidiumsmitglied Deutscher Kulturrat
  • Franziska Sperr, Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin, Vizepräsidentin Dt. PEN-Zentrum
  • Laurie A. Stein (Chicago, Berlin), Kunsthistorikerin / freiberuf. Provenienzforscherin
  • Christel Strobel, Filmjournalistin, Mitgründerin Kinderkino München, Mitinitiatorin Sektion Kinderfilm beim Filmfest München, Mitgründerin /-herausgeberin Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Wer fehlt?

Es gibt noch mehr Frauen, die für „herausragende künstlerische Vermittlungsarbeit“ stehen, und noch mehr Frauen und Männer, die sich für größere Geschlechtergerechtigkeit engagieren. Wo sind beispielsweise Vertreterinnen der Blickpilotinnen und der Verband der Filmarbeiterinnen? Wo Theaterfrauen? Pro Quote Bühne? Wo Filmhistorikerinnen, die sich für den Erhalt des weiblichen Filmerbes einsetz(t)en? Wo Journalistinnen wie Ellen Wietstock (black box Filmpolitischer Informationsdienst) und Sophie Charlotte Rieger (Filmlöwin – das feministische Filmmagazin), die unermüdlich Fakten liefern und Augen öffnen? Wo Repräsentantinnen von WIFTG, Pro Quote Regie, Pro Quote Film? Wo Schauspielerinnen, die sich für mehr Sichtbarkeit und mehr Chancen für Frauen vor der Kamera einsetzen, für gleiche Bezahlung, für mehr Beteiligung und mehr Macht von Kolleginnen im Schauspielverband? Wenn schon Leute aus Filmverbänden, warum nicht Esther Gronenborn und Verena S. Freytag, die während ihrer Zeit im Vorstand des Regieverbands den Ersten Diversitätsbericht Regie anstießen (jährlich fortgeschrieben, der 6. war zu 2018) und maßgeblich bearbeiteten, und die auch in die Gründung von Pro Quote Regie involviert waren? Warum kommen überhaupt so wenig Filmgewerke vor, gibt es wirklich keine Produzent*innen, Drehbuchautor*innen, Kameraleute u.a.m., die Vorbilder sind oder sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen? Niemand von einer Filmförderung? Und was ist mit Silke J. Räbiger, die von 2007 bis 2018 Leiterin des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund|Köln war (dessen 37. Ausgabe leider auch gerade abgesagt wurde)?

Klar, es können nicht alle auf einmal drankommen, 100 Orden zu verleihen wäre schon etwas ungewöhnlich. Aber dass ausgerechnet zu diesem Anlass und mit dieser Begründung die beiden Schauspieler und Mitgründer des Bundesverband Schauspiel BFFS Michael Brandner und Heinrich Schafmeister be-ordend werden und niemand sonst aus der Schauspielbranche auf der Liste steht, ist ein Schlag ins Gesicht aller Frauen im BFFS, die sich engagieren wollten und unter der Herrschaft von Brandner / Schafmeister ausgebremst wurden. Ein Schlag ins Gesicht aller Frauen, die sich tatsächlich und das seit Jahren und Jahrzehnten für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen, hinter und vor der Kamera.

Was für ein Signal sendet Frau Grütters hier aus? Kennt sie die engagierten Filmfrauen nicht? Doch, ich denke schon. Warum übergeht sie dann so viele von ihnen? Und wenn sie bestimmte Männer ehren will (kann sie ja wohl), warum dann ausgerechnet zu diesem Anlass? Ging das nicht ohne Behauptung eines angeblichen außerordentlichen Engagements für Frauen?

