In den letzten Wochen haben manche hierzulande oder in der Onlinewelt das Brexit-Spektakel in London mit einer Fernsehserie verglichen, die schon seit mehreren Staffeln das Publikum in Atem hält. Es wurden Plottwists bewertet und über neue Figuren und Handlungsstränge spekuliert. Das ist nicht die einzige Parallele zum BFFS, der umso mehr unterhält, je weniger man fürchten muss von den Auswirkungen der tatsächlichen oder fehlenden Verbandspolitik betroffen zu sein.
BFFS: Fact and Fiction
Hat der BFFS das Zeug zu einer Fernsehserie? Oder zu einer Reihe von 60- oder 90-Minütern? Davon handelt der heutige Text, der in einzelne Episoden unterteilt ist, Zeitsprünge und Rückblenden inklusive. Unvollständig. Ein erster Entwurf.
BFFS – DIE SERIE handelt von Macht und Manipulation, und ist in der Glamourwelt des Films und ihren Schattenseiten angesiedelt – aber nicht nur da.
Also ein ähnliches Thema wie zum Beispiel DER DENVER-CLAN (Ölbranche. USA, 9 Staffeln mit insg. 218 45-min. Folgen, 1981-89) und BAD BANKS (Finanzwelt. D / LUX, bislang 1 Staffel mit 6 ca. 50-min. Folgen, 2018).
Ich werde am Rande auch einen kurzen Blick auf das Potenzial von BFFS – DIE SERIE als Comedyformat werfen, wo es sich anbietet.
Die Patriarchen
Dass die Hauptfiguren / die autokratischen Vorstandsmänner eher unsympathisch rüber kommen muss nicht unbedingt schaden und ist auch kein Seriennovum. Gehen wir zurück zum erwähnten DENVER-CLAN. Dort steht der alte, megareiche Partriarch Blake Carrington im Zentrum, ein skrupelloser Businessmann mit aggressiven Zügen und Kontrollzwang. Er lässt seine junge zweite Frau Krystle (die ehemalige Sekretärin) überwachen, stellt sie regelmäßig auf die Probe, macht Psychospielchen mit ihr, vergewaltigt sie als sie einmal keinen Sex mit ihm will. Den Lover seiner Tochter Fallon lässt er zusammenschlagen, den Exlover seines schwulen Sohns Steven tötet er fahrlässig und gegen den Sohn, der zwischenzeitlich ein Kind gezeugt hatte (das waren die 80er, da schwankte der Schwule im Film zwischen schwul und hetero hin und her) strebte er einen Sorgerechtsstreit um seinen Enkel an. Beruflich trat er aggressiv auf, lehnte Kooperationen mit anderen ab und war eigentlich darauf aus, alle Gegner platt zu machen oder aufzukaufen. Seine zweite Frau liebte ihn natürlich trotzdem, fast die ganze Zeit. Mehr erinnere ich gerade nicht, wir hatten vor ein paar Monaten mal die ersten beiden Staffeln gebingt.
Aber wie gesagt, das waren die 1980er. Ein reiner Männerhauptcast (BFFS-Vorstandsmänner) mit Frauen als Staffage (Vorstandsfrauen) passt dramaturgisch eigentlich schlecht in die Kreativbranche des 21. Jahrhunderts. Und in einer Branche, in der Teamarbeit fundamental ist – wir reden hier ja nicht von der Ölindustrie – einen Alleingang nach dem anderen zu betreiben und die gewöhnlichen Mitglieder vorrangig als Masse, Beitragszahlende sowie als fleißige Helfer*innen zu sehen…. Hm. Selbst in einer Serie wie BAD BANKS waren zwar alle irgendwie unsympathisch, aber niemand so einseitig. Auch den Hauptanwalt der Serie – den Justiziar des Vorstands – würde man heute eigentlich mit einer Frau besetzen, das ist gut, endlich einmal eine böse Frauenfigur. Aber neben den alten weißen Männern einen weiteren alten weißen Mann, der knallhart agiert und gleichzeitig gewissermaßen vom System profitiert (div. Geschäftsführungs- und andere Posten, eine ausgelastete Kanzlei und eine gut finanzierte Bürogemeinschaft), das ist alles zu glatt.
Gut, man könnte in den Vorstand einen Guten als Sympathieträger und einen Nerd als Comic Relief einbauen, Hahnenkämpfe erfinden, Mobbing, gar einen Aufstand der Vorstandsfrauen (häufig überlieferter Satz: „da muss ich die Männer fragen“), Schicksalsschläge und Affairen, – da könnte noch einiges die Monotonie aufbrechen. Oder es wird eine Comedy, da bleiben Figuren ja auch meistens ein bisschen stereotyp und entwickeln sich nicht weiter. Aber selbst da wären vermutlich „die da oben“ die Bösen, und die Sympathie läge bei den Kleinen. Wobei die ,Bösen‘ durch Humor punkten könnten. Aber das kommt in der Realität bislang nicht vor. Weiterlesen →