Eine Frau muss doppelt so gut sein

Es gibt gerade einen Trend, wo Männer sich der Frauenthemen annehmen um sich zu profilieren, während die Künstlerinnen weiterhin ausgeschlossen bleiben und wie gehabt, ihr – auch ohne Schleier – unsichtbares Leben weiteratmen. Dieser Preis fällt sicher teilweise auch in die Kategorie. Ist ja eh ein Ding, dass der Preis für Gendergerechtigkeit gleich fünfmal an Männer geht! Es scheint zu reichen, der Pro Quote Bühne-Bewegung zugänglich zu sein, ohne gleichzeitig mehr Regisseurinnen zu engagieren. Das ist immer wieder erstaunlich und zeigt wie herrlich doch das öffentliche Leben ohne Frauen geht.
Amina Gusner, Regisseurin, Autorin, Mitgründerin Pro Quote Bühne

Im Zusammenhang mit Job- und Postenvergaben heißt es manchmal, dass eine Frau doppelt so gut sein muss wie ein Mann, um als gleichwertig anerkannt zu werden. Gilt im Umkehrschluss, dass ein Mann nur halb so gut sein muss? Das ist polemisch, klar. Aber ich war schon etwas überrascht über die ausgewählten Männer und das ihnen durch die Staatsministerin attestierte große Engagement für Frauen in der Branche. (wie gesagt, ich kenne leider nicht die offiziellen Begründungen). Eine Recherche ergab:

Ralf Schenk hat 2019 gemeinsam mit Filmwissenschaftlerin Cornelia Klauß das Buch „Sie – Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme“ herausgegeben. Prima. Sein langjähriges Mitwirken in der Auswahlkommission für den Berlinale Wettbewerb hat nicht wirklich für eine große Einbeziehung von Regisseurinnen geführt, aber vielleicht war er da ja ein Vorkämpfer in der Minderheit (das meine ich ernst).

Von Ulrich Khuon fand ich zwei Zitate zum Thema. Eins beim Bühnenverein: „Für die Gremien muss es in absehbarer Zeit eine geschlechtergerechte Besetzung geben. Nicht heute oder morgen, aber während der nächsten beiden Wahlperioden.“ (N.N., BR-Klassik 10.6.18). Das ist nicht besonders forsch. Ebensowenig seine Aussage, dass „Frauen sich auch in den Theatern trauen sollten, ihrem Wunsch nach Kindern zu folgen“. (zitiert nach Christiane Peitz, Tagesspiegel 18.7.17). Aber auch wieder, vielleicht hat er deutlich mehr getan für Geschlechtergerechtigkeit, ich hab es nur nicht finden können.

In dem o.g. Kurzvideo des BKM gibt es diesen O-Ton:

Olaf Zimmermann: Dass der Gender Paygap, also das heißt, dass Frauen, freiberuflich arbeitende Frauen im Kulturbereich so viel deutlich weniger verdienen als Männer, und zwar 25 % weniger verdienen, das war für mich wirklich sehr erschreckend. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass das so ist, und da hab ich gesagt, da müssen wir gemeinsam etwas dagegen unternehmen.

Auch da wiederhole ich mich, – ich kenne die Begründung nicht und weiß auch nicht, was Herr Zimmermann konkret unternommen bzw. bewirkt hat zur Gleichstellung von Frauen im Kultur- und Medienbereich. Das Zitat im Video, eine für ihn neue Erkenntnis und eine Absichtserklärung, wären zu wenig.

Nicht dass ich hier missverstanden werde: ich maße mir gar nicht an, die kulturelle und politische Arbeit der Empfänger*innen des Verdienstordens beurteilen zu können. Ich frage mich nur, ob es sein kann, dass mitunter jemand für etwas anderes geehrt werden sollte und aus welchen Gründen auch immer jetzt in dieser Gruppe und in diesem Kontext landete. Das wäre schlecht für beide (den Geehrten und den Kontext).

Interessant ist übrigens die offizielle Resonanz beim BFFS, der ja sonst nicht gerade durch Zurückhaltung und Bescheidenheit aufgefallen ist, wenn es um tatsächliche und vermeintliche eigene oder alleinige Verdienste geht. Es gab schon mehrere Wochen oder Monate eine Meldung in einer BFFS-Rundmail, dass Michael Brandner geehrt werden würde, Heinrich Schafmeister wurde nicht erwähnt. Und auch nicht ,der Genderkontext‘. Beides fehlt auch in der Meldung „Es ist uns eine Ehre!“ auf der BFFS-Webseite vom 10.3., da wird die Auszeichnung – nur von Brandner – nur mit der BFFS-Gründung erklärt.  Warum wohl? Der Kommentar von Michael Brandner aus dem BKM-Kurzvideo darf an dieser Stelle indes nicht fehlen:

Michael Brandner: Auch in der breiten Masse müssen Frauen antreten und mitwirken in der Politik, in der Kunst und Kultur. Und das Engagement ist ganz ganz wichtig. Dazu muss man sie vielleicht auch ein bisschen schubsen und ziehen, oder überzeugen, oder überreden. So lange wir da keine Parität haben, denke ich mal, wird sich die Welt nicht deutlich verändern.

Aha.

Ich habe keine Lust, mehr über den BFFS zu schreiben, über die Problematik des von Anbeginn männerdominierten und männerbestimmenden Vorstands, die negativen Erfahrungen der ersten drei Frauen, die jeweils alleine unter Männern im Vorstand waren. Ich habe keine Lust, über die Unmöglichkeit zu schreiben, sich als Schauspielerin im Verband zu engagieren und Genderthemen auf die Agenda zu setzen, über die undemokratische Struktur des Verbands. Fragt andere Ex-Mitglieder, oder / und lest meine alten Artikel:

Die persönlichen Worte von Frau Grütters bei der Ehrung von Michael Brandner begannen übrigens so:

Michael Brandner ist ja nicht nur als begnadeter und gefeierter Schauspieler in Film und Fernsehen heute hier sondern als Mitbegründer und langjähriger Erster Vorsitzender des Bundesverbandes Schauspiel. Sie haben sich da glaube ich wirklich alle miteinander, Herr Schafmeister ist auch da, große Verdienste erworben. So hat der Verband unter Ihrem Vorsitz nicht zuletzt erhebliche soziale Verbesserungen auch für Schauspielerinnen und Schauspieler aber eben auch für Schauspielerinnen angestoßen, (Quelle: ein mit Handy aufgenommenes Video, das mir geschickt wurde)

was die sozialen Verbesserungen für Schauspielerinnen sind bleibt offen, oder reicht es schon, etwas für alle zu machen, und Frauen sind ja mitgemeint, also ist es etwas im Sinne von Geschlechtergerechtigkeit? Ich denke das tut es nicht. Frau Grütters weiter:

und auch bei der Gründung von Themis, ich hab‘s eben erwähnt, der Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt hat der Verband wirklich eine zentrale und für uns ganz ganz wichtige Rolle gespielt, und deshalb freue ich mich, Ihnen auch heute hier dafür nicht zuletzt mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande Dank sagen zu können.

Das mit „Themis“ ist so eine Sache. Ich fand beispielsweise, dass die Gründung viel zu schnell ablief und ein bisschen übers Knie gebrochen wurde (man munkelte, dass Gelder (vom BKM? weiß grad nicht) zur Verfügung stünden, und schnell gehandelt werden müsse. Aber das ist ein anderes Thema und zu viel für diesen Artikel. Nur so viel: es gibt bundesweit Frauennotrufe und Beratungsstellen, die ihren Ursprung teilweise in der autonomen Frauenbewegung hatten. Warum etwas völlig neues aus dem Boden stampfen, wenn es bereits sehr gut und hochqualifiziert arbeitende, dezentrale Strukturen gibt? Und warum schickte der BFFS von Anfang an nur Männer zu den Beratungs- und späteren Gründungstreffen zur ,Vertrauensstelle‘, warum wurden keine Kolleginnen mitgenommen, gefragt, einbezogen? Es heißt, dass Heinrich Schafmeister und Bernhard Störkmann schon mit einem mehr oder weniger fertigen Konzept in diese Treffen gingen, aber das habe ich wirklich nur vom Hörensagen, denn auch ich wurde nicht zu diesen Treffen eingeladen. (nur zur Erinnerung: mein Blogtext Der Fall Weinstein: Gedanken zur deutschen Filmbranche erschien am 16.10.17, das war soweit ich weiß noch vor den ersten Artikeln in den Medien mit Bezug auf die deutsche Situation, und ich war also schon im Thema ,drin‘. Andere Kolleginnen, damals auch im BFFS, ebenfalls).

Jedenfalls: Männer die mit Frauen reden bzw. noch besser Frauen reden lassen und ihnen zuhören finde ich konstruktiver als Männer die – ungefragt – für Frauen reden und sie dabei außen vor lassen. Unter einem Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit stelle ich mir etwas anderes vor. 

Aber zurück zum Verdienstorden, denn ich wollte gerne noch etwas Grundsätzliches zu dieser Auszeichnung und etwas Spezielles zum 6.3. schreiben: 

So ein Verdienstorden, wie geht das überhaupt?

Das ist ein Nebeneffekt der Hintergrundrecherchen zu meinen Blogtexten, ich lerne viel Neues. Und das teile ich gerne mit Euch. Wusstet Ihr, dass der Anstoß für so einen Orden von uns allen kommen kann? So heißt es auf der Webseite des Bundespräsidenten:

Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an einen anderen anregen.
Die Ordensanregung ist formlos an die Staats- bzw. Senatskanzlei des Bundeslandes zu richten, in dem der Auszuzeichnende wohnt.
Die Ordensanregungen werden von den Staats- und Senatskanzleien bzw. vom Auswärtigen Amt geprüft. Formelle Ordensvorschläge dürfen dem Bundespräsidenten nur die Regierungschefs der 16 Länder für ihre „Landeskinder“ und der Bundesminister des Auswärtigen für Ausländer oder für Deutsche mit Wohnsitz im Ausland unterbreiten. Der Bundespräsident stützt seine Entscheidung grundsätzlich auf ihre Prüfungsergebnisse und Anträge und nimmt Ordensverleihungen nur im Konsens mit ihnen vor.

Und weiter:

Viele der ehrenamtlich aktiven Menschen in unserem Land setzen sich bereits jahrelang und in einem ganz erheblichen zeitlichen Umfang für andere ein. Sie kennen einen solch ehrenamtlich besonders aktiven Menschen und wollen ihn für die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland anregen? Das folgende Formular können Sie gerne online ausfüllen und dann ausdrucken oder direkt ausdrucken und handschriftlich ausfüllen.
Auf Folgendes möchten wir noch hinweisen:
•  Die reine Erfüllung von Berufspflichten bzw. die tadelsfreie Erfüllung von Dienstpflichten von Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder die Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten allein genügt nicht für eine Verleihung. Die ehrenamtliche Tätigkeit muss mit großem persönlichem Einsatz unter Zurückstellung eigener Interessen längere Zeit ausgeübt worden sein. (…)
•  Es können nur Einzelpersonen vorgeschlagen werden, Ehrungen von Gruppen sind nicht möglich.

In diesem Fall, also den 19 Orden vom 6.3., lief es übrigens anders ab als vorgeschrieben, wie mir Stefan Mertsch berichtete:

Frau StM’in hat ihre Vorschläge den Ministerpräsidenten der Länder bzw. dem Bundesminister des Auswärtigen vorgelegt und dort um Abtretung des Vorschlagsrechtes gebeten. Die Vorschläge gingen über Frau Grütters an den Bundespräsidenten, welcher abschließend entscheidet.

Gerade um nicht den Eindruck von eventueller Begünstigung aufkommen zu lassen und die Entscheidungen nachvollziehbar zu machen sollten die Ordensbegründungen veröffentlicht werden. Warum geschieht das nicht sowieso automatisch bei dieser ,höchsten Auszeichnung der Bundesregierung oder des ganzen Staates‘?

Kleines Fazit

Es ist sinnvoll, großartigen Kultur- und Medienfrauen die ihnen gebührende Wertschätzung zukommen zu lassen. Und ebenso, Männer zu ehren, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Auf der von Frau Grütters zusammengestellten Liste fehlen jedoch etliche Namen, und einige wenige passen nicht ganz darauf.

Wenn ich den Bundesverdienstorden hätte wäre dies der Moment, ihn zurückzugeben.

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